Das anhaltende Niedrigwasser am Rhein könnte der deutschen Wirtschaft bis Ende Oktober Produktionsverluste im Wert von rund 913 Millionen Euro bescheren. Das zeigt eine Modellrechnung des Beratungsunternehmens Prognos für das “Handelsblatt” (Freitagausgabe). Die Wertschöpfung allein im Rhein-Einzugsgebiet könnte demnach um knapp 214 Millionen Euro sinken.
Am stärksten trifft es die Chemieindustrie. Auf sie entfallen mit rund 426 Millionen Euro fast 47 Prozent der möglichen Produktionsverluste. Für Kokereien und die Mineralölverarbeitung errechnet Prognos Einbußen von knapp 207 Millionen Euro. Es folgen die Ver- und Entsorgung mit 49 Millionen Euro sowie Logistik, Handel und Gastgewerbe mit knapp 48 Millionen Euro.
Besonders gefährdet ist die Industrieregion Mannheim-Ludwigshafen: Dort könnten Produktionsverluste von rund 494 Millionen Euro entstehen. Für das Rhein-Main-Gebiet beziffert Prognos das Risiko auf 136 Millionen Euro, für Karlsruhe auf knapp 118 Millionen Euro.
Grundlage der Berechnung sind die bis zum 30. Juli gemessenen Pegelstände in Kaub bei Koblenz und Duisburg-Ruhrort sowie die Sechs-Wochen-Vorhersage der Bundesanstalt für Gewässerkunde. Den weiteren Verlauf bis Ende Oktober modellierte Prognos anhand saisonaler Muster der Jahre 1990 bis 2019. Die längerfristige Schätzung hängt stark von den kommenden Niederschlägen ab.
Doch das Niedrigwasser ist nur der sichtbarste Teil eines größeren Problems. Auch abseits der Flüsse wächst der Druck auf die Ressource: Unternehmen rechnen mit strengeren Vorgaben für Wasserentnahmen, investieren in Recycling und prüfen alternative Bezugsquellen. Zugleich verschärfen neue Großverbraucher wie Rechenzentren die Konkurrenz. Experten rechnen deshalb damit, dass der Streit um Wasserressourcen zunehmen wird – und darum, welche Standorte künftig noch verlässlich versorgt werden können.

