Die Augsburger Panther setzen in der anstehenden Saison auf ein rein deutsches Torhüterduo. Zu Peyton Jones kam nach dem Karriereende von Michael Garteig holte der AEV Tobias Ancicka von den Kölner Haien. Wir haben uns mit dem 25-jährigen Hoffnungsträger ausführlich unterhalten.
Sie sind inzwischen in Augsburg angekommen. Wie ist Ihr erster Eindruck von der Stadt?
Tobias Ancicka: Ich bin wirklich positiv überrascht. Wenn wir mit unseren früheren Mannschaften auswärts in Augsburg gespielt haben, waren wir immer im Leonardo Hotel in Oberhausen untergebracht. Da habe ich nicht besonders viel von der Stadt gesehen. Deshalb hatte ich auch nicht erwartet, dass Augsburg so schön ist und eine so schöne Altstadt hat. Ich bin sehr glücklich mit der Stadt.
Haben Sie bereits eine Wohnung gefunden?
Ancicka: Ich wohne momentan schon in einer Wohnung, die ist aber noch nicht endgültig. Deshalb bin ich weiterhin auf der Suche. Die Wohnungssuche in Augsburg ist nicht ganz einfach, aber ich bin zuversichtlich, dass ich etwas Passendes finden werde.
Wie haben Sie den Verein in Ihren ersten Wochen erlebt?
Ancicka: Der Verein ist wirklich megacool. Die Fankultur hier ist überragend. Das weiß man auch, wenn man noch nicht für Augsburg gespielt hat. Deshalb bin ich sehr glücklich, jetzt hier zu sein.
Das Curt-Frenzel-Stadion ist fast immer voll. Wie wichtig ist Ihnen eine solche Atmosphäre?
Ancicka: Sehr wichtig. Für mich gehört eine Fankultur, wie es sie in Augsburg gibt, zum Eishockey dazu. Das pusht einen als Spieler. Man freut sich, für einen Verein zu spielen, bei dem die Fans so hinter der Mannschaft stehen – egal, ob es gerade gut oder schlecht läuft. So etwas bedeutet mir sehr viel.
“Augsburg schon länger im Hinterkopf”
Sie haben zuletzt für die Eisbären Berlin und die Kölner Haie gespielt, also für Clubs mit deutlich größeren finanziellen Möglichkeiten und anderen sportlichen Ambitionen. Weshalb haben Sie sich nun für Augsburg entschieden?
Ancicka: In erster Linie war ich zunächst einmal vereinslos und musste mich fragen: Wo gehe ich hin? Augsburg hat sich sehr um mich bemüht. Im Gesamtpaket hat es für mich am besten gepasst. Ich habe hier eine gute Chance zu spielen, das Umfeld passt und auch die Mannschaft passt. Deshalb war für mich relativ schnell klar, dass ich nach Augsburg gehen möchte.
Über wen lief der Kontakt?
Ancicka: Größtenteils über Larry Mitchell (Anmerkung der Redaktion: Sportdirektor der Panther).
Wie hat er Sie von einem Wechsel nach Augsburg überzeugt?
Ancicka: Vor allem mit der sportlichen Perspektive. Ich habe hier eine große Chance zu spielen. Natürlich muss ich dafür meine Leistung bringen, um am Ende auch tatsächlich im Tor zu stehen. Aber das gesamte Paket hat einfach gepasst: das Umfeld, die Fans, die Stadt und das Trainerteam. Mit Dennis Endras habe ich hier einen Torwarttrainer und mit Adrian Schelenz einen Athletiktrainer, mit denen ich sehr gut arbeiten kann. Deshalb habe ich mich für Augsburg entschieden.
Ihr Name wurde bereits ein Jahr zuvor mit den Panthern in Verbindung gebracht. Wie konkret waren die Gespräche damals?
