Der plötzliche Tod von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat parteiübergreifend Bestürzung ausgelöst. Ministerpräsident Markus Söder spricht von einer „absoluten Tragödie“. Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt bricht seine Auslandsreise ab, Digitalminister Fabian Mehring schildert die letzten Stunden vor der Todesnachricht. Auch politische Gegner und Vertreter der Wirtschaft nehmen Abschied.
- Markus Söder: „Wir sind alle zutiefst geschockt“
- Fabian Mehring: Noch am Mittag wollte er mit Aiwanger essen gehen
- Tobias Gotthardt bricht Singapur-Reise ab: „Ich verliere einen engen Freund“
- Amtschefin des Wirtschaftsministeriums unter Schock
- Freie Wähler trauern um ihren langjährigen Vorsitzenden
- Beileid auch von politischen Gegnern
- CSU-Politiker erinnern an langjährigen Regierungspartner
- Bayerische Wirtschaft verliert langjährigen Ansprechpartner
- Politische Zukunft der Freien Wähler zunächst offen
Der Tod von Hubert Aiwanger erschüttert die bayerische Landespolitik. Der 55 Jahre alte Vorsitzende der Freien Wähler, Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident wurde am Mittwoch (4. November) tot in einem Berliner Hotel aufgefunden. Die genauen Umstände seines Todes sind bislang nicht abschließend geklärt.
Die Nachricht löste innerhalb der Staatsregierung, bei den Freien Wählern und weit darüber hinaus große Betroffenheit aus. Zahlreiche Politiker würdigen Aiwangers Engagement und erinnern an persönliche Begegnungen. Im Mittelpunkt der Beileidsbekundungen stehen seine Lebensgefährtin, seine Kinder und die weiteren Angehörigen.
Markus Söder: „Wir sind alle zutiefst geschockt“
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) reagierte noch am Mittwochabend mit einer persönlichen Erklärung auf den Tod seines Stellvertreters.

„Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger ist eine absolute Tragödie. Wir sind alle zutiefst geschockt. Unsere Gedanken sind nun zuerst bei seiner Familie und seinen Kindern. Wir trauern mit ihnen und beten für sie“, schrieb Söder auf der Plattform X.
Seit 2018 hatten Söder und Aiwanger gemeinsam die bayerische Staatsregierung geführt. Trotz wiederkehrender politischer Differenzen bildeten CSU und Freie Wähler über zwei Legislaturperioden hinweg eine Koalition.
Auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) zeigte sich erschüttert. Mit Aiwanger verliere der Bayerische Landtag einen Politiker, der die politische Entwicklung des Freistaats über viele Jahre mitgeprägt habe. Ihr Mitgefühl gelte insbesondere seiner Familie.
Fabian Mehring: Noch am Mittag wollte er mit Aiwanger essen gehen
Wie unerwartet der Tod selbst für enge politische Weggefährten kam, zeigen die Schilderungen von Bayerns Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler). Beide Politiker hielten sich am Mittwoch in Berlin auf. Noch zur Mittagszeit hatte Mehring seinem Parteivorsitzenden eine SMS geschrieben und angefragt, ob sie gemeinsam essen gehen wollten.

Für den Nachmittag war Aiwanger als Redner bei der Eröffnung eines Hauptstadtbüros der Freien Wähler vorgesehen. Doch der Wirtschaftsminister konnte den Termin nicht wahrnehmen. Stattdessen wurde Mehring gebeten, kurzfristig für ihn einzuspringen. Als Grund wurde eine Erkrankung Aiwangers genannt. Mehring ging nach eigenen Angaben zunächst von einer Erkältung aus und wünschte seinem Parteifreund gute Besserung. Wenige Stunden später erreichte ihn die Nachricht von dessen Tod.
