„Es gab fürchterliche Einzelschicksale“ | Hochwasser-Bilanz für das Unterallgäu – Schaden von mehr als 100 Millionen Euro

Beschädigte Häuser, tonnenweise Müll und überflutete Kreisstraßen: Das Hochwasser Anfang Juni hat im Unterallgäu große Schäden verursacht. In der Sitzung des Unterallgäuer Kreistags wurde nun Bilanz gezogen.

Symbolbild

Landrat Alex Eder ließ die Ereignisse noch einmal Revue passieren: Mehr als 6.000 Einsatzkräfte kämpften am ersten Juni-Wochenende gegen die Wassermassen im Landkreis und befüllten 70.000 Sandsäcke. Das Hochwasser richtete einen Schaden von geschätzt mehr als 100 Millionen Euro an. 1.156 Anträge auf Soforthilfe gingen beim Landratsamt ein und die Behörde zahlte an Betroffene insgesamt 2,91 Millionen Euro aus.

„Es gab fürchterliche Einzelschicksale“, sagte der Landrat. Das Zusammenspiel der Einsatzkräfte und des Krisenstabs im Landratsamt habe aber gut funktioniert. Eder sprach allen Helferinnen und Helfern wiederholt einen großen Dank aus. „Den Zusammenhalt fand ich unglaublich.“ Bei Nachbesprechungen habe man an manchen Stellen aber auch Verbesserungsbedarf festgestellt. Hier wolle man nachsteuern und zum Beispiel den Krisenstab am Landratsamt personell aufstocken.

Eine Herausforderung war die Entsorgung der hochwasserbedingten Abfälle. Insgesamt 1.400 Tonnen Sperrmüll fielen allein beim Landkreis zur Entsorgung an, wie der Leiter der Abfallwirtschaft des Landkreises, Edgar Putz, informierte. „Das tatsächliche Sperrmüllaufkommen dürfte aber noch deutlich höher liegen, weil viele ihre Hochwasserabfälle auch über private Containerdienstleister entsorgt haben.“

Damit Betroffene Hochwasserabfälle zeitnah beseitigen konnten, erweiterte der Landkreis nach den Fluten unmittelbar die Entsorgungsmöglichkeiten. Sperrmüll wurde an der Umladestation in Breitenbrunn und vom Wertstoffrückgewinnungszentrum WRZ Hörger in Stetten gebührenfrei angenommen. Außerdem funktionierte der Landkreis die Kompostanlagen in Wolfertschwenden und Babenhausen um und nahm auch dort Hochwasserabfälle an.

Ein großer Aufwand war es laut Putz, die unsortiert erfassten Abfälle für die weitere Entsorgung zu trennen. Damit das Müllheizkraftwerk diese annahm, mussten zum Beispiel kritische Abfälle wie Chemikalien oder Gaskartuschen aussortiert werden. Zum Vorschein kamen dabei auch viele Abfälle, die nichts mit dem Hochwasser zu tun hatten, aber bei dieser Gelegenheit auf Kosten der Allgemeinheit mitentsorgt wurden – von Gartenstühlen bis hin zu Autoreifen.

Über Schäden an den Kreisstraßen berichtete anschließend Tiefbauamtsleiter Walter Pleiner. „Wir sind größtenteils ganz gut weggekommen, hatten aber auch neuralgische Punkte.“ Straßen mussten vom Kreisbauhof wegen Überflutung gesperrt werden, Bankette wurden beschädigt und Kies wurde auf die Nebenflächen gespült. Die Kreisstraßen zwischen Ollarzried und Eldern sowie zwischen Legau und Bad Grönenbach wurden jeweils durch einen Hangrutsch in Mitleidenschaft gezogen. Beide Straßen sind aktuell gesperrt, um den Hang zu sichern.

Am Illeraufstieg zwischen Legau und Bad Grönenbach wird zur Hangsicherung ein Steinschlagschutznetz eingebaut, das mit Ankern gesichert wird, erläuterte Pleiner. Diese Arbeiten werden in den kommenden Wochen erledigt. „Bei den am Böschungsfuß entstandenen Setzungen können erst Maßnahmen durchgeführt werden, wenn sich das Hangwasser etwas beruhigt hat.“ Insgesamt ist laut dem Leiter des Tiefbauamts ein Schaden in Höhe von rund 400.000 Euro entstanden.

Immer wieder passiert ist es laut Pleiner, dass Absperrungen geöffnet und überflutete Straßen befahren wurden. Das sei nicht nur gefährlich, sondern auch ärgerlich für die Einsatzkräfte, die aus diesem Grund zu zusätzlichen Einsätzen ausrücken mussten.

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