Ancicka: Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch einen Vertrag in Köln. Die Haie wollten mich nicht gehen lassen, deshalb war ein Wechsel nicht möglich. Tatsächlich hatte es aber schon nach meiner Zeit in Berlin erste Kontakte mit Augsburg gegeben. Damals wurde mir bereits ausführlich erklärt, wie hier gearbeitet wird. Das hat sich alles sehr positiv angehört. Augsburg war deshalb schon länger in meinem Hinterkopf.
Wo erkennen Sie die größten Unterschiede zwischen großen Organisationen wie den Eisbären oder den Haien und einem kleineren Standort wie Augsburg?
Ancicka: Im Büro merkt man den Unterschied schon. Hier sitzen vielleicht fünf oder sechs Leute, während in Berlin und Köln 20 oder 30 Menschen in der Geschäftsstelle gearbeitet haben. Als Spieler spürt man ansonsten aber keinen riesigen Unterschied. Die Kabine und die Bedingungen rund um die Mannschaft sind in Augsburg ebenfalls auf Topniveau. Der größte Unterschied ist tatsächlich die Größe der Organisation im Hintergrund.
“Es kommt nichts von alleine”
Larry Mitchell sagte bei Ihrer Verpflichtung, Sie hätten einen kometenhaften Aufstieg erlebt und bräuchten nun ein Comeback. Empfinden Sie den Wechsel nach Augsburg ebenfalls als Neustart?
Ancicka: Ja, auf jeden Fall. Die vergangenen Jahre waren nicht einfach. Ich möchte jetzt wieder in die Spur kommen, meine Leistung zeigen und so viele Spiele wie möglich bestreiten. Dafür ist Augsburg aus meiner Sicht der richtige Ort.
Ihre sportliche Entwicklung wurde vor allem durch eine schwere Handverletzung gebremst. Während Ihrer langen Ausfallzeit verpflichteten die Kölner Haie einen weiteren Torhüter. Was hat das mit Ihnen gemacht?
Ancicka: Auf der einen Seite war das natürlich verständlich. Ich war lange raus und es war von Beginn an abzusehen, dass ich längere Zeit fehlen würde. Deshalb hatte ich schon damit gerechnet, dass der Verein noch einen Torhüter holt. Im ersten Moment ist das natürlich trotzdem scheiße. Das bezog sich für mich aber eher darauf, dass ich mich überhaupt verletzt hatte, und weniger darauf, dass Köln einen anderen Torwart verpflichtet hat. Gerade bei einem Topteam geht es relativ schnell, dass noch jemand geholt wird. Das musste ich hinnehmen und versuchen, das Beste daraus zu machen.
Sie haben Ihre Zeit in Köln mit den Worten zusammengefasst, dass Sie dort eher abgeschrieben als gescheitert seien. Wodurch entstand dieses Gefühl?
Ancicka: Zunächst hatte ich diese lange und schwere Verletzung. Es war nicht einfach, danach wieder zurückzukommen. Die Zeit, die ich anschließend bekommen habe, war sehr begrenzt. Ich durfte ein oder zwei Spiele machen und danach hieß es bereits, dass der Verein anders plane. Ich habe einfach nicht die Zeit bekommen, wieder richtig hineinzufinden. Natürlich ist der Erfolgsdruck in Köln sehr hoch und als Spieler muss man damit rechnen, dass so etwas passieren kann. Für mich war das trotzdem heftig – gerade als junger Torhüter.
Zeitweise saßen Sie nur noch auf der Tribüne. Gab es Momente, in denen Sie daran gezweifelt haben, ob Ihre Karriere auf diesem Niveau weitergeht?
Ancicka: Daran habe ich eigentlich nicht gezweifelt. Ich war und bin noch sehr jung. Deshalb hatte ich nie den Gedanken, dass es mit meiner Karriere grundsätzlich nicht weitergehen könnte. Trotzdem war es ein heftiger Rückschritt, gerade weil es zuvor so gut gelaufen war. Eine solche Phase erdet einen. Vielleicht habe ich das auch ein Stück weit gebraucht, um wieder zu erkennen, dass man permanent Leistung bringen muss, um zu spielen. Es kommt nichts von alleine. Mittlerweile habe ich diese Zeit abgehakt und freue mich auf die Saison mit Augsburg.
