„Keinerlei Abstimmung“ | Augsburgs OB Weber über neue Asylunterkunft in Gersthofen überrascht

Die Entscheidung des Landkreises Augsburg zur Einrichtung einer Großunterkunft für Geflüchtete auf dem Gelände des Güterverkehrszentrums zwischen der Kreisfreien Stadt Augsburg und der kreisangehörigen Stadt Gersthofen (Landkreis Augsburg) hat die Stadt Augsburg überrascht.

OB Weber zeigt sich überrascht | Foto: Czech

„Zu den Plänen gab es bislang keinerlei Abstimmung“, stellt Oberbürgermeisterin Eva Weber klar. Angesichts der Dimension der Unterkunft mit 440 Geflüchteten und der unmittelbaren Nähe zum Wohngebiet im Augsburger Stadtteil Bärenkeller haben die Bürgerinnen und Bürger ein Recht auf Information durch den Landkreis “, so Weber weiter.

Um die Gesamtsituation zu besprechen und eine gemeinsame Vorgehensweise abzustimmen, hat die Oberbürgermeisterin nun zu

einem Spitzengespräch zwischen der Regierungspräsidentin von Schwaben, Barbara Schretter, Landrat Martin Sailer und PolizeipräsidentMartin Wilhelm eingeladen.

Weber sieht vor allem den Landkreis in der Pflicht:

„Wenn der Landkreis aus eigener Entscheidung die Herausforderung des Betriebs einer Unterkunft für 440 Menschen auf sich nimmt, hat er dessen reibungsfreien Ablauf sicherzustellen. Ich sehe den Landkreis als Betreiber in der Verantwortung, die Auswirkungen auf die Umgebung mitzudenken und Konzepte und Maßnahmen, sei es mit der Polizei oder auch einem privaten Security-Dienst, zu entwickeln, die die gefühlte und tatsächliche Sicherheit der Bevölkerung im Bärenkeller gewährleistet.“

Landkreis Augsburg | Bis zu 440 zusätzliche Geflüchtete werden in Gersthofen untergebracht

Dass die Kommunen bei der Flüchtlingsunterbringung nach Jahren der Anstrengungen an der absoluten Belastungsgrenze angekommen sind, hat die Stadt Augsburg bereits in der Vergangenheit auf allen Ebenen immer wieder deutlich formuliert.

„Dass die Unterbringung von Flüchtlingen für uns Kommunen immer schwieriger wird, darauf weisen wir Stadtoberhäupter und Landräte seit Monaten hin“, so Oberbürgermeisterin Eva Weber. „Wir in Augsburg haben unsere Kapazitätsgrenzen erreicht. Das betrifft nicht nur die Frage, wo und welcher Wohnraum zur Verfügung gestellt werden kann, sondern auch die Kinderbetreuung, die Beschulung oder die ärztliche Versorgung.

Uns fehlen inzwischen die personellen Ressourcen, um von Anfang an aktiv Integrationsarbeit leisten zu können. Der bayerische Städtetag, dessen Vorstand ich angehöre, fordert seit Monaten Schutz der EU-

Außengrenzen, eine effektive Steuerung der Zuwanderung auf

europäischer Ebene und eine bessere Kontrolle der Einreise. Gleichzeitig sind schnellere Asylverfahren und schnellere Verfahren zur Feststellung von Bleiberechten und zur Rückführung von Menschen ohne Bleiberecht nötig. Die Bundesregierung lässt die Kommunen bei diesem Thema massiv im Stich.“

Die Stadt Augsburg setzt vor allem auf dezentrale Unterkünfte mit einer maximalen Belegung von 90 Personen, was sich auch im Stadtteil

Bärenkeller bislang bewährt hat. Diese über Jahre gewachsene Verteilung der Unterkünfte auf viele kleinere Standorte im Stadtgebiet erfordert mehr Aufwand, hat aber die Wirkung, dass die kleineren Einheiten

Integration ermöglichen und eine bessere Akzeptanz in der Bevölkerung haben. Angesichts der momentanen angespannten Situation und der vielen Zuweisungen von Geflüchteten sind aber auch in Augsburg Großunterkünfte und die Belegung von Turnhallen, nicht mehr auszuschließen.

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