Praxis statt Theorie: Lehr:werkstatt macht Lehramtsstudium in Augsburg zum Erfolgsmodell

Wer Lehrerin oder Lehrer werden möchte, braucht neben fundiertem Fachwissen vor allem eines: echte Praxiserfahrung. An der Universität Augsburg ist genau das von Beginn an möglich. Mit dem Projekt „Lehr:werkstatt“ bietet sie ein Praxisformat, das bayernweit als Vorbild gilt.

Angesiedelt ist das Projekt am Zentrum für LehrerInnenbildung und interdisziplinäre Bildungsforschung (ZLbiB) sowie am Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik. Ziel ist es, Lehramtsstudierende frühzeitig und intensiv an die Unterrichtspraxis heranzuführen – nicht als Beobachtende, sondern als aktive Mitgestaltende.

Ein Jahr im Tandem

Kern der Lehr:werkstatt ist das Tandem-Prinzip: Studierende unterrichten ein ganzes Schuljahr lang gemeinsam mit einer erfahrenen Lehrkraft. Sie sind während der Vorlesungszeit einen Tag pro Woche an der Schule tätig und absolvieren zusätzlich mehrwöchige Blockphasen in den Semesterferien. Damit ersetzt das Format gleich zwei verpflichtende Praktika im Lehramtsstudium.

Die Tandems werden sorgfältig zusammengestellt. Ein digitales Matching-Verfahren berücksichtigt Fächerkombinationen, bisherige Erfahrungen und Persönlichkeitsmerkmale. „Wir wollen Teams bilden, die voneinander lernen und sich gegenseitig inspirieren“, erklärt Stefanie Keßler, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Koordinatorin des Projekts am ZLbiB.

Wissenschaft trifft Schulalltag

Begleitend zur Unterrichtspraxis finden Workshops, Seminare und strukturierte Reflexionsgespräche an der Universität statt. Die Studierenden dokumentieren ihre Lernfortschritte in einem Logbuch und erhalten gezielte Rückmeldungen zu ihrer professionellen Entwicklung.

„Die Lehr:werkstatt ist eine besonders gute Möglichkeit, das an der Universität Gelernte in der Unterrichtswirklichkeit umzusetzen“, betont Andreas Hartinger, Inhaber des Lehrstuhls für Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik. „Alle Beteiligten profitieren: Die Studierenden sammeln wertvolle Praxiserfahrungen, die Lehrkräfte erhalten Unterstützung und neue Impulse, und die Kinder erleben mehr individuelle Förderung.“

Auch Karin Aschenbrücker, Direktorin des ZLbiB, unterstreicht die Bedeutung des Projekts: „Die Lehr:werkstatt ist für viele Studierende das Herzstück ihres Studiums. Sie zeigt, wie gewinnbringend es ist, wenn akademisches Wissen und praktische Erfahrung Hand in Hand gehen.“

Von acht auf 100 Tandems

Seit dem Start im Schuljahr 2018/19 ist das Projekt kontinuierlich gewachsen. Begannen damals acht Tandems, sind es heute knapp 100 Lehrpaare an rund 70 Schulen in ganz Schwaben – von der Grund- und Mittelschule über Realschulen bis hin zu Gymnasien. Viele Schulleitungen berichten, dass nicht nur die Studierenden profitieren, sondern auch die Schulen selbst.

Bewerbung für Grundschulen läuft

Aktuell läuft die Bewerbungsphase für die Lehr:werkstatt an Grundschulen im Schuljahr 2026/27. Interessierte Studierende können sich seit dem 2. Februar bewerben.

Die wichtigsten Eckpunkte im Überblick:

  • Tandem-Prinzip: Ein Schuljahr gemeinsamer Unterricht von Studierenden und Lehrkräften

  • Praxistage: Ein Tag pro Woche im Unterricht plus Blockphasen in den Semesterferien

  • Begleitung: Workshops, Seminare und Reflexionsgespräche an der Universität

  • Matching: Digitale Zusammenstellung nach Fach, Erfahrung und Persönlichkeit

  • Vorteile: Intensive Praxiserfahrung, Entlastung für Lehrkräfte, bessere Förderung für Schülerinnen und Schüler

An der Universität Augsburg kann Lehramt für Grundschulen, Mittelschulen, Realschulen und Gymnasien mit dem Abschluss Staatsexamen studiert werden. Ergänzend besteht die Möglichkeit eines lehramtsbezogenen Bachelorstudiengangs für Tätigkeiten in Bildungs- und bildungsnahen Einrichtungen außerhalb des staatlichen Schuldienstes.

Weitere Informationen zur Lehr:werkstatt und zum Lehramtsstudium in Augsburg sind online unter www.uni-augsburg.de abrufbar.

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