Alte Menschen brauchen nicht mehr so viel zu essen. Ein weit verbreiteter Irrtum, der sogar gefährlich werden kann. Erste Zeichen erkennen und Gegenmaßnahmen ergreifen, kann Leben retten.
„Es handelt sich eben nicht um eine Alterserscheinung, wenn Menschen unterversorgt sind. Vielmehr gibt es viele Ursachen, auf die zu wenig geachtet wird“. Darauf weist Larissa Ehrenfeld Beraterin bei ATERIMA CARE, einem Betreuungsdienstleiter für Senioren hin. Die Gründe können vielschichtig sein: Appetitlosigkeit als Nebenwirkung von Medikamenten, falsche Sparsamkeit, psychische Probleme bis hin zu einer schlecht angepassten Zahnprothese. Menschen mit einer fortgeschrittenen demenziellen Erkrankung vergessen sogar häufig einfach, etwas zu sich zu nehmen.
Folgen abwenden
Eine unzureichende Zufuhr von Nährstoffen und Energie durch die Nahrung hat Folgen, z.B. Knochen- und Muskelabbau oder eine nachlassende Leistung des Gehirns. Berichtet wird ebenso von nachlassendem Geschmacks- sowie Geruchsempfinden, Hautveränderungen, Mundtrockenheit, Schwäche, erhöhtem Sturzrisiko, Verwirrtheit bis hin zu einer stark verzögerten Genesung nach Infektionen und Operationen.
Beobachten als erster Schritt
Dabei ist es gar nicht so leicht, Mangelernährung zu erkennen. Auch übergewichtige Menschen sind durchaus betroffen, weil sie z.B. nicht genug Eiweiße und Vitamine zu sich nehmen. Larissa Ehrenfeld appelliert: „Es ist wie mit der Früherkennung anderer Krankheiten. Am besten vorbeugen durch regelmäßige und aufmerksame Kontrolle.“ Hat sich das Essverhalten in der letzten Zeit verändert? Wird der Teller schon länger nicht mehr leer gegessen? Bereits ein ungewollter Verlust von etwa 1-2 Prozent des eigenen Körpergewichts bei älteren Menschen gibt Anlass zur Sorge. Wer über 65 Jahre alt ist braucht als Mann immer noch ca. 2.000 kcal, Frauen benötigen ca. 1.600 kcal. „Messen Sie regelmäßig den Oberarmumfang.
Wenn ein älterer Mensch Nährstoffe verliert und Muskeln abbaut, ist das am Oberarm sehr schnell erkennbar“ schlägt Larissa Ehrenfeld vor.
Das Richtige essen
Fett- und proteinreiche Produkte, wie zum Beispiel Hülsenfrüchte, Getreidebrei oder Eier und hochwertige Öle sollten bei Energiemangel auf der Speisekarte stehen. Auch energiereiche Frucht- und Gemüsesäfte, Kakao oder Milchshakes können mit vorbeugen. Möglichst abwechslungsreich zu essen und zu trinken hilft wiederum bei einem Nährstoffmangel. Speisen aus frischen und vorwiegend pflanzlichen Zutaten sollten zum Erhalt wertvoller Nährstoffe immer schonend gegart und nicht mehrfach aufgewärmt werden. „Soweit es möglich ist, achten unsere Alltagsbegleiterinnen darauf. Aber dennoch gilt: Im Kontakt mit dem Hausarzt bleiben“, rät Ehrenfeld.

