Auf der wichtigen Bahnstrecke zwischen Augsburg und München könnten ab 2028 zwölf Regionalverbindungen wegfallen. Dagegen formiert sich nun deutlicher Widerstand aus der Region. Landräte und Augsburgs Oberbürgermeister fordern die Deutsche Bahn auf, die geplanten Kürzungen zurückzunehmen.
Die Pläne der DB InfraGO für den Regionalverkehr zwischen Augsburg und München sorgen weiter für Kritik. Nach den derzeitigen Planungen sollen ab 2028 insgesamt zwölf Regionalzugverbindungen auf der Strecke entfallen. Teilweise würden dann nur noch zwei Regionalzüge pro Stunde und Richtung verkehren. Gleichzeitig soll das Angebot im Fernverkehr deutlich ausgeweitet werden.
Dagegen wenden sich nun mehrere Kommunalpolitiker aus Bayerisch-Schwaben gemeinsam an die Deutsche Bahn. Der Augsburger Landrat Martin Sailer, der Aichach-Friedberger Landrat Dr. Marc Sturm, der Dillinger Landrat Markus Müller und Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Florian Freund haben sich in einem gemeinsamen Schreiben an DB-Infrastrukturvorstand Dr. Philipp Nagl gewandt.
Sie fordern, die geplanten Streichungen zurückzunehmen.
Sailer: „Wir brauchen mehr Kapazität auf der Schiene“
Besonders problematisch sehen die Kommunalpolitiker die Kürzungen angesichts der bereits heute hohen Auslastung der Verbindung. Die Strecke Augsburg–München zählt zu den wichtigsten Pendlerachsen in Bayern.
„Wer mehr Menschen für den Umstieg auf die Bahn gewinnen will, darf ausgerechnet auf einer der wichtigsten und am stärksten genutzten Pendlerachsen Bayerns nicht das Angebot kürzen“, kritisiert Augsburgs Landrat Martin Sailer.
Gerade während der Hauptverkehrszeiten seien die Züge bereits stark ausgelastet. Sailer fordert deshalb zusätzliche Kapazitäten statt weniger Verbindungen.
Auch Aichach-Friedbergs Landrat Marc Sturm verweist auf die Bedeutung des Regionalverkehrs für Berufspendler und Auszubildende. Zusätzliche Fernverkehrsangebote könnten die wegfallenden Regionalverbindungen nicht ersetzen. Schließlich seien für viele Fahrgäste gerade die Zwischenhalte auf der Strecke entscheidend.
Kritik: Fernverkehr soll zulasten des Regionalverkehrs wachsen
Genau hier liegt einer der zentralen Kritikpunkte der Kommunalpolitiker. Nach den Planungen sollen Kapazitäten für zusätzliche Fernzüge geschaffen werden, während gleichzeitig Regionalverbindungen wegfallen könnten.
Für den Dillinger Landrat Markus Müller ist dies der falsche Ansatz. Ein Kapazitätsproblem könne nicht dadurch gelöst werden, dass das Angebot für die Fahrgäste reduziert werde. Stattdessen müsse die Infrastruktur ausgebaut werden.
Auch Augsburgs Oberbürgermeister Florian Freund warnt vor den Auswirkungen auf die gesamte Region. Augsburg und München seien wirtschaftlich eng miteinander verbunden. Trotz Homeoffice wachse die Bedeutung der Pendlerachse weiter.
Eine Reduzierung des Bahnangebots könnte nach Ansicht Freunds dazu führen, dass zusätzliche Pendler wieder auf das Auto ausweichen – und damit die ohnehin stark belasteten Straßen zwischen Augsburg und München zusätzlich beanspruchen.
Regio-Schienen-Takt könnte ausgebremst werden
Die geplanten Kürzungen stehen nach Ansicht der vier Kommunalpolitiker zudem im Widerspruch zu den seit Jahrzehnten verfolgten Zielen für den Nahverkehr in der Region Augsburg.
Bereits seit 1996 setzt sich die Region für einen S-Bahn-ähnlichen Vorortverkehr mit einem regelmäßigen Regio-Schienen-Takt ein. Dieser soll insbesondere für Pendler entlang der Strecke eine attraktive und verlässliche Alternative zum Auto schaffen.
Weniger Regionalverbindungen könnten diese Pläne erheblich erschweren.
Forderung an die Bahn: „Ausbau statt Abbau“
Sailer, Sturm, Müller und Freund fordern deshalb insbesondere für die Hauptverkehrszeiten eine Rücknahme der geplanten Zugstreichungen.
DB InfraGO solle gemeinsam mit dem Bund, dem Freistaat Bayern und den betroffenen Kommunen nach Möglichkeiten suchen, zusätzliche Kapazitäten auf der Schieneninfrastruktur zu schaffen.
Gegen eine Ausweitung des Fernverkehrs wenden sich die Kommunalpolitiker dabei grundsätzlich nicht. Sie dürfe allerdings nicht zulasten des Regionalverkehrs erfolgen.
„Wir erwarten, dass vor einer endgültigen Entscheidung gemeinsam mit den betroffenen Kommunen, dem Freistaat Bayern und den Aufgabenträgern nach tragfähigen Lösungen gesucht wird. Ausbau statt Abbau muss das Ziel sein“, erklären die vier Kommunalpolitiker gemeinsam.
Die Diskussion um die Pläne gewinnt derzeit zusätzlich an Fahrt. Auch unter Pendlern gibt es Widerstand. Eine Ende August gestartete Online-Petition gegen die Streichung der Regionalzüge hat bereits deutlich mehr als 1.500 Unterstützer gefunden.
Nach den bislang bekannten Planungen sollen ab 2028 zwölf Regionalverbindungen zwischen Augsburg und München wegfallen. In den Hauptverkehrszeiten verkehren derzeit teilweise drei oder vier Regionalzüge pro Stunde und Richtung; künftig könnten es maximal zwei sein.

