„Kostensparendstes Modell, den jetzigen Entwurf zu Ende zu bringen“ | Intendant zur Sanierung des Staatstheater Augsburg

In der Diskussion über die erneute Kostensteigerung bei der Sanierung des Staatstheater-Baus in der Augsburger Innenstadt melden sich nun die Künstlerische Leitung und die rund 500 Beschäftigten des Hauses zu Wort – mit einem Plädoyer und einer Forderung.

André Bücker auf der Baustelle © Marko Petz

Trotz Interims-Situation bietet das Staatstheater Augsburg seit der Schließung des Großen Hauses im Jahr 2017 nicht nur Theater auf allerhöchstem Niveau, sondern erreicht mit seinen Angeboten weite Teile der Stadtgesellschaft, vom Kindergartenkind bis zur Seniorin. All das, so Staatsintendant André Bücker, wird offenbar als selbstverständlich betrachtet. Doch angesichts wenig optimaler Arbeitsbedingungen in weit voneinander entfernten Interims-Spielstätten, provisorischen Werkstätten und dadurch massiv gestörter Betriebsabläufe, werden die Verzögerungen beim Bau auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen: „Bis an die Belastungsgrenze und weit darüber hinaus“, so Bücker. „Wir brauchen ein zeitgemäßes und funktionales Theater – und zwar so schnell wie möglich und genauso so, wie es die aktuellen Planungen vorsehen.“

„Jeder Tag, an dem nicht gebaut wird, kostet Geld. Das mit Sicherheit kostensparendste Modell ist es, den jetzigen Entwurf konsequent und schnell zu Ende zu bringen. Weitere Umplanungen verschlingen nur noch mehr Geld, ohne dass etwas passiert. Wer von einem Luxus-Tempel spricht, kennt weder die aktuellen, sehr pragmatischen Pläne, noch die Bedarfe eines funktionsfähigen, modernen Theaterbetriebs. Wir stehen zu den aktuellen Planungen und sind überzeugt, dass sie die bestmögliche Lösung für ein Theater für alle im Herzen der Stadt sind“, so Staatsintendant André Bücker.

Sally du Randt mit Kollegin Jihyun Cecilia Lee in der Maske © Jan-Pieter Fuhr

Mit seinen etwa 900 Veranstaltungen pro Saison erreicht das Staatstheater Augsburg – auch im Interim – über 180.000 Besuchern im Jahr. Zahlreiche Inszenierungen waren in der Saison 23/24 bereits vor der Premiere bis zum letzten Termin ausverkauft. Allein in der laufenden Saison wurden mehr als 300 Schul- und Vermittlungsprojekte durchgeführt. Über 22.000 Schüler und Teilnehmende haben auf diese Weise frühe kulturelle Bildung und Teilhabe erfahren. Durch intensive Vernetzung mit Augsburger Initiativen bietet das Staatstheater mit dem Projekt Plan A die gesamte Spielzeit über Möglichkeiten, sich aktiv einzubringen und auch in punkto Inklusion hat das Haus im Kulturleben im Freistaat eine Vorreiterrolle. Für einen der begehrten Plätze in der neu gegründeten Orchesterakademie Paul Ben-Haim für angehende Profi-Musiker liegt die Bewerberzahl im dreistelligen Bereich.

All dies zeigt: Der Bedarf und die Nachfrage sind da, das Staatstheater ist nach wie vor der kulturelle Mittelpunkt der Region und will dies für eine bunte und vielfältige Stadt mit seinen mehr als 300.000 Einwohner auch künftig sein. „Damit das so bleibt, braucht es ein Zentrum im Herzen der Stadt, in dem wir endlich unter angemessenen Arbeitsbedingungen weiter leidenschaftlich Kunst machen können“, so Sally du Randt, Opern-Sängerin und Vorsitzende des Personalrats am Staatstheater Augsburg. „Wir wissen die Interimsspielstätten und die Treue unseres Publikums angesichts der dezentralen Lage sehr zu schätzen. Doch nach sieben Jahren in provisorischen Räumen und weiteren sechs Jahren, die noch vor uns liegen, brauchen wir eine verlässliche Perspektive! Die Belegschaft des Staatstheaters erwartet eine zügige und vollumfängliche Durchführung der Baumaßnahmen – und endlich ein Ende der täglichen, öffentlichen Diskussion darüber, ob ihr Arbeitsplatz nicht vielleicht verzichtbar wäre.“

Das geplante neue Staatstheater steht auch für die Umsetzung der im Bürgerbeteiligungsprozess seit 2015 erarbeiteten Forderungen und Ziele: Ähnlich der bereits jetzt gegründeten Orchesterakademie wird mit der Inbetriebnahme des Staatstheaters in den neuen Räumen auch ein Opernstudio in Kooperation mit dem Leopold-Mozart-College an den Start gehen. Im neuen Theater Campus Utopia finden die partizipativen Angebote von Plan A und der Theatervermittlung ein neues Zuhause und bieten einen Ort zur Vernetzung der Augsburger Kultur- und Bildungslandschaft. „Dass alles das nicht Zukunftsmusik ohne Chance auf Verwirklichung, sondern bereits bestehende Planung in Umsetzung ist, ist für Augsburg ein echter Standortvorteil“, so Staatsintendant André Bücker mit Blick auf den Sanierungsstau in anderen Städten.

 

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