Der IHK-Konjunkturindex für die Stadt Augsburg ist im Vergleich zum Frühjahr um 14 Punkte auf 109 Punkte im Herbst 2023 gefallen. Das zeigt die Konjunkturumfrage der IHK Schwaben. Die Stimmung in der Stadt Augsburg folgt damit dem Abwärtstrend Bayerisch-Schwabens, wo der Index bei 96 Punkten liegt.

„Grund für den Rückgang sind die im Vergleich zum Frühjahr spürbar pessimistischeren Erwartungen der Unternehmen. Auch wenn wir in Augsburg über dem IHK-Konjunkturindex für Bayerisch-Schwaben liegen, haben auch unsere Unternehmerinnen und Unternehmer mit der Folge ungelöster Strukturprobleme zu kämpfen. Diese müssen dringend von der Politik angegangen werden. Daher ist der Beschleunigungspakt der gemeinsamen Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder mit dem Bundeskanzler für die Wirtschaft eine gute Nachricht und erster wichtiger Schritt. Doch den Beschlüssen müssen nun schnell konkrete Gesetzesänderungen und Taten in der Praxis folgen“, sagt Ellen Dinges-Dierig, IHK-Regionalvorsitzende Augsburg-Stadt.
Pessimistische Geschäftserwartungen
Über die IHK-Konjunkturumfrage werden dreimal jährlich die aktuelle Geschäftslage sowie die Erwartungen der Unternehmen abgefragt, die zusammen den IHK-Konjunkturindex bilden. Demnach hat sich die Bewertung der aktuellen Geschäftslage im Herbst 2023 gegenüber dem Frühjahr leicht verschlechtert. 43 Prozent der befragten Unternehmen berichten von einer derzeit guten Geschäftslage. Genauso viele waren es auch im Frühjahr. Allerdings sprechen jetzt 15 Prozent von einer gegenwärtig schlechten Situation – ein Anstieg um 4 Prozentpunkte. Sehr viel deutlicher eingetrübt haben sich jedoch die Geschäftsaussichten: Zwar erwarten 28 Prozent eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage, doch 35 Prozent prognostizieren eine Verschlechterung. Das ist ein Anstieg um +21 Prozentpunkte. Dieser Wert lag im Frühjahr noch bei 14 Prozent.
Risiken nehmen zu: wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen an erster Stelle
Die konjunkturellen Risiken haben sich über den Sommer hinweg weiter verstärkt und in ihrer Ausprägung verändert. An erster Stelle liegen nun die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 62 Prozent, was im Vergleich zum Frühjahr einer deutlichen Verschärfung entspricht. An zweiter Stelle liegen die noch immer zu hohen Energie- und Rohstoffpreise mit 61 Prozent, gefolgt von der Inlandsnachfrage mit 58 Prozent und dem Arbeits- und Fachkräftemangel, der mit 56 Prozent etwas an Brisanz eingebüßt hat. „Multiple Krisen und die daraus resultierenden Risiken führen mit den vorherrschenden Strukturproblemen in der Summe dazu, dass die Unternehmen in der Stadt Augsburg zunehmend besorgt in die Zukunft blicken. Der in der vergangenen Woche von Bund und Ländern beschlossene Pakt ist daher ein erstes wichtiges Zeichen für die Wirtschaft. Er lässt hoffen, dass sich das oft versprochene Deutschland-Tempo nun hoffentlich bald in der Praxis zeigt. Die Lösung liegt nicht wie bisher im wirtschaftspolitischen Klein-Klein, sondern in einem Paket, das die strukturelle Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen verbessert“, stellt Ellen Dinges-Dierig mit Blick auf die aktuellen Umfrageergebnisse fest.
Robuster Arbeits- und Ausbildungsmarkt
Im Unterschied zu anderen Wirtschaftsindikatoren stellt sich die Lage am Arbeits- und Ausbildungsmarkt in der Stadt Augsburg robust dar. Die Arbeitslosenquote lag im Oktober bei 5,4 Prozent (September 5,7 Prozent) und damit über dem Durchschnitt von 3,0 Prozent für ganz Bayerisch-Schwaben. „Auch wenn es im Oktober saisonbedingt einen leichten Rückgang bei der Arbeitslosenquote gab, zählt der anhaltende Mangel an Arbeits- und Fachkräften unverändert zu den größten Risiken der Unternehmen. Diesem Trend begegnen die Unternehmen mit ihrer unverändert hohen Ausbildungsbereitschaft“, sagt die wiedergewählte Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung Augsburg-Stadt. So hat sich die Zahl der abgeschlossenen Neuverträge in einem IHK-Ausbildungsberuf im Vorjahresvergleich um 8,9 Prozent erhöht.
Schwächelnde Investition sind ein Alarmzeichen
Die Region Bayerisch-Schwaben verliert an wirtschaftlicher Substanz. Die Investitionsabsichten der heimischen Unternehmen nehmen noch weiter ab. Und wenn hierzulande doch investiert wird, dann in Ersatzbeschaffungen (61 Prozent), in Rationalisierung (40 Prozent) oder den Umweltschutz (34 Prozent). Dagegen finden Investitionen in Produktinnovationen (21 Prozent) nur noch selten statt.
Strukturelle Reformen sind unverzichtbar
„Die lange Phase wirtschaftlichen Wachstums hat uns in falscher Sicherheit gewiegt. Die Wirtschaftspolitik hat in diesen Jahren an Bedeutung verloren, die Last ungelöster struktureller Probleme tritt jetzt offen zu Tage. Umso wichtiger ist es, dass die Politik und die Wirtschaft jetzt schnell wieder zueinander finden, damit Bürokratie abgebaut, Energiekosten spürbar gesenkt und neue Investitionsanreize gesetzt werden können“, so Dinges-Dierig abschließend.

