Die Verbraucherzentralen haben einen zielgerichteten Einsatz der geplanten Zuckersteuer gefordert.
Coca Cola in einem Supermarkt (Archiv), via dts Nachrichtenagentur
Man setze sich dafür ein, “die Einnahmen aus der Zuckersteuer für eine vernünftige und nachhaltige Finanzierung der Gesundheitsförderung zu verwenden”, sagte Ramona Pop, die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV), dem “Redaktionsnetzwerk Deutschland” (Samstagausgaben). Prävention beschränke sich aber nicht auf die Gesundheit allein, es gehe auch um die Bereiche Arbeitswelt, Ernährung, Verkehr, Stadtentwicklung und viele mehr, sagte sie und forderte eine Koordinierung aller notwendigen Maßnahmen aus dem Bundeskanzleramt heraus.
“Wir sehen mit Sorge, dass die Lebenserwartung in Deutschland inzwischen unter den EU-Durchschnitt gerutscht ist”, sagte Pop und verwies darauf, dass bei der Bekämpfung von Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas oder Diabetes hierzulande so gut wie keine Fortschritte erzielt worden seien. Auch beim Schutz vor Hitze gebe es erheblichen Nachholbedarf. Insgesamt brauche es eine Prävention, “die sich nicht auf den Gesundheitsbereich beschränkt”, sagte Pop. Nur im Kanzleramt gebe es “die Kompetenz, alle wichtigen Ressorts an einem Tisch zu versammeln”.
Pop verwies auf die wirtschaftliche Dimension des Problems. “Derzeit ist der Gesundheitsbetrieb ein Stück weit der Reparaturbetrieb. Wir zahlen hinterher die Kosten für das, was man vorher mit Gesundheitsförderung nicht hinbekommen hat. Wobei das dann viel teurer ist”, sagte sie. Die volkswirtschaftlichen Kosten der chronischen nicht-übertragbaren Krankheiten seien gerade in einer alternden Gesellschaft erheblich. “Ein besonders bedrohlicher Trend ist auch, dass jüngere Menschen heute kränker sind als früher”, sagte Pop. “Wenn man darüber diskutiert, wie wir die Produktivität steigern können in Deutschland, gehört das Thema Prävention ebenfalls dazu.”
Zur Finanzierung der Maßnahmen können sich die Verbraucherschützer auch eine Erhöhung der Tabak- und Alkoholsteuer vorstellen, wie Pop sagte. Insgesamt müsse das Geld “unabhängig von Krankenkassen und anderen Institutionen eingesetzt werden, damit der Fokus eindeutig auf Gesundheitsförderung liegt”. Es dürfe nicht darum gehen, “den x-ten Rückenkurs zu finanzieren”.

