Mit farbenfrohen Gewändern, Blasmusik, Blumenschmuck und stiller Andacht zeigte sich der Glaube an Fronleichnam in Augsburg offen und selbstbewusst. Rund 1.000 Gläubige versammelten sich zu Gottesdienst und Prozession durch die Augsburger Innenstadt – ein sichtbares Bekenntnis zum katholischen Glauben. „Fronleichnam ist etwas Besonderes. Wir machen die Portale unserer Kirchen auf und gehen nach draußen“, betonte Bischof Dr. Bertram Meier zu Beginn des Festtages im vollbesetzten Augsburger Dom.
Glaube, der hinaus in die Welt geht
Das Fronleichnamsfest, das traditionell die leibliche Gegenwart Jesu Christi in der Eucharistie feiert, wurde in Augsburg nicht nur liturgisch, sondern auch öffentlich gelebt. Die Prozession führte vom Domplatz über das Rathaus, den Herkulesbrunnen und die Maximilianstraße zurück zum Dom – begleitet von Gebet, Gesang und zahlreichen Zuschauern.

Bischof Meier sprach in seiner Predigt davon, wie er sich wünsche, dass aus dem „Provokationspotenzial“ der Prozession eine Einladung zum Mitgehen werde: „Der Weg, der ans Ziel führt, ins Glück, ins ewige Leben, ist Jesus selbst“, betonte er und rief dazu auf, öffentlich Zeugnis für den christlichen Glauben zu geben.
Klare Worte gegen Extremismus
Neben der Glaubensbotschaft setzte der Bischof auch ein gesellschaftspolitisches Zeichen. Er warnte eindringlich vor extremistischen Strömungen in Deutschland und Europa: „Die Irrwege, die unser Volk vor knapp hundert Jahren gegangen ist, dürfen sich nicht wiederholen. […] Erteilen Sie Gruppierungen eine Absage, die menschenverachtende, demokratiefeindliche und völkisch-nationalistische Ideen fördern wollen.“
Diese Worte richteten sich sowohl an die Gläubigen als auch an die zahlreichen Passanten, die das Geschehen vom Straßenrand aus beobachteten.
Zeichen der Einheit und Vielfalt
Vier Altäre entlang der Prozessionsstrecke standen jeweils unter einem besonderen Gebetsanliegen: Für die Stadt und ihre Menschen, für die Schöpfung, für Menschen in Not und für die weltweite Kirche. Dabei brachten auch Gläubige aus internationalen Gemeinden ihre Bitten in ihren Muttersprachen vor. Bischof Meier würdigte sie als selbstverständlichen und wichtigen Teil der Ortskirche und Stadtgesellschaft.

„Deshalb zeigen wir die Hostie als Brot für die Welt, als Angebot für unsere Stadt“, sagte der Bischof. „Wenn wir heute auf die Straße gehen, wollen wir uns nicht selbst präsentieren, sondern wir zeigen den Herrn.“
Musik, Danksagung und festliche Atmosphäre
Musikalisch begleitet wurde das Fest durch die Augsburger Domsingknaben mit Werken wie der „Missa Festiva“ von Christopher Tambling und durch das Bläserensemble der Dommusik sowie die Musikkapelle Lauben-Heising aus dem Allgäu. Den Abschluss bildete der sakramentale Segen und das feierliche „Te Deum“.

Zum Ende dankte Bischof Meier all jenen, die das Fest möglich machten: Helferinnen und Helfern, Technikern, Sicherheits- und Sanitätskräften sowie den kreativen Blumen- und Teppichgestaltern. Auch Vertreter aus Politik, Kirche, Universität und gesellschaftlichem Leben, darunter Oberbürgermeisterin Eva Weber, nahmen an der Prozession teil.
Hintergrund: Was bedeutet Fronleichnam?
Der Name „Fronleichnam“ stammt vom mittelhochdeutschen „vrône lîcham“, also „des Herren Leib“. Das Hochfest stellt die Eucharistie in den Mittelpunkt – das Brot des Lebens, das in der Monstranz durch die Straßen getragen wird. Es ist Zeichen des wandernden Gottesvolkes mit Christus in seiner Mitte.





