Verdi-Chef Frank Werneke mahnt, die richtigen Lehren aus der vierten Insolvenz der Warenhauskette Galeria in sechs Jahren zu ziehen. Das einstmals gesunde Unternehmen sei “immer wieder Hasardeuren in die Hände gefallen”, sagte er der Funke-Mediengruppe. Die Belegschaft erbringe seit vielen Jahren durch abgesenkte Löhne Opfer, um den Laden über Wasser zu halten. Die jeweiligen Eigentümer hätten sich bereichert und leere Versprechungen abgegeben.
Dennoch hätten Kaufhäuser eine Zukunft, so der Gewerkschaftschef. Das Konzept Kaufhaus sei nicht tot. Es funktioniere in Frankreich mit den Galeries Lafayette, in Spanien mit El Corte Inglés oder mit Breuninger zum Beispiel auch in Deutschland. Aber das setze immer voraus, dass die Häuser nicht vernachlässigt würden, sondern dass materiell und konzeptionell in sie investiert werde.
Das setze attraktive Produkte und gute Verkaufsbedingungen voraus, sagte Werneke. Das Ambiente müsse stimmen. All das sei bei Galeria in den letzten Jahren nicht geschehen. Jetzt stünden wieder reihenweise Häuser auf der Kippe, eine dramatische Situation für die Beschäftigten. Und auch schlecht für die Attraktivität von Innenstädten.
In der Debatte um mögliche Schutzzölle für den Einzelhandel in Deutschland fordert Werneke “eine andere Handelspolitik”. Der Gewerkschaftschef sagte: “Wir müssen die europäischen Märkte stärker vor subventionierten Billigimporten schützen, um unsere Industrie und übrigens auch weite Teile des Einzelhandels zu schützen. Wenn ich mir etwa das massenhafte Paketunwesen von Online-Händlern aus Fernost anschaue, sind das die Killer für die deutschen Innenstädte.”
Auf die Frage, ob höhere EU-Zölle auf Importe aus China nötig seien, sagte Werneke: “Im Einzelhandel war es bislang möglich, diese Päckchen millionenfach jeden Tag nach Deutschland zollfrei einzuführen – ohne Arbeitsschutz bei der Herstellung oder Produktsicherheit. Denken Sie an Temu und Shein.” Nun würden durch die EU Zölle erhoben, für die auch Verdi gekämpft habe. “Und sofort gehen die Umsätze der Billighändler aus China um 40 Prozent zurück.”

