Zum Tag der Pflege stellte die Uniklinik Augsburg am Wochenende des 10. und 11. Mai 2024 in der City-Galerie die vielfältigen Pflegeberufe vor. Ziel dieser Aktion war es, auf die Bedeutung des Pflegeberufs hinzuweisen, der aktuell sowohl finanziell als auch im Ansehen aufgewertet werden soll. Diese Entwicklung ist gut und wichtig, da in Zukunft deutlich mehr Pflegekräfte benötigt werden. Doch bleibt die Frage, ob sich die Menschen, die diese wichtigen Dienstleistungen benötigen, sie dann auch noch leisten können.

Rund 28 Millionen Menschen arbeiten weltweit in der Pflege. In der Uniklinik Augsburg sind es etwa 3.500 Pflegekräfte aus rund 90 Nationen. Diese 3.500 Fachkräfte versorgen jährlich rund 70.000 stationäre Patientinnen und Patienten. Deshalb war der Tag der Pflege besonders ihnen gewidmet, um ihnen die Anerkennung zukommen zu lassen, die ihnen gebührt.
Große Pflege-Rückkehr-Offensive geplant
Es ging jedoch um noch mehr. Der Beruf der Pflegekraft ist äußerst anspruchsvoll. In einer Zeit, in der aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland immer mehr Menschen alt und pflegebedürftig werden, sind Pflegekräfte besonders gefragt. Der Beruf soll durch ein höheres Einstiegsgehalt, eine zusätzliche Rentenversicherung und Entlastung durch mehr Personal attraktiver gemacht werden. Ausländische Fachkräfte erhalten Unterstützung bei der Akkreditierung und werden schneller in Altenheime und Krankenhäuser integriert. Die Linke geht sogar noch weiter. Sie will in einer großen Rückkehr-Offensive diejenigen zurückgewinnen, die aufgrund der hohen psychischen oder körperlichen Belastung den Beruf verlassen oder auf Teilzeit reduziert haben.
Geht die Pflegereform auf Kosten der Pflegebedürftigen?
All dies sind gute Ansätze, um dem aktuellen Pflegenotstand entgegenzuwirken, der sich ohne Gegenmaßnahmen in den nächsten Jahren drastisch verschärfen wird. Pflegekräfte erhalten mehr Gehalt und sollen weniger starken psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt sein. Doch bleibt die Frage: Werden dadurch die Pflegekosten für die Menschen, die diese Dienstleistungen in Anspruch nehmen, nicht teurer?
Gerade Menschen, die in Augsburg und Umgebung Pflege zu Hause in Anspruch nehmen, haben den Eindruck, dass sie bei der insgesamt sehr guten Pflegeoffensive übersehen werden. Denn von einer Entlastung ist aus ihrer Sicht nicht viel zu spüren. Zwar wurde bereits 2023 eine Pflegereform beschlossen, die mehr finanzielle Hilfen bringen sollte, doch bei den Betroffenen ist sie noch nicht so richtig angekommen. So wurden die Leistungen für Heimbewohner, Angehörige und Eltern pflegebedürftiger Kinder zwar erhöht, aber das zusätzliche Geld wird durch gestiegene Preise wieder aufgezehrt. Auch die Krankenversicherungsbeiträge wurden zur Finanzierung des Mehrbedarfs im Jahr 2023 erhöht. Einige Krankenkassen hoben ihre Beiträge in diesem Jahr erneut um einige Prozentpunkte an. Es sieht ganz danach aus, als wäre die Pflegereform in Wahrheit nur ein Reförmchen. Ein Tropfen auf den heißen Stein. So jedenfalls der Tenor vieler Betroffener.
Pflegehilfsmittel und finanzielle Unterstützung für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen in Anspruch nehmen!
Für viele Pflegebedürftige bedeutet dies, dass sie weiterhin in ihren eigenen vier Wänden bleiben müssen, denn das betreute Heim ist ihnen zu teuer. Sie beschränken sich auf Pflegehilfsmittel wie Rollstuhl und Rollator oder finanzielle Hilfen für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, die ihnen von den Pflegekassen oder vom Bund zur Verfügung gestellt werden. Letztere – die Mittel zur Förderung von altersgerechtem Umbau – wurden vom Bund für das Jahr 2024 verdoppelt. Bis zu 6.250 Euro stehen dieses Jahr dafür bereit, und diese können zum Beispiel auch für den Einbau eines Treppenlifts in Anspruch genommen werden. In solchen Fällen kann ein Augsburger Fachmann für Treppenlifte weiterhelfen.
All diese Hilfen von Bund und Kassen können zwar eine Pflegekraft nicht ersetzen, aber zumindest den Alltag der Betroffenen erleichtern und die Mobilität im eigenen Heim gewährleisten. Weitere praktische Hilfen sind Hilfsmittel wie Notrufsysteme oder spezielle Betten, die in individuellen Fällen ebenfalls von den Pflegekassen finanziert – oder zumindest bezuschusst – werden. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass Pflegebedürftige möglichst lange selbstständig und sicher in ihrem gewohnten Umfeld leben können und nicht auf teure Pflegekräfte angewiesen sind.

