FCA-Kolumne | Die Rosenau Gazette: Die Schiedsrichter-Show

Trainer Manuel Baum hatte nach der Partie noch manches mit Schiedsrichter Exner zu besprechen Archivfoto: Kolbert press
Presse Augsburg
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Es gibt Samstage, da fährt man als FCA-Fan nach Hause und weiß nicht, ob man ein Fußballspiel gesehen hat oder eine Folge „Bauer sucht Bildschirm“. Elversberg war so ein Samstag: 0:3 nach 28 Minuten, Aufholjagd bis zum 3:4, sieben Tore, fünf Elfmeterpfiffe, ein aberkanntes Tor. Und mittendrin Florian Exner, dessen liebster Mitspieler an der Seitenlinie stand und einen Stromanschluss hatte.

Eins von sechs

Sechs große Szenen, nur eine stand auf Anhieb: der Foulelfmeter an Behrens. Matsimas Handspiel übersehen, Rohrs erst abgewunken, Adams Abseitstor erst gegeben, Sirchs vermeintliches Handspiel war in Wahrheit Gregoritschs Arm, Futkeu erst abgewunken, dann doch Elfmeter. Dreimal ging Exner an den Monitor, dreimal kam er mit dem Gegenteil seiner eigenen Entscheidung zurück. Irgendwann in der ersten Hälfte reklamierte auch Juma Bah Hand im Strafraum, der Bildschirm blieb dunkel. Und als der FCA in der Nachspielzeit noch einmal Hand forderte, pfiff Exner ab, ohne hinzuschauen. Für Manuel Baum war das ein klarer Elfmeter.

Die Rechnung: rund zehn Minuten reine Monitorzeit, mit Elfmeter-Prozedere und Rudelbildung eine Viertelstunde Tamtam, bei geschätzt 50 bis 53 Minuten Netto-Spielzeit. Auf fünf Minuten Fußball kam eine Minute Fernsehen. Baum räumte ein, seine Mannschaft habe nicht zu ihrer Bestform gefunden. Wie auch? Bestform braucht Rhythmus, und Spielfluss war in Elversberg etwas, von dem man nur träumen konnte.

Das Minenfeld

Dabei geht es mir nicht um Exner persönlich. Nach einem Nachmittag sprechen wir niemandem die Bundesliga-Tauglichkeit ab, dafür haben wir ihn schlicht zu selten pfeifen sehen. Es geht um ein System, das Schiedsrichter überfordert. Handspiel im Strafraum bleibt ein Minenfeld: Solange Armhaltung, Körperfläche und Absicht interpretiert werden müssen, kann kein Schiedsrichter konsequent richtig liegen. Und ein Elfmeter für ein unglückliches Anschießen ist eine zu drastische Strafe, ausdrücklich auch bei den beiden Handelfmetern, die wir bekommen haben.

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Wer Handregel, Abseitslinien, Nachspielzeit, Funkverkehr und 22 Spieler gleichzeitig managen muss, dem gibt der VAR den Rest. Er ist der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Baum sagte, er spüre Unsicherheit, weil die höchste Entscheidungskompetenz nicht mehr auf dem Platz liege. So viele Elfmeterentscheidungen und VAR-Eingriffe „habe ich noch nie erlebt und möchte ich auch nicht mehr erleben“.

Auch Abseits ist nicht sicher

Michael Ströll hat den VAR vor der ersten Pokalrunde als bislang einziger Bundesligist so deutlich infrage gestellt und seine Abschaffung gefordert. Seitdem wird nicht der Gegenbeweis angetreten, sondern am FCA ein Exempel statuiert. Gegen die Bayern wurden vier Tore nach Abseits-Check aberkannt, Minute um Minute. Das Díaz-Tor hätte nach Ansicht von Ex-Schiedsrichter Patrick Ittrich zählen müssen, weil nach der Klärung eine neue Spielsituation entstanden war. Diesmal half es uns. Aber wenn selbst Abseits mit kalibrierten Linien nicht sicher ist, was bleibt dann vom Versprechen der Gerechtigkeit? Das auch bei deutlichstem Abseits weiterlaufen gelassen wird, und hieraus Eckbälle resultieren, hat nach dem Elversberg-Spiel auch Elversberg-Coach Vincent Wagner kritisiert. 

Bessere Kommunikation, kein besserer VAR

Eine Randnotiz: 2023 hat die DFB Schiri GmbH Alex Feuerherdt, Mitgründer von „Collinas Erben“ und einer der scharfsinnigsten Kritiker des deutschen Schiedsrichterwesens, als Leiter der Kommunikation eingestellt. Seitdem wird besser erklärt. Besser geworden ist der VAR nicht. Das Saisonmotto der Schiri GmbH lautete übrigens „Weniger VAR, mehr Fußball“.

Zurück zum Erlebnis

Ich habe die Schiedsrichter in dieser Kolumne schon oft kritisiert, etwa bei den offenen Fragen zur Schiedsrichterqualität, bei der VAR-Lotterie oder bei den endlosen Videobeweis-Debatten. Und ja, es ermüdet. Aber die letzten zwei Spiele sind ein neuer Höhepunkt. Der VAR vertreibt so langsam auch den Letzten aus dem Stadion, weil er das Erlebnis selbst konterkariert. Früher fiel ein Tor, und die Kurve explodierte. Heute schaut das ganze Stadion erst einmal fragend zur Seitenlinie. Jubel auf Bewährung.

Markus Merk hat sinngemäß einmal gesagt, ein Schiedsrichter solle das Spiel weitgehend laufen lassen, weniger reglementieren und mehr Spielfluss zulassen, kurz: es den Spielern überlassen. Genau das wünsche ich mir am Samstag gegen Union. Einen Schiedsrichter, der pfeift, was er sieht, und sieht, was er pfeift. Und für den Vorschlag muss sich die DFL nicht bedanken. Um es mit einem Dendemann-Albumtitel zu sagen: Da nich für!

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ANDREAS RIEDL IST GRÜNDER DER ROSENAU GAZETTE, DEM FC AUGSBURG BLOG. DAS AUTOR*INNEN-TEAM DER ROSENAU GAZETTE VERFOLGT DIE GESCHEHNISSE RUND UM DEN FC AUGSBURG SEIT VIELEN JAHREN UND BLICKT AUCH KRITISCH AUF ENTWICKLUNGEN ABSEITS DES SPIELFELDS. VIELE WEITERE TEXTE VON IHM UND DEM TEAM DER ROSENAU GAZETTE FINDEN SIE AUF rosenau-gazette.de.

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