Der Zoo Augsburg gab zwei männliche Mantelpaviane ans Deutsche Primatenzentrum in Göttingen ab. Dieses Zentrum ist Teil des Leibniz-Instituts für Primatenforschung. Der Zoo betonte jedoch, dass die Paviane dort nicht für Tierversuche verwendet würden. Tierschützer haben gegen diese Vorgehensweise protestiert und auch die Augsburger Lokalpolitik kritisiert das Vorgehen. Jetzt hat sich der Zoo Augsburg erneut zum Vorgang geäußert und liefert wichtige neue Informationen.
Die Organisation Ärzte gegen Tierversuche vermutet, dass die Paviane in Göttingen zur Zucht eingesetzt werden und ihre Nachkommen grausamen und wissenschaftlich unsinnigen Tierversuchen ausgesetzt sein könnten, bei denen sie misshandelt und letztendlich getötet würden.
Scharfe Kritik aus dem Augsburger Rathaus
Pavian-Abgabe an Forschungseinrichtung: Politik übt scharfe Kritik an Zoo Augsburg
Zoo Augsburg: „Zucht der Paviane wird durch Hormon-Implantate verhindert“
In einer neuen Stellungnahme des Zoo Augsburg wurden gestern weitere Details zur Abgabe und der Paviane genannt.
„Wir möchten gerne einige wichtige Punkte zum Transfer unserer beiden Mantelpaviane klarstellen, um Missverständnisse auszuräumen. Das Wohl unserer Tiere hat für uns absolute Priorität, aus diesem Grund erfolgte die Abgabe der Paviane.
Wichtig zu wissen ist: Die beiden abgegebenen Männchen werden weder für Tierversuche eingesetzt, noch primär als Zuchtmännchen. Die Zucht der dortigen Paviane wird durch Hormon-Implantate, die zur Verhütung beitragen, verhindert. All das wurde von der Presse teilweise nicht richtig dargestellt.
Stattdessen tragen unsere Paviane maßgeblich dazu bei, die Sozialstruktur und die Gruppendynamik innerhalb der Göttinger Primatengruppe zu normalisieren.
Mantelpaviane werden schon seit vielen Jahrzehnten im Zoo Augsburg gehalten. Da es für diese Tierart keine Möglichkeit der Abgabe gibt, wird seit 2005 eine Empfängnisverhütung realisiert, um die Gruppe zahlenmäßig nicht anwachsen zu lassen. Im Jahr 2011 gab es mit dem Neubau des Hauses und dem Umzug der Paviane eine erhebliche Haltungsverbesserung. Somit agieren wir bereits seit vielen Jahren vorausschauend was die Haltung dieser Primaten betrifft.
Dennoch gab es in der derzeit 55-köpfigen Gruppe an Mantelpavianen des Augsburger Zoos, durch die Zunahme an adulten Männern vermehrt Auseinandersetzungen. Gleichzeitig wurde in Göttingen durch den altersbedingten Tod des Alphamännchens die dortige Paviangruppe sehr unruhig. Mit der Abgabe war es uns einerseits möglich, die Spannungen in der Augsburger Gruppe zu reduzieren, und andererseits den beiden abgegebenen Tieren eine gute Haltung mit einem entspannten Umfeld zu ermöglichen. Hierdurch sind wir der Verantwortung der uns anvertrauten Tiere in vollem Umfang nachgekommen.
Somit hat die Abgabe der beiden Paviane NICHTS mit einer Unterstützung von Tierversuchen zu tun, sondern war ausschließlich unserer Fürsorge geschuldet. Sie erfolgte übrigens, wie alle Tierabgaben, kostenlos.“
Vor allem der Hinweis, dass die Zucht der Paviane nicht im Vordergrund steht, ist dabei für viele neu – aber in der der öffentlichen Diskussion elementar.
In einer ersten Stellungnahme des Zoo Augsburg Ende November war das Thema Zucht weniger konkretisiert worden: „Die Kollegen aus Göttingen haben die Paviane angefragt, um ihre Zuchtgruppe neu aufzustellen, die zu dieser Zeit ohne Zuchtmännchen war. Im Deutschen Primatenzentrum erhalten sie eine vorbildliche Pflege und leben in einer Umgebung, die ihren Bedürfnissen entspricht.“
Ob eine frühzeitige, umfangreiche Stellungnahme den Shitstorm abgewendet hätte, bleibt offen. Für viele Tierschützer bleibt die Abgabe von Zootieren an ein Institut, welches auch Tierversuche durchführt, ein absolutes No-Go – auch wenn die Bedingungen noch so gut sind.





