Die Cannabis-Legalisierung in Deutschland aus Sicht eines Anbieters

Presse Augsburg
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Dannie Hansen (links) und sein Bruder Christian Pallesen (rechts), die Gründer von Nordic Oil®

Der Plan der Ampelkoalition zur Legalisierung von Cannabis nimmt wieder Fahrt auf. Nachdem die Zäsur der Corona-Pandemie sich wie ein Bremsklotz auf das Land gelegt, wichtige politische Themen verdrängt und ein Gros der Ressourcen der Medizin absorbiert hat, ist wieder Bewegung in das Vorhaben gekommen. Mitte August beschloss das Bundeskabinett die Legalisierung und leitete damit eine offizielle Wende in der Drogenpolitik ein.

Dannie Hansen (links) und sein Bruder Christian Pallesen (rechts), die Gründer von Nordic Oil®



Wir sprechen über dieses Thema mit Dannie Hansen, der zusammen mit seinem Bruder Christian Pallesen mit Nordic Oil eines der führenden Unternehmen von CBD-Produkten in Deutschland leitet, die in den letzten Jahren massiv an Beliebtheit bei Kunden gewonnen haben und inzwischen sogar in Apotheken angeboten werden. Er wird die Maßnahmen der Bundesregierung zur Cannabis-Legalisierung für uns einordnen und darlegen, welche Entwicklungspotenziale er für den Cannabishandel in Deutschland sieht.

Presse-Augsburg.de: Vielleicht erklären Sie unseren Lesern zunächst einmal, was es mit den zahlreichen CBD-Produkten auf sich hat, die Ihr Unternehmen anbietet.

Dannie Hansen: Denken wir an Cannabis, kommen den meisten Menschen erst einmal Kiffer in den Sinn, die entspannen oder sich in mythische Traumwelten katapultieren möchten. Inzwischen weiß man aber, dass THC und andere psychotrope Substanzen der Hanfpflanze nicht die einzigen Cannabinoide sind. Das Cannabidiol CBD ist in medizinischer Hinsicht mindestens genauso wertvoll wie THC, ohne dass Patienten sich damit berauschen können. Aus diesem Grund ist der Zugang zu CBD schon seit einigen Jahren offen, lange bevor jetzt die ganze Hanfpflanze legalisiert werden soll.

Presse-Augsburg.de: Was erwarten Sie von der Legalisierung von Cannabis?

Dannie Hansen: Die Legalisierung von Cannabis ist ein überfälliger Schritt, und es ist gut, dass er jetzt durchgeführt wird. Allein die Tatsache, dass Haschisch und Marihuana aus der Liste der Betäubungsmittel gestrichen werden, wird den Ärzten die Verschreibung von Cannabis für Patienten weiter erleichtern und auch denen zugänglich machen, die keine therapieresistenten Schwerstfälle sind.

Presse-Augsburg.de: Die Bedenken gegenüber einer Freigabe von Cannabis sind in der deutschen Bevölkerung nach wie vor groß. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Spiegel positionierten sich 45 Prozent der Befragten gegen eine Legalisierung, 40 Prozent waren dafür und 15 Prozent sehen den Gegenstand differenziert. Was entgegnen Sie den Kritikern?

Dannie Hansen: Zu einem großangelegten Run auf den Hanf wird es wohl nicht kommen, denn 76 Prozent der Befragten gaben in derselben Umfrage an, ohnehin nicht zum Joint greifen zu wollen. Zugleich wird mit dem Maßnahmenpaket der Schwarzmarkt eingedämmt, sodass mehr sicherer bzw. nicht verunreinigter Hanf in Umlauf kommen wird und sich der Jugendschutz besser einhalten lässt. Die Entlastung von Justiz und Polizei bringt außerdem den Vorteil mit, dass sie sich mehr auf die echten Verbrecher und die Aufdeckung von ernsten Verbrechen konzentrieren können.

Presse-Augsburg.de: Dennoch kritisieren Sie, dass die Legalisierung von Cannabis in Deutschland nicht weitgehend genug geht. In welchen Bereichen sehen Sie bei der Umsetzung Probleme?

Dannie Hansen: Die lizenzierten Cannabis-Shops mit freier Abgabe wird es zunächst nicht geben und ob diese in den Modellregionen wirklich kommen werden, steht noch nicht fest. Die Bundesregierung scheint sich hier stark von Brüssel einschränken zu lassen, denn das EU-Recht verbietet leider immer noch den freien Verkauf von Cannabis. Luxemburg war deshalb schon Jahre zuvor mit dem gleichen politischen Programm gescheitert und musste sich am Ende mit einer abgespeckten Version begnügen.

Man merkt es dem Gesetzestext an, dass bei der Verfassung Angst und nicht Optimismus prägende Motive gewesen sind. Der Konsum von Cannabis-Produkten ist an sehr viele Bedingungen geknüpft, beispielsweise müssen Privatkonsumenten Mitglied einer sogenannten „Anbaugesellschaft“ werden. Dies könnte letztlich dazu beitragen, dass der noch junge Markt in der ersten Wachstumsphase erstickt wird und erfahrene Anbieter aus dem Ausland die deutschen Start-ups aufkaufen. Dabei wäre das Potenzial für das „grüne Gold“ mit Blick auf die Genussmittel-, Kosmetika, Wellness- und Medizinbranche beträchtlich. 




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