FCA-Kolumne | Die Rosenau Gazette: Weiter mit Finn?!

Weiter mit Dahmen? Foto: Sebastian Pfister
Presse Augsburg
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Das Vorgehen der Fußballvereine bei auslaufenden Verträgen hat sich verändert. Vereine können mittlerweile damit leben, dass Spieler im letzten Vertragsjahr in die Saison gehen und den Club am Ende ablösefrei verlassen könnten. Sie wägen ab: hier das Risiko, einen Spieler mit stagnierender Entwicklungskurve noch länger „an der Backe zu haben“, dort die Sicherheit nach einer Verlängerung, die den letzten Druck nehmen kann, sich zu beweisen. In den USA nennt man das „Contract year“ – bei manchen Spielern führt die Unsicherheit aber schlicht zu weniger Leistung. Das Vorgehen muss also individuell sein.

Neu ist die Debatte nicht, sie wurde bisher nur von der anderen Seite geführt. Seit dem Bosman-Urteil von 1995 gilt der auslaufende Vertrag als Machtinstrument der Spieler: Statt einer Ablöse wird ein Handgeld zwischen Spieler und Berater verteilt. Ralph Hasenhüttl hat das im kicker scharf kritisiert – dieses Geld gehe dem Fußball verloren. Inzwischen arbeiten die Vereine selbst mit dieser Konstellation, statt sie nur zu erleiden: Der HSV ist in die Vorbereitung gestartet, obwohl es für fünf Spieler das letzte Vertragsjahr ist, unter ihnen Stammspieler Miro Muheim. Beim Trainer wollte man in Hamburg genau das nicht und hat verlängert. Auch hier: jede Situation ist etwas anders. 

Beim FCA steckten zwei wichtige Spieler in genau dieser Situation: Finn Dahmen und Keven Schlotterbeck. Ein Fall hat sich von selbst erledigt. Schlotterbeck hat Augsburg Ende August verlassen und beim FC Southampton in der englischen Championship unterschrieben, ein Jahr vor Vertragsende, für knapp vier Millionen Euro Ablöse. Wirtschaftlich ein ordentlicher Abschluss – sportlich ist ein Spieler weg, der am Wochenende zuvor noch als Kapitän im Pokal in Cottbus aufs Feld gelaufen war. Der auslaufende Vertrag hat den Wechsel nicht verhindert, er hat ihn ermöglicht. Ein Zweitligist von der Insel konnte ein Angebot machen, das dem Spieler deutlich mehr Sicherheit gab, als auf eine weitere Zukunft in Augsburg über die Saison hinaus zu hoffen. 

Bleibt ein prominenter Fall: Finn Dahmen, 28, Vertrag bis zum 30. Juni 2027. Schon die letzte Verlängerung war bemerkenswert, weil sie auf einer Klausel basierte: Sein Kontrakt verlängerte sich im Mai 2025 nach dem 50. Pflichtspiel automatisch um ein Jahr. Sportlich war das folgerichtig – in jener Saison ließ er in 16 Bundesligaspielen nur zehn Gegentore zu, spielte neunmal zu Null und erreichte mit rund 85 Prozent den ligaweiten Bestwert bei der Paradenquote. Später war er für die A-Nationalmannschaft nominiert, und weil er auch die englische Staatsbürgerschaft besitzt, ist sein Name schon in England aufgetaucht – Leeds United soll sich mit ihm beschäftigt haben.

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Finn Dahmen (FC Augsburg) Foto: Sebastian Pfister

Dazu kommt der Saisonstart, bei dem Dahmen sportlich vollends überzeugt hat. Hält diese Form an, bleibt das nicht unbemerkt: Man kann sich im Moment gut vorstellen, dass der FCA insgesamt sportlich in dieser Saison auf sich aufmerksam macht und, dass damit einzelne Augsburger auf sich aufmerksam machen. Dahmen ist in einer Riege mit Noah Atubolu: Der hat seinen bis 2027 laufenden Vertrag in Freiburg erst verlängert und wurde dann nach Frankfurt verliehen – ohne die Verlängerung wäre eine Leihe gar nicht möglich gewesen und ein ablösefreier Abgang im nächsten Sommer stand im Raum. 

Der Weg zu einer weiteren Zukunft in Augsburg ist für Dahmen erkennbar, nach dem Abgang Schlotterbecks sogar breiter. Der FCA hat nicht viele gestandene Führungsspieler – mit Schlotterbeck ist einer von ihnen gegangen. Der Verein will Spieler ausbilden, und das Gerüst muss die regelmäßigen Zu- und Abgänge verkraften. Dafür braucht es Spieler, die Neuzugänge aufnehmen, jungen Spielern Orientierung geben und die Intensität im Training hoch halten. Dahmen kann diese Rolle ausfüllen, er hat den FCA schon als Kapitän aufs Feld geführt.

Deshalb mein Rat: lieber zügig den Deckel drauf auf eine Vertragsverlängerung. Diese ist jetzt für beide Seiten das bessere Geschäft. Der FCA sichert sich seinen Stammtorhüter, und muss ihn nicht im Sommer ablösefrei ziehen lassen. Und Dahmen bekommt die Anerkennung für seine Leistung, ohne eine ganze Saison ein Thema mitzuschleppen, das mit jedem guten Spiel größer wird. Die Plätze im Tor sind in der Bundesliga begehrt und teilweise langfristig vergeben. Sich hier frühzeitig abzusichern ist damit auch für Dahmen interessant. Und wenn beim FCA die Etablierten abliefern und die Talente durchstarten, kann die Saison für alle nur gut ausgehen. Der Saisonstart liefert hier schon einen schönen Vorgeschmack. 

ANDREAS RIEDL IST GRÜNDER DER ROSENAU GAZETTE, DEM FC AUGSBURG BLOG. DAS AUTOR*INNEN-TEAM DER ROSENAU GAZETTE VERFOLGT DIE GESCHEHNISSE RUND UM DEN FC AUGSBURG SEIT VIELEN JAHREN UND BLICKT AUCH KRITISCH AUF ENTWICKLUNGEN ABSEITS DES SPIELFELDS. VIELE WEITERE TEXTE VON IHM UND DEM TEAM DER ROSENAU GAZETTE FINDEN SIE AUF rosenau-gazette.de.

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Newsdesk der Presse Augsburg Medien-Redaktion.