Strack-Zimmermann stellt Dürr als FDP-Chef infrage

FDP-Präsidiumsmitglied Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist nach dem Wahldebakel der FDP in Baden-Württemberg auf Distanz zum Parteivorsitzenden Christian Dürr gegangen.

Christian Dürr (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

„Christian Dürr hat in schwierigster Lage Verantwortung übernommen. Personaldebatten lassen sich nach solchen Niederlagen nicht einfach wegmoderieren“, sagte die Europapolitikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Die Partei muss offen und ernsthaft darüber sprechen, wie sie sich organisatorisch und personell aufstellt.“ Wichtig sei aber vor allem die inhaltliche Klärung.

„Wir müssen wieder klar zeigen, wofür wir stehen. Die Menschen erwarten Lösungen und sichtbare Politik und nicht nur Kritik an dem, was andere machen.“ Liberalismus bedeute wirtschaftliche Stärke, Innovation, Sicherheit und individuelle Freiheit. „Wir müssen überzeugend erklären, dass genau diese Politik Wohlstand schafft“, forderte die Verteidigungspolitikerin.

Die Frage, ob sie selbst die FDP führen wolle, beantwortete Strack-Zimmermann ausweichend. „Es geht nicht um persönliche Ambitionen. Es geht darum, die FDP gemeinsam wieder stärker zu machen“, sagte sie. „Ich werde meinen Teil dazu beitragen, so wie viele andere auch.“ Eine Rückkehr von Christian Lindner indes kann sich Strack-Zimmermann nicht vorstellen. Lindner habe die FDP viele Jahre geprägt. „Dafür gebührt ihm Respekt“, sagte sie. „Parteien müssen aber nach vorne schauen.“

Der Chef der Jungen Liberalen, Finn Flebbe, mahnte derweil ebenfalls personelle Konsequenzen in der Bundespartei an. „Dieses Ergebnis illustriert einmal mehr: Nach der Bundestagswahl hat es keinen wirklichen Neuanfang gegeben, die FDP ist unterhalb der Wahrnehmbarkeitsschwelle stagniert“, sagte Flebbe dem „Spiegel“. „Zur Hälfte der Amtszeit des FDP-Bundesvorstands fällt das Halbjahreszeugnis deshalb ungenügend aus.“

Flebbe forderte die Parteispitze auf, rasch Lehren zu ziehen: „Jetzt ist die Zeit, sich alte Zöpfe abzuschneiden. Nicht morgen, nicht irgendwann, sondern jetzt.“ Die FDP werde nicht „durch Gewohnheit wieder stark, sondern nur durch klar gezogene Konsequenz und den Mut zur Erneuerung“, sagte der Juli-Vorsitzende.

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