Neues Klimaschutzprojekt im Landkreis Günzburg: Um dem Klimawandel entgegen zu wirken, hat sich die bayerische Staatsregierung im Rahmen des „Masterplans Moore in Bayern“ das Ziel gesetzt, Moore zu renaturieren. Diese leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Klima-, sondern auch zum Lebensraum- und Artenschutz. Viele hochspezialisierte und seltene Tier- und Pflanzenarten haben in Mooren ihren Lebensraum. Daher hat der Landkreis Günzburg seine Fläche „Riedlüsse“ bei Oxenbronn für das Projekt zur Verfügung gestellt.

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(1) Im Luftbild wird die Strukturvielfalt der Riedlüsse deutlich. Im Vordergrund sind die verschlossenen Gräben zu sehen. Derzeit wird der obere Teil des Grundstücks im Bildhintergrund beweidet. Foto: Timo Albrecht.

Moore sind CO2-Speicher. Aufgrund des hohen Wasserstandes können abgestorbene kohlenstoffhaltige Pflanzenteile nicht zersetzt werden und reichern sich an. Über Jahrtausende entstehen so meterdicke organische Bodenschichten (Torfe). Solange Moore nicht entwässert werden dienen sie o als natürliche CO2-Senken.

Die großen Flusstäler im Landkreis Günzburg weisen vielerorts feuchte Bedingungen mit ehemaligen Moorgebieten auf. Zur Nutzbarmachung wurden diese in der Regel mit Entwässerungsgräben durchzogen. Das hatte zur Folge, dass der Wasserspiegel sank und sich der Torf zersetzte, verbunden mit hohen CO2- und Lachgasemmissionen. Da sich der organische Oberboden in Luft auflöste, wurden die Gräben im Laufe der Zeit immer weiter vertieft. Die landwirtschaftliche Nutzbarkeit von Moorböden endet, sobald die meist mehrere jahrtausendealte Torfschicht binnen weniger hundert Jahre vollständig zersetzt ist. Nachhaltiges Wirtschaften auf Moorböden funktioniert also nur bei hohen Wasserständen, auch wenn dies die Bewirtschaftung in deutlichem Maße einschränkt.

Der Landkreis Günzburg hat seine Fläche „Riedlüsse“ bei Oxenbronn für die Moorrenaturierung zur Verfügung gestellt und leistet somit zusammen mit den Behörden und dem Landschaftspflegeverband einen wichtigen Beitrag zu Klima- und Artenschutz sowie nachhaltiger Bewirtschaftung. „Das Biotop wird seit Jahren von einem ortsansässigen Landwirt gepflegt“, erklärt Judith Kronberg, Biodiversitätsberaterin an der Unteren Naturschutzbehörde. „Um die Vielfalt an Lebensräumen und damit auch die Vielfalt an Arten zu bewahren, ist eine Pflege unabdingbar, da die Fläche sonst mit Gehölzen zuwachsen würde. Dann verschwinden offene Lebensräume wie Feuchtwiesen und damit auch die daran angepassten Arten.“ In der Riedlüsse werden nun Klima-, Arten- und Lebensraumschutz gleichermaßen umgesetzt. Die Entwässerungsgräben wurden verschlossen, damit das Moor wieder seiner Funktion als Kohlenstoffspeicher nachgehen kann. Zudem weiden nun Rinder auf der Fläche, an deren Vorkommen unsere Tier- und Pflanzenarten bereits seit Jahrtausenden angepasst sind. Um speziell auf dieser Fläche keine seltenen Arten zu beeinträchtigen, wurde das Beweidungsregime an die Lebensraumansprüche der dort vorkommenden Tier- und Pflanzenarten angepasst.

Beantragt wurde das Klimaschutzprojekt bei der Regierung von Schwaben durch den Landschaftspflegeverband Günzburg e. V., der es auch vor Ort betreut. „Wir sind froh, einen Landwirt vor Ort zu haben, der die Fläche nun extensiv beweidet und sich für die nassen Bedingungen im Niedermoor sogar Wasserbüffel anschaffen möchte“, sagt Stefan Koralewska, Geschäftsführer vom Landschaftspflegeverband. Timo Albrecht, Fachkraft für Umsetzung von Moorschutz bei der Regierung von Schwaben ergänzt: „Dieses Klimaschutzprojekt ist ein schönes Beispiel, wie die gesellschaftlichen Aufgaben des Klima- und Artenschutzes verknüpft und gemeinsam von Behörden, Kommune, Landschaftspflegeverband und örtlichen Landwirten umgesetzt werden.“