Vertrauen schwindet | Bayerisch-Schwäbische Wirtschaft wendet sich von den USA ab

BIHK-Umfrage zeigt: Regionale Unternehmen richten den Blick verstärkt auf Europa und Asien – Zollpolitik und Unsicherheit unter Trump bremsen Investitionen

Nur noch jedes zehnte Unternehmen vertraut auf die USA

100 Tage nach dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump hat sich das Verhältnis zwischen der bayerisch-schwäbischen Wirtschaft und den USA spürbar abgekühlt. Eine Umfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) zeigt: Nur noch rund zehn Prozent der Unternehmen in der Region setzen weiterhin auf die Vereinigten Staaten als verlässlichen Handelspartner.

„Das Verhältnis zum einst wichtigen Partner ist von großer Unsicherheit geprägt“, erklärt Jana Lovell, Leiterin der Abteilung International bei der IHK Schwaben. Die Gründe liegen aus Sicht vieler Unternehmen in einem unberechenbaren Kurs der US-Regierung, der langfristige wirtschaftliche Planungen erschwert.

Investitionsschub für Europa und den Binnenmarkt

In Reaktion auf die politische Entwicklung jenseits des Atlantiks verstärken viele Unternehmen ihre Aktivitäten im Inland und in anderen Weltregionen. Laut BIHK-Umfrage planen 75 Prozent der befragten Firmen eine stärkere Fokussierung auf die Eurozone. Auch die Schweiz, Norwegen und Großbritannien gewinnen als Investitionsziele an Bedeutung.

„Das kann eine große Chance für den Standort Europa sein“, betont Lovell. Weitere Zuwächse verzeichnen auch Märkte in Asien-Pazifik und Südamerika – insbesondere China rückt bei über 40 Prozent der Unternehmen als künftiger Handelspartner stärker in den Fokus.

USA verlieren als Investitionsziel an Attraktivität

Noch im vergangenen Jahr rangierten die USA nach der EU auf Platz zwei der beliebtesten Investitionsregionen für Unternehmen aus Bayerisch-Schwaben. Damals investierten fast zwei Drittel der Betriebe in den Vereinigten Staaten oder Kanada – beflügelt durch positive Wirtschaftsdaten und die Local-Content-Strategie der Vorgängerregierung.

Inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt: Nur noch rund ein Viertel der Unternehmen wollen ihr Engagement in den USA aufrechterhalten oder ausbauen. Gleichzeitig denken 15 Prozent über eine Reduzierung nach, während 16 Prozent unentschlossen sind. „Der Zick-Zack-Kurs der US-Regierung macht langfristige Planungen extrem schwierig“, warnt Lovell.

Zollpolitik belastet Geschäftsmodelle

Besonders die protektionistische Handelspolitik der USA trifft viele Betriebe hart. „Die international eng vernetzte Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben ist auf verlässliche Partnerschaften und faire Handelsregeln angewiesen“, betont Lovell. Mit einer Exportquote von 45 Prozent spielt der Außenhandel eine zentrale Rolle in der regionalen Wirtschaft.

Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen rechnen mit einer Verschlechterung der transatlantischen Geschäftsbeziehungen in den nächsten Jahren. Mehr als die Hälfte gibt an, dass sie bereits jetzt negative Folgen der US-Zollpolitik spüren.

 

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