Telefonbetrüger haben in drei Fällen in Sonthofen und Benningen mit erfundenen Unfallgeschichten Bargeld und Wertgegenstände erbeutet. Die Kriminalpolizei ermittelt und bittet um Hinweise.
Zwei Fälle in Sonthofen
Am Dienstag, 13. Oktober 2026, erhielt eine Seniorin in Sonthofen einen Anruf von einem Mann, der sich als Staatsanwalt ausgab. Er behauptete, die Tochter der Frau habe bei einem Verkehrsunfall eine Fahrradfahrerin tödlich verletzt. Um eine angeblich drohende Untersuchungshaft abzuwenden, müsse die Seniorin eine Kaution bezahlen.
Die Frau glaubte der Geschichte und übergab an ihrer Wohnanschrift Bargeld und Edelmetallmünzen im Gesamtwert eines hohen sechsstelligen Betrags. Der Abholer wird als etwa 20 Jahre alt, auffallend schlank und braunhaarig beschrieben. Er trug dunkle Kleidung und stieg gegen 13:15 Uhr auf der Beifahrerseite in einen schwarzen BMW-Kombi mit ausländischem Kennzeichen. Der Fahrer soll ebenfalls sehr jung ausgesehen haben. Erst nach einem Gespräch mit ihrer Tochter erkannte die Frau den Betrug und erstattete Anzeige.
Bereits am Montag, 12. Oktober 2026, war eine weitere Seniorin in Sonthofen mit einer ähnlichen Geschichte getäuscht worden. Ein angeblicher Rechtsanwalt schilderte ihr telefonisch einen schweren Verkehrsunfall und forderte eine Kaution. Die Frau übergab gegen 15:30 Uhr mehrere Tausend Euro Bargeld, Goldschmuck und Münzen an einen unbekannten Mann.
Senior in Benningen übergibt Bargeld
Auch in Benningen wurde am Montag, 12. Oktober 2026, ein Senior Opfer eines Schockanrufs. Eine bislang unbekannte Täterin gab sich am Telefon als Rechtsanwältin aus, die im Auftrag der Polizei handle. Sie behauptete, die Tochter des Mannes habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht und müsse deshalb in Untersuchungshaft. Durch die sofortige Zahlung einer Kaution könne der Vater die Inhaftierung seiner Tochter verhindern.
Der Mann glaubte den Angaben. Anschließend erschien ein zuvor angekündigter Mann an seiner Haustür und nahm einen Umschlag mit Bargeld im mittleren fünfstelligen Bereich entgegen.
Polizei bittet um Hinweise
Die Kriminalpolizei Kempten ermittelt zu den beiden Fällen in Sonthofen. Gesucht werden insbesondere Zeugen, die am Dienstag, 13. Oktober 2026, gegen 13:15 Uhr im Bereich Markstraße beziehungsweise Bergstraße einen schwarzen BMW-Kombi mit ausländischem Kennzeichen oder die beschriebenen Personen beobachtet haben. Auch verdächtige Wahrnehmungen am Montag, 12. Oktober, gegen 15:30 Uhr im Bereich Berghofer Straße beziehungsweise Obere Mühle können für die Ermittlungen wichtig sein. Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Kempten unter 0831 9909-0 entgegen.
Im Fall aus Benningen hat die Kriminalpolizei Memmingen die Ermittlungen übernommen. Wer am Montag, 12. Oktober, zwischen 18:30 Uhr und 20:30 Uhr im Ortskern einen dunkel gekleideten, schlanken, etwa 1,70 Meter großen jungen Mann beobachtet oder sonstige verdächtige Wahrnehmungen gemacht hat, wird gebeten, sich unter 08331 1000 zu melden.
Hoher Schaden durch Schockanrufe
Im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West wurden 2025 insgesamt 814 Fälle von Callcenterbetrug registriert. In 40 Fällen waren die Täter erfolgreich und erbeuteten knapp 1,6 Millionen Euro. Im laufenden Jahr 2026 verzeichnete die Polizei bislang etwa 550 Fälle. Rund 30 davon waren erfolgreich, der Vermögensschaden beläuft sich bereits auf rund 1,6 Millionen Euro.
Die Polizei rät, Gespräche bei Geldforderungen zu beenden und die Angaben selbst über eine bekannte Telefonnummer zu überprüfen. Polizei und Staatsanwaltschaft verlangen am Telefon keine Kautionszahlungen und keine Übergabe von Bargeld oder Wertgegenständen. Betroffene sollten keine Auskünfte über finanzielle Verhältnisse geben, niemals Wertsachen an Unbekannte übergeben und bei verdächtigen Anrufen den Notruf 110 wählen. Wer bereits Geld oder Wertgegenstände übergeben hat, sollte umgehend Anzeige erstatten.
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