Was war in dieser Phase schwieriger: die fehlende Spielpraxis oder das Gefühl, kaum noch eine echte Chance zu erhalten?
Ancicka: Beides hängt miteinander zusammen. Als Torhüter braucht man Spiele und einen gewissen Rhythmus. Wenn man nach einer langen Verletzung nur ein oder zwei Einsätze bekommt, ist es sehr schwierig, sofort wieder sein bestes Niveau zu erreichen. Gleichzeitig merkt man natürlich, wenn anders geplant wird und die Möglichkeiten weniger werden. Das war nicht leicht, aber ich habe versucht, weiterzuarbeiten und mich auf die Dinge zu konzentrieren, die ich beeinflussen kann.
Haben Sie in diesem Sommer an bestimmten Bereichen Ihres Torwartspiels gearbeitet, um wieder Ihre Topform zu erreichen?
Ancicka: Eigentlich arbeitet jeder gute Torwart in jedem Sommer an seinem Spiel und versucht, alles ein Stück weit zu verbessern. Athletik, Schnelligkeit und Reaktion sind für einen Torhüter besonders wichtig. Ich habe mir deshalb keinen einzelnen technischen Punkt vorgenommen. Mir ging es darum, meinen Körper wieder auf das bestmögliche Niveau zu bringen, schnell zu sein und mich insgesamt optimal auf die Saison vorzubereiten.
“Ich würde am liebsten jedes Spiel bestreiten”
Mit welchen persönlichen Ambitionen kommen Sie nach Augsburg? Möchten Sie die klare Nummer eins werden?
Ancicka: Am Ende des Tages trifft der Trainer die Entscheidung. Peyton Jones hat hier eine gute Saison gespielt und selbstverständlich möchte jeder Torwart spielen – genauso wie ich. Ich würde am liebsten jedes Spiel bestreiten. Für mich ist jetzt wichtig, wieder in die Spur zu kommen, jeden Tag alles zu geben und meine Leistung zu zeigen.
Hat Bill Peters Ihnen gegenüber bereits etwas zur Rollenverteilung gesagt?
Ancicka: Nein, aber das muss er auch nicht. Für mich ist relativ klar: Der bessere Torhüter wird spielen. Natürlich werden wir beide unsere Einsätze bekommen. Man kann kaum mit nur einem Torwart die komplette Saison bestreiten. Dafür ist das Verletzungsrisiko zu hoch, und jeder Torhüter benötigt irgendwann auch einmal eine mentale Pause. Grundsätzlich wird aber derjenige spielen, der die bessere Leistung zeigt.

Sie und Peyton Jones bilden ein rein deutsches Torhüterduo. Dadurch können die Panther eine zusätzliche Importlizenz im Feld einsetzen. Erhöht das den Druck auf Sie beide?
Ancicka: Der Druck, Leistung bringen zu müssen, ist immer da. Wenn du nicht performst, kann ein neuer Torwart verpflichtet werden. Natürlich gibt es auf dem Markt viele Importtorhüter, aber genauso kann ein deutscher Torhüter geholt werden. Das ist unabhängig vom Verein so und gehört zum Geschäft. Deshalb empfinde ich das nicht als zusätzlichen oder besonderen Druck.
Was muss passieren, damit aus zwei Konkurrenten ein funktionierendes Torhüterduo wird?
Ancicka: Man muss vernünftig miteinander umgehen und sich gegenseitig unterstützen. Natürlich möchte jeder spielen, aber trotzdem arbeitet man jeden Tag zusammen. Im Training kann man sich gegenseitig pushen und voneinander lernen. Dazu kommt die enge Zusammenarbeit mit Dennis Endras. Wenn diese kleine Gruppe gut funktioniert, hilft das am Ende der gesamten Mannschaft.
Dennis Endras war selbst über viele Jahre einer der besten deutschen Torhüter. Was erhoffen Sie sich von der Zusammenarbeit mit ihm als Torwarttrainer?
