171 Kinder in Bayern vermisst: Polizei verstärkt Maßnahmen zum Schutz am Tag der vermissten Kinder

Alfred Ingerl
3 Minuten Lesezeit

München – „Mein Kind ist nicht nach Hause gekommen“ – eine Horrorvorstellung für Eltern und Angehörige. Am 25. Mai findet jährlich der „Tag der vermissten Kinder“ statt, den das Bayerische Landeskriminalamt nutzen möchte, um darauf aufmerksam zu machen, dass es beim Verschwinden von Kindern und Jugendlichen besonders wichtig ist, schnell und koordiniert zu handeln. Daher werden alle Fahndungen in Bayern zentral in der Vermisstendienststelle des BLKA gebündelt und die Arbeit der jeweiligen Polizeidienststellen zielgerichtet unterstützt.

Akuter Handlungsbedarf bei Vermisstenfällen

Als vermisst gelten Kinder und Jugendliche, sobald sie ihr gewohntes Umfeld verlassen haben und ihr Aufenthaltsort unbekannt ist. Die Polizei geht dann grundsätzlich davon aus, dass eine Gefahr für Leib und Leben besteht – bis Ermittlungen etwas anderes ergeben. Eltern und Angehörige sollten daher nicht zögern, umgehend die Polizei zu verständigen. Diese kann dann sofortige Fahndungsmaßnahmen einleiten, aktiv an bekannten Aufenthaltsorten suchen oder Familie, Freunde und Verwandte nach möglichen Hinweisen befragen.

Aktuelle Statistik der vermissten Kinder in Bayern

Aktuell werden 171 Kinder unter 14 Jahren in Bayern vermisst (Stichtag 18. Mai 2026). 126 davon gelten als sogenannte „Ausreißer“, die wiederholt weglaufen und wieder zurückkommen. 40 der vermissten Kinder wurden ihren Eltern oder ihrem Vormund entzogen, zum Beispiel wegen Streitigkeiten um das Sorgerecht. Bei einem Teil der aktuell vermissten Kinder (5) handelt es sich um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Diese werden in der Statistik als vermisst geführt, obwohl hinreichende Erkenntnisse vorliegen, dass Bayern (Erstaufnahme) in der Regel nur eine Zwischenstation darstellt und sie anschließend – auch unter anderen Personalien – weiterreisen.

Erfolgreiche Aufklärung in den meisten Fällen

Grundsätzlich sind diese Zahlen nur eine Momentaufnahme, die sich schnell ändern kann. Ein Großteil der Kinder kommt glücklicherweise bereits nach wenigen Tagen wieder wohlbehalten nach Hause zurück. Im vergangenen Jahr (2025) wurden 1044 Kinder vermisst und davon 970 Fälle aufgeklärt. Im Vergleich dazu wurden 2024 1069 Fälle registriert und 979 davon gelöst werden.

- Anzeige -

Die zentrale Vermisstenstelle des Bayerischen Landeskriminalamtes unterstützt die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen zielgerichtet. Zudem erforscht sie Hintergründe zu den Vermissungen von Kindern, um daraus Erkenntnisse für aktuelle und zukünftige Fälle zu gewinnen. Sie hilft bei der Identifizierung vermisster Menschen, beispielswiese anhand vergleichender Auswertungen in einer speziell dafür angelegten bundesweiten Datenbank. Gleichzeitig werden Vermisste in Bayern zentral erfasst und Fahndungen an andere Bundesländer sowie das Bundeskriminalamt gesteuert.

Diesen Artikel teilen
Alfred Ingerl ist freier Redakteur aus dem Bereich Blaulicht für Augsburg, Bayerisch-Schwaben und Bayern.