Auf Instagram beschrieb der Digitalminister seine Fassungslosigkeit: „Jetzt im Hotel zu sitzen und verstehen zu müssen, dass Hubert gestorben ist, fühlt sich komplett surreal an.“ Mehring erklärte, er sei tief traurig und versuche, die Situation überhaupt erst zu begreifen. Seine Gedanken seien bei Aiwangers Angehörigen, denen er viel Kraft wünsche.
Seinen persönlichen Abschied beendete er mit den Worten: „Wir alle verdanken ihm so viel. Ruhe in Frieden, Hubert!“
Tobias Gotthardt bricht Singapur-Reise ab: „Ich verliere einen engen Freund“
Besonders persönlich fiel auch die Reaktion von Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt (Freie Wähler) aus. Der Politiker befand sich zum Zeitpunkt der Todesnachricht auf einer Delegationsreise in Singapur. „Die Nachricht von Huberts plötzlichem Tod trifft mich zutiefst, ist für uns alle unbegreifbar. Bayern verliert mit ihm einen Herzensmenschen für die Heimat, einen Menschenfreund, der immer und mit aller Kraft für die Menschen im Freistaat gewirkt hat“, erklärte Gotthardt.

Der Staatssekretär würdigte dabei nicht nur die politische Arbeit seines Ministers, sondern vor allem dessen menschliche Qualitäten. „Sein Wirken, aber auch sein Lächeln wird in dieser Welt fehlen“, sagte Gotthardt.
Für ihn sei Aiwanger weit mehr als ein politischer Vorgesetzter gewesen. „Ich selbst verliere einen Vertrauten, Wegbegleiter und engen Freund, auf dessen Wort und Freundschaft ich mich immer verlassen konnte.“ Gotthardt zeigte sich dankbar für die gemeinsamen Jahre, Gespräche und Begegnungen. Er bete für Aiwanger und dessen Familie und wünsche den Angehörigen Kraft und Trost. Der Wirtschaftsstaatssekretär kündigte an, seine Delegationsreise umgehend abzubrechen und nach Bayern zurückzukehren.
Amtschefin des Wirtschaftsministeriums unter Schock
Dr. Sabine Jarothe sprach von einem schweren Verlust für das gesamte Haus. „Der Tod des Staatsministers ist ein Schock für unser Haus. Unser tiefes Beileid gilt der Lebensgefährtin, den Kindern und der Familie des Verstorbenen“, erklärte Jarothe. Aiwanger hatte das Wirtschaftsministerium seit 2018 geleitet. In dieser Zeit habe er das Haus mit großem persönlichem Einsatz geprägt und sich unermüdlich für die wirtschaftlichen Interessen Bayerns eingesetzt, betonte die Amtschefin. „Er wird uns sehr fehlen“, erklärte Jarothe.
Freie Wähler trauern um ihren langjährigen Vorsitzenden
Für die Freien Wähler bedeutet Aiwangers Tod einen tiefen Einschnitt. Der Politiker hatte den bayerischen Landesverband seit 2006 geführt und war seit 2010 auch Bundesvorsitzender der Partei.
Landtagsfraktionschef Florian Streibl zeigte sich tief betroffen. Mit Aiwanger verliere Bayern eine Persönlichkeit, die über viele Jahre für ihre politischen Überzeugungen eingetreten sei und die Freien Wähler entscheidend geprägt habe.
„Bayern wird ohne ihn ein anderes sein“, erklärte Streibl.
Auch innerhalb der Partei herrschen Trauer und Fassungslosigkeit. Der stellvertretende Landesvorsitzende Armin Kroder würdigte Aiwangers politische Arbeit und dessen Einsatz für eine bürgernahe Politik.
Besonders schwer wiegt der Verlust für die Freien Wähler, weil Aiwanger über viele Jahre hinweg nicht nur ihr Vorsitzender, sondern auch ihr bekanntestes Gesicht auf Landes- und Bundesebene war.