Ancicka: Eine gute und intensive Kommunikation zwischen Torhüter und Torwarttrainer ist für mich sehr wichtig. Die Torhüterposition ist sehr komplex. Man muss viel darüber sprechen, wie man bestimmte Situationen spielt, welche Position man einnimmt und welche Technik man dabei verwendet. Ich bin jemand, der verstehen möchte, weshalb man etwas auf eine bestimmte Weise macht. Deshalb werde ich viele Fragen stellen und mir sehr viel Input von Dennis holen.
Ruhiger Keeper mit Ambitionen
Wie würden Sie Ihr eigenes Torwartspiel beschreiben?
Ancicka: Ich versuche, ein sehr ruhiger Torwart zu sein. Natürlich muss man schnell und reaktionsstark sein, aber gleichzeitig möchte ich innerhalb der Mannschaft einen Ruhepol darstellen. Wenn um mich herum alles hektisch wird, sollen meine Mitspieler mich ansehen und erkennen, dass ich Ruhe ausstrahle. Im besten Fall können sie diese Ruhe aufnehmen.
Sind Sie auch abseits des Eises ein ruhiger Mensch?
Ancicka: Äußerlich auf jeden Fall. Ich bin grundsätzlich ein sehr ruhiger Mensch. Innerlich kann ich manchmal schon sehr emotional aufgeladen sein, aber ich versuche, das nicht zu sehr nach außen zu zeigen.
Viele Torhüter gelten als abergläubisch und pflegen vor den Spielen ausgeprägte Rituale. Wie ist das bei Ihnen?
Ancicka: Besonders abergläubisch bin ich nicht. Natürlich habe ich vor einem Spiel meine Routinen, aber die sind nicht so extrem. Mit mir kann man vor einem Spiel reden – man muss es aber auch nicht.
Über Augsburg zurück ins Nationalteam?
Sie haben sämtliche Nachwuchsnationalmannschaften durchlaufen, am Deutschland Cup teilgenommen und gehörten 2024 zum deutschen WM-Kader. Ist die Nationalmannschaft wieder ein konkretes Ziel?
Ancicka: Auf jeden Fall. Die Nationalmannschaft ist für jeden Spieler die größte Bühne, auf der man sich zeigen kann. Ich möchte dort wieder hin – und irgendwann nicht nur als Nummer drei dabei sein, sondern auch spielen. Bei einer Weltmeisterschaft im Tor zu stehen, ist ein riesiger Traum von mir. Dafür werde ich alles tun.
2027 findet die Weltmeisterschaft in Deutschland statt. Macht das dieses Ziel noch einmal besonderer?
Ancicka: Natürlich. Eine Heim-WM ist für jeden deutschen Spieler ein Traum. Jeder wird alles dafür geben, dabei zu sein und auf dieser Bühne spielen zu dürfen. Bei mir ist das genauso.
Der Kader der Panther besteht aus vergleichsweise vielen deutschen Spielern, die Verantwortung übernehmen sollen. Mit welchen neuen Mitspielern haben Sie bereits zusammengespielt?
Ancicka: Mit vielen Jungs habe ich schon in den verschiedenen Nationalmannschaften zusammengespielt. Am besten kenne ich Tim Wohlgemuth. Mit ihm habe ich zwei Jahre in Köln verbracht und mich vor meinem Wechsel auch über Augsburg ausgetauscht. Er gehört bei uns zu den erfahreneren deutschen Spielern, hat bereits viel erlebt und kann viel Verantwortung übernehmen. Er wird für die Mannschaft eine wichtige Rolle spielen.
Brauchen Sie innerhalb einer Mannschaft einen engen Freundeskreis oder können Sie sich auch gut zurückziehen?
Ancicka: In dieser Hinsicht bin ich sehr entspannt. Ich gehe gerne mit den Jungs einen Kaffee trinken. Wenn aber niemand mitkommen möchte, ist mir das auch relativ egal. Ich brauche nicht besonders viel um mich herum und kann gut für mich sein.
