Bayern begrüßt den Gesetzentwurf des Bundes zum Gebäudetyp E, sieht bei der Umsetzung aber zentrale Hürden und fordert Nachbesserungen.
Das Bundesjustizministerium und das Bundesbauministerium haben am 26. Oktober 2026 einen Gesetzentwurf zum Gebäudetyp E vorgestellt. Bayerns Bauminister Christian Bernreiter begrüßt den Vorstoß grundsätzlich, sieht den Entwurf bei der Umsetzung des Koalitionsvertrags aber „auf halbem Weg“ stecken.
Kritik an zusätzlicher Vereinbarung
Für die Anwendung des gesetzlichen Mindeststandards sieht der Entwurf eine zusätzliche Vereinbarung vor. Bernreiter hält das für unnötig kompliziert und befürchtet, dass der Gebäudetyp E dadurch deutlich seltener angewendet wird.
Kritisch sieht der Bauminister außerdem den vorgesehenen Kostenvergleich zwischen dem bisher Üblichen und dem gesetzlichen Basisstandard. Dieser schaffe wenig Sicherheit und könne selbst zusätzliche Kosten verursachen.
19 Pilotprojekte in Bayern
In Bayern gibt es nach Angaben Bernreiters 19 Pilotprojekte zum Gebäudetyp E. Das erste Wohngebäude sei bereits fertig und bewähre sich in der Praxis. Bernreiter verwies zudem darauf, dass sein Ministerium die Initiative der Bayerischen Architektenkammer aufgegriffen habe.
Mit dem Gebäudetyp E soll ein einfacher gesetzlicher Basisstandard geschaffen werden. Nach den Angaben von Justizminister Josef Schmid sollen dadurch die Baukosten sinken, ohne die Sicherheit zu vernachlässigen. Ziel sei auch, mehr bezahlbaren Wohnraum für Familien und Normalverdiener zu ermöglichen.
Schmid warnt vor neuen Zugangshürden
Schmid verwies auf Schätzungen von etwa 20.000 Bauvorschriften in Deutschland. Diese schränkten Planer und Bauunternehmer ein. Gesonderte Vereinbarungen und zusätzliche Aufklärungspflichten dürften nach seiner Auffassung nicht zu neuen Zugangshürden werden. Bayern werde deshalb Nachbesserungen einfordern.
Auch die Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer, Prof. Lydia Haack, begrüßte, dass nun ein Gesetzentwurf vorliegt. Der Gebäudetyp E sei mehr als ein Weg zu bezahlbarem Wohnen und setze auch ein gesellschaftspolitisches Zeichen in Zeiten einer gefährdeten Demokratie.

