Bei Durchsuchungen in Nordrhein-Westfalen und Bayern haben Ermittler am 21. Oktober sieben Tatverdächtige im Zusammenhang mit illegal erlangten Sprachzertifikaten festgenommen. Die Zertifikate sollen unter anderem bei Einbürgerungs- und Aufenthaltsverfahren eingesetzt worden sein.
Mehr als 30 Objekte durchsucht
Polizeikräfte durchsuchten mehr als 30 Objekte, überwiegend in Nordrhein-Westfalen und im Raum München. Nach Angaben der Ermittler waren mehr als 350 Beamte aus Unterfranken, Mittelfranken, München, Nordrhein-Westfalen, der Bundespolizei und des Bundeskriminalamts Österreich im Einsatz. Auch zwei Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg beteiligten sich an der Aktion.
Die Ermittler stellten umfangreiches Beweismaterial sicher. Außerdem entdeckten sie eine professionell ausgestattete Fälscherwerkstatt mit mehreren hochwertigen Druckern zur Herstellung falscher Dokumente und Ausweise. Bei einem Tatverdächtigen wurde eine scharfe Schusswaffe gefunden. Zudem beschlagnahmten die Einsatzkräfte eine mittlere fünfstellige Bargeldsumme sowie Kleinmengen abgepackter Betäubungsmittel, die mutmaßlich zum Verkauf bereitlagen.
Ermittlungen laufen seit 2025
Die Polizei und die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg ermitteln seit 2025 gegen eine größere Gruppierung. Im Raum stehen der Verdacht der banden- und gewerbsmäßigen Einschleusung von Ausländern, der banden- und gewerbsmäßigen Urkundenfälschung sowie weiterer Delikte. Die Ermittlungen erstrecken sich auf Fälle im gesamten Bundesgebiet und in Österreich.
Zunächst richteten sich die Ermittlungen gegen Nutzer gefälschter Sprachzertifikate. Im weiteren Verlauf ergaben sich Hinweise auf Hersteller und Vertreiber sowie auf die Aufgabenverteilung innerhalb der Gruppierung. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand verschafften die Tatverdächtigen dritten Personen im dreistelligen Bereich illegal erlangte Sprachzertifikate. Die Ermittler gehen von einer mittleren zweistelligen Zahl Tatverdächtiger aus.
Bei Anträgen auf Einbürgerung oder Erteilung einer Niederlassungserlaubnis wurden dem Sachstand nach zunächst vollständig gefälschte Sprachzertifikate vorgelegt. Später stellten Ausländerbehörden vermehrt den Einsatz sogenannter Stellvertreter fest. Dabei nimmt eine andere Person im Namen des Antragstellers an der Prüfung teil, meist mit einem gefälschten Identitätsdokument.
Bereits im Juli gab es Festnahmen
Bereits am 2. Juli waren in Nordrhein-Westfalen, schwerpunktmäßig im Raum Köln, elf Objekte durchsucht worden. Dabei stellten die Einsatzkräfte unter anderem Datenträger, gefälschte Ausweisdokumente, Sprachzertifikate und Einbürgerungsurkunden sicher. Eine 24-jährige Afghanin und ein 35-jähriger Iraker wurden vorläufig festgenommen. Eine Ermittlungsrichterin ordnete wegen des dringenden Tatverdachts der banden- und gewerbsmäßigen Urkundenfälschung sowie weiterer Delikte Untersuchungshaft an. Die Haftbefehle wurden jedoch unter strengen Auflagen außer Vollzug gesetzt.
Die sieben am 21. Oktober festgenommenen Tatverdächtigen sind zwischen 26 und 46 Jahre alt und haben deutsche, syrische, irakische, jordanische oder rumänische Staatsangehörigkeiten. Sie wurden in Aschaffenburg sowie in Nordrhein-Westfalen Ermittlungsrichterinnen vorgeführt. Diese eröffneten die bestehenden Haftbefehle wegen des dringenden Tatverdachts der banden- und gewerbsmäßigen Urkundenfälschung sowie weiterer Delikte. Die Tatverdächtigen befinden sich derzeit in Haft; in einem Fall wurde der Haftbefehl unter strengen Auflagen außer Vollzug gesetzt.
Die Ermittlungen werden fortgeführt. Polizei und Staatsanwaltschaft weisen darauf hin, dass bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt.
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