Die Vorbilder: Vater Martin und Robert Müller
Ihr Vater Martin war selbst deutscher Nationalspieler und besitzt beim EV Regensburg beinahe Legendenstatus. War dieser bekannte Name für Sie eher Vorbild oder manchmal auch eine Belastung?
Ancicka: Eine Belastung war das auf keinen Fall. Mein Vater ist definitiv ein Vorbild für mich. Er ist aber vor allem eine Person, mit der ich mich sehr ehrlich austauschen kann. Er sagt mir offen seine Meinung und ich habe ihm sehr viel zu verdanken. Er hat mir schon früh erklärt, wie das Geschäft funktioniert und wie es eben nicht funktioniert. Er hat mir den Weg geebnet, sehr viel für mich gemacht und natürlich auch viel Geld investiert. Eishockey ist schließlich kein günstiger Sport. Ich bin sehr glücklich, einen solchen Vater zu haben.
Ihr Vater war Verteidiger. Weshalb wollten Sie ausgerechnet Torhüter werden?
Ancicka: Als mein Vater in Mannheim gespielt hat, stand Robert Müller dort im Tor. Er hatte damals diese komplett rote Torhüterausrüstung. Ich war ein kleines Kind, bin häufig durch die Kabine gelaufen und mir ist diese Ausrüstung jedes Mal sofort ins Auge gestochen. Von da an wollte ich unbedingt ins Tor. Mein Vater war darüber im ersten Moment nicht besonders glücklich. Er hätte mich lieber als Feldspieler gesehen. Aber ich wollte unbedingt Torhüter werden und irgendwie hat mich das Feld auch nicht gereizt. Vielleicht war ich dafür ein bisschen zu weich. Dann haben wir es im Tor ausprobiert und seitdem bin ich dabeigeblieben.

Robert Müller erkrankte später schwer und verstarb bereits mit 28 Jahren. Ist er bis heute ein Vorbild für Sie?
Ancicka: Auf jeden Fall, vor allem während meiner Kindheit. Robert Müller war ein riesiger Name im deutschen Eishockey. Er hat schon früh in der DEL gespielt und war sehr erfolgreich. Ich glaube, dass er nicht nur für mich, sondern für viele deutsche Torhüter meines Alters ein großes Vorbild war.
Ihre Rückennummer 45 ist für einen Torhüter eher ungewöhnlich. Welche Geschichte steckt dahinter?
Ancicka: Früher hatte ich die Nummer 72. Mein Vater trug die 27 und ich bin an einem 27. geboren, deshalb habe ich die Zahl einfach umgedreht. Als ich nach Berlin kam, war die 72 aber sehr eng mit Rob Zepp verbunden. Es kamen immer wieder Sprüche, ob Rob Zepp zurück sei. Deshalb wollte ich eine neue Nummer.
Bei meinem ersten Lehrgang mit dem Deutschen Eishockey-Bund wurde mir zufällig die 45 zugeteilt. Das passte sehr gut, weil mein Opa 1945 geboren wurde. Er hat mich in meiner Kindheit stark geprägt, sehr viel Zeit mit mir verbracht und mich zu zahlreichen Torwartcamps gefahren. Deshalb war das ein schöner und passender Zufall. Seitdem spiele ich mit der 45.
Sie sind früh von zu Hause ausgezogen. Wo befindet sich heute Ihr Lebensmittelpunkt?
Ancicka: Ich habe gar nicht mehr so viele direkte Verbindungen nach Regensburg. Meine Eltern wohnen noch dort, aber ich bin bereits mit 15 ausgezogen und habe zu vielen Leuten von früher nicht mehr besonders viel Kontakt. Als Spieler verbringt man ohnehin viel Zeit an seinem jeweiligen Standort. Auch im Sommer trainiert man häufig beim Verein. Als ich in Berlin und Köln gespielt habe, war der Weg nach Regensburg relativ weit. Teilweise war ich im gesamten Jahr nur drei oder vier Tage dort.
