Trumps neue Zölle setzen bayerisch-schwäbische Wirtschaft unter Druck

Presse Augsburg
4 Min. Lesezeit
Donald Trump erlässt Zölle für EU-Produkte

Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle haben gravierende Auswirkungen auf die exportorientierte Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben. Besonders Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen in die USA spüren die Folgen stärker als in anderen Regionen. Laut der IHK-Umfrage „Going International“ erwarteten bereits im März 2025 rund 66 Prozent der befragten Unternehmen aus Bayerisch-Schwaben negative Konsequenzen durch die US-Handelspolitik. Diese Befürchtungen haben sich nun bestätigt.

Jana Lovell, Leiterin der Abteilung International bei der IHK Schwaben, warnt: „Die fortschreitende wirtschaftliche Abschottung der Vereinigten Staaten trifft die bayerisch-schwäbische Wirtschaft in einer ohnehin krisenhaften Phase mit voller Wucht.“

Bayerische Wirtschaftsminister: „Zölle bedrohen Arbeitsplätze und Investitionen“
Auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sieht die Maßnahmen kritisch: „Das amerikanische Zollpaket schadet beiden Seiten und ist eine konkrete Gefahr für unsere Wirtschaft. Die Vereinigten Staaten sind unser wichtigster Exportmarkt. Allein im vergangenen Jahr haben unsere Unternehmen Waren im Wert von 29 Milliarden Euro dorthin geliefert. Wenn sich die USA jetzt abschotten, steht für unsere heimische Wirtschaft viel auf dem Spiel, aber auch für die amerikanischen Handelspartner und Verbraucher, weil Importe aus Europa verteuert werden.“

Besonders betroffen seien Automobilhersteller, Zulieferer, die Chemieindustrie und der Maschinenbau. Aiwanger fordert, dass Bayern seine internationalen Handelsbeziehungen diversifiziert und neue Märkte erschließt: „Bayern wird noch intensiver daran arbeiten, die internationalen Handelsbeziehungen zu diversifizieren und neue Märkte aufzubauen.“

EU muss Gegenmaßnahmen ergreifen

Der Minister warnt zudem vor einem Handelskrieg: „Zölle bedingen Gegenzölle, ein Handelskrieg kennt am Ende nur Verlierer. Die EU-Kommission muss deshalb in Verhandlungen mit den USA versuchen, das Schlimmste abzuwenden.“

Ab dem 9. April sollen für EU-Exporte in die USA pauschale Einfuhrzölle von 20 Prozent gelten. Bereits jetzt gibt es eine Zollbelastung von 25 Prozent auf Autos aus der EU. Bayerisch kontrollierte Unternehmen in den USA tragen maßgeblich zur US-Wirtschaft bei: Sie beschäftigen mehr als 700.000 Menschen und generieren eine Bruttowertschöpfung von über 130 Milliarden Euro.

Wirtschaftliche Unsicherheit wächst

Die Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben ist stark vom Export abhängig: Die Exportquote liegt bei knapp 45 Prozent. In einer IHK-Umfrage im vergangenen Jahr erwarteten noch 83 Prozent der befragten Unternehmen stabile oder wachsende Geschäftsperspektiven im US-Geschäft. Diese Erwartungen haben sich nicht erfüllt – fast zwei Drittel der Unternehmen berichten nun von einer nur noch befriedigenden oder schlechten Geschäftslage.

Ein Grund für die pessimistischen Zukunftsaussichten sind steigende Handelshemmnisse. „Zölle, lokale Zertifizierungsanforderungen oder auch Sanktionen setzen die Betriebe weiter unter Druck“, erklärt Lovell. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen sieht eine Zunahme dieser Hindernisse. Besonders problematisch sei, dass die Unternehmen zusätzliche Kosten entweder selbst tragen oder ihre Wettbewerbsfähigkeit durch höhere Preise verlieren.

Handelskrieg könnte Europa stärken

Während die Unsicherheit für bayerisch-schwäbische Unternehmen wächst, fordert Lovell eine selbstbewusste Haltung Europas: „Unabhängig von den nun angekündigten Zöllen werden die USA weiter ein wichtiger Markt für die heimische Wirtschaft bleiben. Europa sollte sich auf seine Stärke berufen und geeignete Gegenmaßnahmen auf den Tisch bringen.“

Europa sei für die USA ein ebenso wichtiger Absatzmarkt, insbesondere im Bereich digitaler Dienstleistungen. Lovell sieht enormes Potenzial im Binnenmarkt, das durch Bürokratieabbau besser genutzt werden sollte: „Hier schlummert noch ein riesiges Potenzial.“

Diesen Artikel teilen
Newsdesk der Presse Augsburg Medien-Redaktion.