Beileid auch von politischen Gegnern
Die Trauer um Aiwanger reicht über die Grenzen der bayerischen Regierungskoalition hinaus. Auch Vertreter anderer Parteien äußerten sich betroffen.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) erinnerte an einen Politiker, der Auseinandersetzungen nicht gescheut und seine Überzeugungen mit Nachdruck vertreten habe. Özdemir würdigte Aiwanger als streitbare Persönlichkeit und sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus.
Auch die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag, Katharina Schulze, bekundete ihre Anteilnahme. Sie wünschte der Familie und allen Menschen, die Aiwanger nahestanden, Kraft in dieser schwierigen Zeit.
Aus der SPD kamen ebenfalls Beileidsbekundungen. Die bayerische Landesvorsitzende Ronja Endres erinnerte an politische Differenzen, aber auch an persönliche Begegnungen mit dem Verstorbenen.
FDP-Politiker Wolfgang Kubicki würdigte Aiwangers eigenständigen politischen Stil und seine Nähe zu den Menschen. Der Freie-Wähler-Chef habe die politische Landschaft Bayerns über viele Jahre mitgestaltet.
Auch AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel reagierte auf die Nachricht und sprach Aiwangers Familie und Freunden ihr Beileid aus.
Die unterschiedlichen Reaktionen zeigen, dass der plötzliche Tod des Wirtschaftsministers auch bei Politikern Betroffenheit ausgelöst hat, die ihm in politischen Fragen häufig widersprochen hatten.
CSU-Politiker erinnern an langjährigen Regierungspartner
Neben Ministerpräsident Söder meldeten sich weitere Vertreter der CSU zu Wort.
CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann würdigte Aiwanger als engagierten Politiker, der sich über viele Jahre mit Nachdruck für seine Positionen eingesetzt habe.
Auch der frühere Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zeigte sich betroffen. Er erinnerte an Aiwangers Leidenschaft für die Politik und dessen Verbundenheit mit Bayern.
Für die CSU bedeutet der Tod Aiwangers zugleich den Verlust eines langjährigen Koalitionspartners. Seit dem Regierungswechsel 2018 hatten beide Parteien gemeinsam die politische Verantwortung im Freistaat getragen.
Bayerische Wirtschaft verliert langjährigen Ansprechpartner
Auch aus der Wirtschaft kamen Reaktionen auf den Tod des Ministers. Aiwanger hatte sich während seiner Amtszeit insbesondere für mittelständische Unternehmen, Industrie, Handwerk und die wirtschaftliche Entwicklung ländlicher Regionen eingesetzt.
Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, würdigte Aiwangers langjähriges Engagement für den Wirtschaftsstandort Bayern.
Der Minister habe die Anliegen der Unternehmen mit großem persönlichen Einsatz vertreten. Sein Tod bedeute einen schweren Verlust für die bayerische Wirtschaft.
Politische Zukunft der Freien Wähler zunächst offen
Mit Aiwangers Tod verliert die bayerische Staatsregierung ihren stellvertretenden Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister. Zugleich stehen die Freien Wähler vor der Aufgabe, ihre Führung auf Landes- und Bundesebene neu zu ordnen. Im Wirtschaftsministerium muss zunächst die Vertretung der Amtsgeschäfte sichergestellt werden. Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Für die Freien Wähler geht es darüber hinaus um die politische Nachfolge eines Vorsitzenden, der die Partei über zwei Jahrzehnte entscheidend geprägt hatte.
Doch während sich in den kommenden Tagen zwangsläufig organisatorische und politische Fragen stellen werden, steht zunächst die Trauer im Vordergrund. Die zahlreichen Beileidsbekundungen aus Regierung, Opposition und Wirtschaft machen deutlich, wie groß die Bestürzung über den unerwarteten Tod des 55-Jährigen ist. Besonders die persönlichen Worte seiner engsten Weggefährten zeigen, dass mit Hubert Aiwanger nicht nur ein bekannter Politiker, sondern für viele auch ein Freund und Vertrauter gestorben ist.

