Sportmediziner Müller-Wohlfahrt denkt nicht ans Aufhören

Deutschlands wohl bekanntester Sportmediziner Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt denkt auch im hohen Alter nicht ans Aufhören. „Ich arbeite so lange, bis mir der Himmel signalisiert: Es ist genug“, sagte der langjährige Teamarzt des FC Bayern München dem „Spiegel“. Im Sommer wird er 84 Jahre alt.

Fahrradergometer für Belastungs-EKG (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Über Jahrzehnte behandelte Müller-Wohlfahrt einige der größten Namen des Sports, darunter Sprinter Usain Bolt, Rennfahrer Sebastian Vettel und Boxer Wladimir Klitschko. Noch heute reisen Athleten aus aller Welt in seine Praxis in der Münchner Altstadt – oder er fliegt selbst zu ihnen.

Seinen Ruf begründete Müller-Wohlfahrt vor allem mit einer Methode, die im Zeitalter der Hightech-Medizin fast altmodisch wirkt: dem Tasten. „Meine Hände sind das wichtigste Instrument“, so der Arzt. Er verlasse sich nicht primär auf MRT-Bilder – diese lägen bei Muskelverletzungen „zu mehr als 50 Prozent falsch“. Stattdessen setze er auf Erfahrung und Wahrnehmung: Ein einmal ertasteter Muskelfaserriss lasse sich immer wieder sicher erkennen.

Internationale Aufmerksamkeit brachte ihm unter anderem die Behandlung des Basketballstars Kobe Bryant, der ihn weiterempfahl. Auch Bolt vertraute ihm über Jahre hinweg – selbst kurz vor den Olympischen Spielen 2016, als er mit Muskelproblemen kämpfte. Müller-Wohlfahrt reiste kurzfristig an und behandelte ihn in Rio de Janeiro. Bolt gewann später Gold über 100 Meter und soll gesagt haben: „Doc, diese Medaille gehört dir.“

Geprägt habe ihn seine Herkunft aus einem Pfarrhaus in Ostfriesland, sagte Müller-Wohlfahrt. Sein Vater habe ihn zur Nächstenliebe und zum Dienen erzogen und habe dem Arztberuf skeptisch gegenübergestanden. „Er fürchtete, der Arztberuf könne meinen Charakter verderben“, so Müller-Wohlfahrt, der sein Abitur nur mit Mühe bestand und dennoch einen Studienplatz erhielt.

Kritisch äußerte sich der Mediziner über den Zustand seines Fachs. Viele Ärzte verließen sich zu sehr auf Technik und nähmen sich zu wenig Zeit für Patienten. „Ein Gespräch dauert im Schnitt 18 Sekunden“, sagte er. Vertrauen und Zuwendung seien jedoch zentral für die Heilung.

Auch Konflikte aus seiner Zeit beim FC Bayern wirken nach. Nach einem Zerwürfnis mit dem damaligen Trainer Pep Guardiola trat Müller-Wohlfahrt 2015 zurück. Ihm sei damals die Schuld an einer Niederlage gegeben worden. Es hieß, er ließe Spieler zu lange pausieren – „völlig absurd“, wie er sagte. Der Rückhalt vom Club habe gefehlt.

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DTS Nachrichtenagentur
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Autor dieses Artikel ist unser Partner, die dts Nachrichtenagentur.

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