Die Rosenau Gazette | „Das Allerschlimmste“

Auf der Jahreshauptversammlung des FC Augsburg war erkennbar gute Stimmung. Gute Geschäftszahlen und die tolle sportliche Phase lassen das Bild leuchtend schön erscheinen. Schnell vergessen ist die vergangene Rückrunde und das Aus von Dirk Schuster, der der ausgemachte Wunschkandidat von Klaus Hofmann war.  Der FCA hat die Ergebnisse der Jahreshauptversammlung in einem Video selbst zusammengestellt. Dort kommt ein Fan zu Wort der sagt: „Perfekt. Unter der Führung von Klaus Hofmann. Besser geht’s gar nicht mehr.“ Wenn das der FCA Werbeblock wäre, dann könnte man das nun so stehen lassen, ohne diese Aussage weiter zu hinterfragen und das Thema abhaken. Ich halte diese Aussage allerdings aus unterschiedlichen Gründen für falsch. Ich will das gerne begründen.

Der erste Grund basiert auf Fakten. Es gibt in der Tabelle Platz nach oben, man kann immer noch mehr Gewinn machen, in die Champions League einziehen und größere Stars verpflichten. Besser geht’s da immer noch. Diese Kennzahlen sind für mich nicht von übergeordneter Bedeutung. Der Punkt, bei dem der FCA seit Jahren schlechter wird, ist ein anderer. Der FCA nimmt die Menschen in der Region nicht mehr im gewohnten Maße mit. Seit der Saison 2013/14 ist der Zuschauerschnitt rückläufig. Da können noch so viele kreative Werbekampagnen nichts daran ändern. Man könnte fast den Eindruck bekommen: Umso besser es dem FC Augsburg geht, umso größer wird die Entfremdung.

Ob Klaus Hofmann diesen Zusammenhang verneinen würde, ist unbekannt. Allerdings hat das Thema es zumindest nicht geschafft auch Tage danach noch überregional die Medien zu durchfluten. Er hat es in seiner Rede auf der Jahreshauptversammlung nicht unter den Titel „das Allerschlimmste“ gestellt. Ich frage mich, was ernsthaft für den Verein schlimmer ist, als dass ihm die Bindung in der Region verloren geht. Wenn über mehrere Jahre hinweg, trotz sportlich ansehnlichen Leistungen, immer weniger Zuschauer kommen, um sich das Ganze anzusehen. Aber Hofmann hat sich einen anderen Aspekt der großen Fußballwelt herausgesucht, der ihm erneut am Herzen liegt. „Das Allerschlimmste“ ist nämlich laut Klaus Hofmann das Leipziger Fußballkonstrukt. Und so hat er in diesem Zusammenhang gesagt, was viele sich auch denken. Unter anderem fielen die Sätze „Regeln sind für alle gleich nicht für einen gleicher.“ und „Das Konstrukt Leipzig darf keine Lizenz haben.“ Inhaltlich stimme ich total zu. Als „das Allerschlimmste“ hätte ich das Leipziger Konstrukt nicht bezeichnet.

Archivbild: Klaus Rainer Krieger

Ich glaube auch, dass Walther Seinsch, Klaus Hofmanns Vorgänger als Präsident, sich nicht in dieser Intensität mit den Leipzigern beschäftigt hätte. Seinsch hätte es wahrscheinlich sogar geschafft, über den Tellerrand des Fußballgeschäfts zu schauen. Er, der die Stiftung Erinnerung gegründet hat, die den Marion-Samuel-Preis verleiht, um an die während des Nationalsozialismus ermordeten jüdischen Kinder zu erinnern. Mir zumindest fallen in diesen Zeiten einige Dinge ein, die ich als schlimmer bezeichnen würde, wenn ich über die aktuellen Geschehnisse in der ersten Fußballbundesliga hinausblicke.