Die Boxbote Logistics GmbH hat beim zuständigen Amtsgericht Augsburg einen Insolvenzantrag gestellt.

Das Insolvenzgericht bestellte Dr. Alexander Zarzitzky von der Kanzlei Anchor Rechtsanwälte zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Derzeit verschafft sich Dr. Zarzitzky gemeinsam mit seinem Team einen Überblick vor Ort und wird den Geschäftsbetrieb während des vorläufigen Insolvenzverfahrens uneingeschränkt fortsetzen.
Dr. Zarzitzky ist zuversichtlich eine gute Lösung für das Unternehmen zu finden: „Wir prüfen derzeit die wirtschaftliche Situation und alle Sanierungsoptionen. In den kommenden Tagen werden wir erste Maßnahmen ergreifen.“
Die Boxbote Logistics GmbH wurde 2015 gegründet. Die initiale Idee war es, den lokalen Handel im Wettbewerb mit dem Online-Handel zu unterstützen. Daraus entstand ein regionaler Online-Marktplatz mit eigener CO2-neutraler Fahrradlogistik.
2020 erwirtschaftete Boxbote zum ersten Mal positive Erträge und validierte somit die Funktionalität des nachhaltigen Businessmodells. Zwar war die Zahl der Kunden während der Corona-Regulierungen deutlich gestiegen, jedoch stiegen auch die Betriebskosten durch neue Hygieneauflagen und viele Krankheitsausfälle. Auch die Anhebung des Mindestlohns und die somit steigenden Ausgaben für die Kurierfahrer-Logistik stellte Boxbote vor Herausforderungen.
Aufgrund der geringen Margen hatte sich Boxbote in den letzten Jahren bereits nicht mehr auf die Zusammenarbeit mit der Gastronomie und die Auslieferung von Essen fokussiert. Das Hauptaugenmerk lag auf der Zusammenarbeit mit größeren Unternehmen und Einzelhändlern wie z.B. mit Buchhandlungen und verschiedenen Apotheken.
Mit dem Start der Ukraine-Krise und der steigenden Inflation nahm das Bestellvolumen auf der Plattform drastisch ab. Es folgte ein deutlicher Umsatzeinbruch. Für das laufende Jahr zeigt die Tendenz weiter nach unten. „Meine Mitgründer und ich haben zwischendurch noch einmal eigenes Geld investiert, aber jetzt ist der Punkt gekommen, wo es einfach nicht mehr weiter geht.“, so Mitgründer Raimund Seibold.
Die Gesellschafter hatten sich bis zuletzt kein Gehalt ausgezahlt, sondern beziehen ihr Einkommen aus der 2017 gegründeten Social-Media-Agentur Innoit GmbH, die nicht von der Insolvenz betroffen ist.
Die Dienstleistungen von Boxbote, wie z.B. Bestellungen von Metzger- und Bäckereiwaren, sind nach wie vor nutzbar und die Fahrerinnen und Fahrer der Fahrradlogistik werden weiterhin in Augsburg zu sehen sein.
Die Gründer und Mitarbeitenden haben Hoffnung und führen Gespräche mit potenziellen Käufern. „Ich glaube nach wie vor an unsere Idee und denke eine Übernahme durch einen Käufer wäre die beste Lösung für alle Beteiligten – vor allem für unsere verbliebenen acht Kuriere und unsere Kolleginnen und unseren Kollegen in der Verwaltung“, erklärte Seibold.
„Die Entscheidung, einen Insolvenzantrag zu stellen, war für uns keine leichte, aber eine notwendige Maßnahme. Wir arbeiten eng mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter zusammen und werden unser Bestes tun, um die Interessen unserer Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter zu wahren.“

