Ein Vermächtnis der Hoffnung und Barmherzigkeit: Augsburg gedenkt Papst Franziskus

Mit einem feierlichen Totengottesdienst im Augsburger Dom hat das Bistum Augsburg am Mittwochabend Abschied von Papst Franziskus genommen, der am Ostermontag im Alter von 88 Jahren verstorben war. In seiner Predigt stellte Bischof Dr. Bertram Meier besonders das Engagement des Pontifex für eine synodale Kirche und eine missionarische Verkündigung des Evangeliums in den Mittelpunkt. Zugleich ließ er durch das Verlesen ausgewählter Passagen aus fünf päpstlichen Lehrschreiben zentrale Impulse des Pontifikats lebendig werden.

„Gott hat uns geliebt“ – Eine Kirche mit offenen Türen

Bereits in seiner Einführung verwies Bischof Bertram auf den Titel der letzten Enzyklika des Papstes – „Dilexit nos“ („Er hat uns geliebt“) – als Schlüssel zum Verständnis seines gesamten Wirkens. Zwei Aspekte prägten das Erbe von Franziskus besonders: die Einführung synodaler Strukturen in der Kirche sowie der Aufruf, das Evangelium auch jenseits traditioneller Räume zu verkünden. Die Kirche müsse, so der Bischof, „Pilgerin der Hoffnung“ sein und sich den Menschen aktiv zuwenden.

Aus dem frühen Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ zitierte er Franziskus mit den Worten:
„Die Kirche ist berufen, immer das offene Haus des Vaters zu sein. […] Die Kirche ist keine Zollstation, sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben.“
Diese Haltung spiegelte sich auch in seinem Einsatz für mehr Zugänglichkeit zu den Sakramenten, etwa für wiederverheiratete Geschiedene.

Familiäre Werte und ökologische Verantwortung

In „Amoris Laetitia“ betonte Franziskus die Bedeutung familiärer Zuneigung und sprach sich für mehr Achtsamkeit im Miteinander aus:
„In der Familie ist es nötig, drei Worte zu gebrauchen: Darf ich?, Danke, und entschuldige.“

Auch der Umweltschutz war dem Pontifex ein zentrales Anliegen. In „Laudato si“ verband er soziale Gerechtigkeit mit ökologischer Verantwortung:
„Alles ist miteinander verbunden“, schrieb er, und forderte eine umfassende Sorge um Natur, Tiere und vor allem um die Armen. Eine echte Liebe zur Schöpfung sei nur möglich, wenn sie Hand in Hand gehe mit der Zärtlichkeit gegenüber den Menschen.

Fratelli tutti: Menschlichkeit über Grenzen hinweg

In der Enzyklika „Fratelli tutti“ aus dem Jahr 2020 legte Franziskus sein Verständnis von weltweiter Geschwisterlichkeit dar.
„Dass wir als Menschen Brüder und Schwestern sind“, dürfe keine Theorie bleiben, sondern müsse konkrete Realität werden.

Zugleich kritisierte er Fluchtursachen und betonte:„Es ist unsere Pflicht, das Recht eines jeden Menschen zu respektieren, einen Ort zu finden, an dem er sich auch als Person voll verwirklichen kann.“ Die Kirche müsse Migranten aktiv aufnehmen, schützen und integrieren.

Letzter Appell des Papstes: Tränen, Gebet und Barmherzigkeit

Aus seiner finalen Enzyklika „Dilexit nos“ erinnerte Bischof Bertram an den Aufruf zur inneren Reifung durch Gebet: „Ein Mensch, der nicht weine, altere innerlich.“ Und weiter: „Durch die Gnade Gottes könne man sich selbst gegenüber konsequent, und den anderen gegenüber barmherzig sein.“

Gebetsaufruf für das Konklave

Am Ende des Gottesdienstes rief Bischof Bertram die Gläubigen dazu auf, das laufende Konklave im Vatikan im Gebet zu begleiten.
„Die Vorfreude auf den neuen Papst dürfe uns auch geistlich prägen“, sagte er.

Ein letztes Zeichen des Gedenkens

Als Zeichen der Trauer und Verbundenheit läuteten am Sterbetag des Papstes sowie zu Beginn des Requiems im Dom die Glocken in ganz Augsburg jeweils 15 Minuten lang. Papst Franziskus wurde in der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom beigesetzt. Im Vatikan hatte am Nachmittag des 7. Mai das Konklave zur Wahl seines Nachfolgers begonnen – ein neues Kapitel der Kirchengeschichte nimmt nun seinen Anfang.

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