Die Lange Kunstnacht in Augsburg hat einmal mehr gezeigt, wie lebendig, vielfältig und mutig sich die Kunstszene der Stadt präsentiert. Mehr als 200 Programmpunkte an über 50 Spielorten – für Besucher eine Herausforderung, für Kunstschaffende ein Fest. Nicht alles ließ sich an einem Abend erleben. Doch schon die Ausschnitte, die sich verfolgen ließen, machten Lust auf mehr.
Der Abend begann feierlich – mit einem musikalischen Höhepunkt in der Kirche St. Anna. Dort eröffnete der Chor Musica Suevica die Kunstnacht mit einem kraftvollen Konzert. Die eindrucksvolle Akustik des Raumes und der stimmgewaltige Klangkörper verschmolzen zu einem besonderen Erlebnis. Mit dabei auch Bass Maximilian Lika und Sopranistin Alexandra Steiner, die beide mit ihrer Präsenz überzeugten. Ein echtes Heimspiel für die schwäbischen Klangkünstler.
Straßentheater trifft Nerv der Zeit
Im Annahof wurde das Publikum mit einem ungewöhnlichen Maskenspiel konfrontiert. Das Straßentheaterstück „Wir treffen uns im Paradies“ erzählte in mehreren Szenen von Flucht, Angst und Hoffnung. Eine Holzkiste als zentrales Symbol glitt über die Bühne – aus ihr traten Gestalten hervor, die sich mit kindlicher Neugier, aber auch verzweifeltem Bemühen in eine neue Umgebung einzuleben versuchten. Sie organisierten Suppenküchen, boten Geschenke an, suchten die Nähe zu den Menschen.
Doch nicht alle reagierten offen: „Vielen scheint die Kontaktaufnahme peinlich und gar aufdringlich zu sein. Sie verweigern die Suppen und Geschenke und verlassen die Spielstätte. Ganz wie im realen Leben!“ Eine Szene, die zum Nachdenken anregt – über das Fremde, das Ankommen und das Abweisen.
Hilde Backes erklärt die Welt
Ein echter Kontrast – aber nicht weniger eindrucksvoll – war das Kabarettprogramm im Höhmannhaus: „Frau Backes und die Lage der Nation“. Wer hier Platz nahm, begegnete einer alten Bekannten. In ihrer Rolle als resolute Ehefrau Hilde – bekannt aus der TV-Serie „Familie Becker“ – brillierte die Künstlerin mit scharfzüngigem Witz und schräger Alltagsweisheit. In Kittelschürze und mit Kassenbrille analysierte sie schnörkellos die Gegenwart.
Am Ende ihres Auftritts folgte ein symbolträchtiger Strip: „Sie entledigt sich, verständlich bei dieser stickigen Luft, ihrer gut zehn Kittelschürzen und verwandelt sich in eine Frau heutiger Tage.“ Ein befreiender Moment, der vom Wandel der Zeit ebenso erzählt wie von weiblicher Selbstermächtigung.
Ein Fest der Vielfalt
Die Lange Kunstnacht bot noch viel mehr: Jazz, Pop, Tanz, Installationen, Lesungen, Führungen – Augsburg wurde zur Bühne für alles, was inspiriert. Die Künstler kamen vor allem aus der Stadt selbst – ein starkes Zeichen für die kreative Kraft der Region.
„Heute lässt sich in Augsburg erleben, wie man über Frieden spricht, über ihn singt oder ihn vertanzt“, schrieb Oberbürgermeisterin Eva Weber in ihrem Grußwort. Ihre Empfehlung: „Sich durch die nächsten Stunden treiben zu lassen, durch die Nacht zu floaten.“
Ein Tipp, den viele gerne beherzigt haben – und der in einer Nacht wie dieser goldrichtig war.



















































