Von Augsburg aus ist es mit rund 130 Kilometern natürlich einfacher. Deshalb war ich zuletzt schon häufiger in Regensburg. Ich habe aber noch kein eigenes Haus oder einen festen Ort, zu dem ich immer zurückkehre. Mein Lebensmittelpunkt ist meistens dort, wo ich gerade spiele.
In Ihrer Jugend verbrachten Sie eine Saison bei Rauman Lukko in Finnland. Weshalb haben Sie sich damals für diesen ungewöhnlichen Schritt entschieden?
Ancicka: Ursprünglich war schon geplant, mich dort länger zu etablieren. Dann kam aber relativ früh die Möglichkeit auf einen Profivertrag in Berlin und ich habe mich dafür entschieden. Die Zeit in Finnland war trotzdem eine der schönsten meines Lebens. Das Umfeld war toll und ich hatte dort super Jungs um mich herum.
Eishockey besitzt in Finnland einen sehr hohen Stellenwert, das hat man jeden Tag gespürt. Gleichzeitig war das Leben dort sehr einfach und wenig materialistisch. Kältebecken, Bier und eine gemütliche Atmosphäre – viel mehr hat es eigentlich nicht gebraucht. Es war völlig egal, wie jemand aussah oder was er besaß.

Sportlich gilt Finnland gerade im Torhüterbereich als besonders anspruchsvoll. Wie schwer war die Umstellung?
Ancicka: Der Anfang war hart. Wir haben sehr intensiv trainiert und das Niveau der Spieler war hoch. Ich habe eine gewisse Zeit benötigt, um mich daran anzupassen. Gerade als Torhüter konnte ich dort aber sehr viel mitnehmen. Insgesamt war es eine wunderschöne Erfahrung und ich würde diesen Schritt jederzeit wieder machen.
Gibt es im Curt-Frenzel-Stadion ebenfalls ein Kältebecken?
Ancicka: Tatsächlich gibt es hier sogar ein Hightech-Kältebecken. Das ist mir allerdings fast zu kalt. Ich glaube, es hat ungefähr acht Grad. Eigentlich bin ich ein Fan von Kältebecken, aber das tut schon weh. Ein bisschen Wärme brauche ich dann doch.
Für einen Torhüter ist die Gestaltung der Maske beinahe genauso wichtig wie die Rückennummer. Wie sieht Ihre neue Panther-Maske aus?
Ancicka: Sie ist leider noch nicht da und hat sich etwas verzögert. Ich hoffe, dass sie rechtzeitig zum Saisonstart kommt. Beim Design bin ich eher klassisch. In den vergangenen beiden Jahren habe ich etwas mehr gewagt, aber das war eigentlich nicht so meins. Mir reichen das Logo auf der Maske, meine Nummer und ein kleines Design. Mehr brauche ich nicht.
Bei den Panthern stehen während einer Saison einige lange Busfahrten an. Wie gerne fahren Sie mit dem Bus?
Ancicka: Nicht besonders gerne, aber es gehört dazu. In Berlin und Köln waren wir teilweise mit anderen Verkehrsmitteln unterwegs, weil es von dort aus andere Möglichkeiten gibt. Wenn man im Bus einen guten Platz hat und sich hinlegen kann, geht es aber schon. Natürlich wären andere Transportmittel manchmal schneller.
Ihr Lebensmotto lautet „Not too high, not too low“. Woher kommt dieser Satz?
Ancicka: Woher er ursprünglich kommt, kann ich gar nicht genau sagen. Ich habe irgendwann für mich entschieden, danach zu leben. Wenn es gut läuft, sollte man nicht zu sehr abheben. Und wenn es schlecht läuft, geht am nächsten Morgen trotzdem wieder die Sonne auf. Man sollte sich weder von den positiven noch von den negativen Phasen zu sehr mitreißen lassen.
Wann war es schwieriger, dieses Motto einzuhalten: nach den beiden Meisterschaften oder während Ihrer Zeit auf der Tribüne in Köln?
Ancicka: Auf der Tribüne. Auf jeden Fall.
Das Interview führen Presse Augsburg-Redakteur Dominik Mesch und Johannes Kaiser.

