Dillinger Landrat fordert kritische Analyse der Hochwasserkatastrophe

Eine tiefgreifende und kritische Analyse der massiven Auswirkungen des jüngsten Hochwasserereignisses ist aus Sicht von Landrat Markus Müller unbedingt erforderlich. Dabei sei eine „Effekthascherei in der Bewertung“ nicht zielführend. Aus seiner Sicht gebe es keine einfachen Antworten, da bei den jüngsten Hochwasserereignissen zum einen eine Vielzahl von Faktoren überregional zusammengetroffen, aber auch die eine oder andere Überraschung zu Mengen, Dimensionen, Wechselwirkungen und Auswirkungen aufgetreten sei.

Landrat Müller Foto: Patrick Heinz

„Nach einer Analyse der Gesamtsituation müssen im ersten Schritt für den Grundschutz entlang der Donau und bei den Nebenflüssen zeitnah die richtigen Schlüsse gezogen und mit der entsprechenden fachlichen Expertise sowie der notwendigen finanziellen Unterstützung durch den Freistaat effektive Verbesserungsmaßnahmen sukzessive umgesetzt werden“, betont Müller.

Nur dank des beispielgebenden Einsatzes von über 4.400 Einsatzkräften der Feuerwehren, des Roten Kreuzes, der DLRG, des THWS, der Polizei und der Bundeswehr, der höchsten Respekt verdient, konnte nach Überzeugung des Landrats Schlimmeres im Landkreis vermieden werden. Als ein ermutigendes Zeichen in schwierigen Zeiten wertet Müller dabei den sichtbaren Zusammenhalt in der Gesellschaft und die in den Tagen der Krise gelebte Solidarität. So unterstützen sich Wehren gegenseitig im Landkreis oder half die Bevölkerung nach spontanen Aufrufen beim Befüllen von Sandsäcken mit. Im Verlauf der letzten Tage gingen viele Einsatzkräfte dabei an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Um für künftige Hochwasserereignisse noch besser gewappnet zu sein und einen bestmöglichen Schutz für das Hab und Gut der Menschen und insbesondere für Einrichtungen der kritischen Infrastruktur gewährleisten zu können, braucht es nach Ansicht von Landrat Markus Müller jetzt eine abgestimmte Vorgehensweise im ganzen Freistaat. Für den Landkreis Dillingen stellt sich Müller dabei zunächst eine tiefgreifende Analyse des Ereignisses der letzten Tage vor. Dazu sei notwendig,

  • die Dämme sowohl entlang der Donau als auch an den Zuflüssen auf ihre Standsicherheit zu prüfen und dort zu ertüchtigen und auszubauen, wo es noch keinen ausreichenden Grundschutz gibt. Als Beispiel nennt er den Abschnitt der Donau bei Peterswörth oder Zuflüsse wie die Zusam im Bereich der Stadt Wertingen und der Gemeinde Buttenwiesen, aber auch die Glött.
  • den Schutz der kritischen Infrastruktur in den Fokus zu nehmen und im Einklang mit Maßnahmen des Grundschutzes ggf. zusätzliche Schutzmaßnahmen in den betroffenen Gemeinden zu planen. Müller nennt als Beispiel die Kläranlage in Gundelfingen, die im Verlauf des Hochwasserereignisses nicht mehr gesichert werden konnte. Auch die Kläranlage in Mörslingen sei zeitweise überschwemmt gewesen. Positiv erwähnt er die erfolgreichen Schutzmaßnahmen an der Trafostation in Fristingen und dem Wasserwerk in Pfaffenhofen. „Dadurch konnte die Versorgung vieler Menschen mit Strom und Trinkwasser sichergestellt werden. Dies macht aber auch deutlich, welche Gefahren große Hochwasserlagen für die kritische Infrastruktur darstellen“, betont Müller. 
  • Ebenso gelte es die Erkenntnisse von Wirkung und Entfaltung des Riedstromes bzw. das Zusammentreffen von Übermengen aus einer Vielzahl von Flüssen zu bewerten.

Dem Landrat ist es ein Anliegen, dass zur Analyse und zum Abgleich auch das vorhandene und dem Wasserwirtschaftsamt bekannte Datenmaterial herangezogen wird. Zudem gelte es neben den Kommunen auch andere Beteiligte und Betroffene mit einzubeziehen.  

Um im Katastrophenfall die örtlichen Einsatzleitungen bestmöglich unterstützen und beraten zu können, ist nach Ansicht Müllers eine möglichst verlässliche Prognose in Bezug auf Abflussmengen erforderlich. Nur so können für die Betroffenen entsprechende Maßnahmen gestaltet werden. Deshalb hält es Markus Müller für erforderlich, dass neben Einzelbetrachtungen der Flussläufe und deren Überschwemmungsausbreitung auch die Gesamtgemengelage mit ihren Wechselwirkungen der Regionen und Flüsse nachvollziehbar dargestellt wird. So waren zum Bespiel an einzelnen Flüssen die tatsächliche Entwicklung hin zu einem HQextrem zunächst nicht prognostiziert.

 

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