Stuttgarter Brücke mit THA-Beteiligung ausgezeichnet

Bei der Award-Verleihung (v.l.): Joachim Andelfinger, Sachgebietsleiter Planung Neubau, Abteilung Ingenieurbau Tiefbauamt Stadt Stuttgart, Prof. Dr. Sergej Rempel, Technische Hochschule Augsburg, Bastian Limberg, Stadt Stuttgart, Timo Krämer, Harrer Ingenieure, Bild: Rempel/THA
Presse Augsburg
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Eine Fuß- und Radwegbrücke über den Seeblickweg in Stuttgart ist beim Deutschen Ingenieurbaupreis 2026 ausgezeichnet worden. An der Entwicklung war Sergej Rempel, Professor an der Technischen Hochschule Augsburg (THA) und wissenschaftlicher Leiter des Technologietransferzentrums Aichach, mit seiner Forschung zu nichtmetallischer Bewehrung beteiligt.

Die 73 Meter lange und vier Meter breite Brücke verbindet die Stuttgarter Stadtteile Neugereut und Steinhaldenfeld. Sie erhielt eine von fünf Auszeichnungen des Deutschen Ingenieurbaupreises. Insgesamt waren 41 Projekte eingereicht worden; sieben wurden prämiert – mit dem Staatspreis, dem Nachwuchspreis und fünf weiteren Auszeichnungen.

Mit dem Preis würdigen das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und die Bundesingenieurkammer herausragende Leistungen des Ingenieurbaus. Die Preisverleihung fand in Berlin statt. Rempel sagte dazu: „Die Baubranche ist konservativ, und neue Ideen durchzusetzen kostet enorm viel Zeit und Kraft. Über sechs Jahre haben wir an der Seeblickwegbrücke gearbeitet, jedem Widerstand getrotzt und bis zuletzt an diese zukunftsweisende Bauweise geglaubt. Die harte Arbeit und die schlaflosen Nächte nimmt man als Bauingenieur aus Überzeugung auf sich, und diese bundesweite Auszeichnung bestätigt uns darin, dass sich all die Mühen gelohnt haben. Ich bin froh, ein Teil dieses Teams gewesen zu sein.“

Holz und Carbonbeton kombiniert

Die Brücke ist die weltweit erste weitgespannte Konstruktion mit einem Überbau in Holz-Beton-Verbundkonstruktion und einer Fahrbahnplatte mit nichtmetallischer Bewehrung aus Carbon. Die Holzträger nehmen vor allem Zugkräfte auf, während die Carbonbetonplatte unter anderem Druckkräfte übernimmt und die Holzkonstruktion vor Witterungseinflüssen schützt.

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Weil Carbonbewehrung nicht korrodiert, können zusätzliche Schutzschichten reduziert und die Voraussetzungen für eine lange Nutzungsdauer verbessert werden. Bei dem Bauwerk kamen außerdem erstmals stabförmige Carbonschubbügel zum Einsatz. Sie übertragen Kräfte zwischen den unterschiedlichen Bauteilen. Experimentelle Untersuchungen bestätigten ihre hohe Tragfähigkeit und zeigten weiteres Potenzial für eine effizientere Bemessung.

Forschung aus Augsburg und Aichach

Die THA brachte ihre wissenschaftliche Expertise zur nichtmetallischen Bewehrung in das Projekt ein. Am Technologietransferzentrum Aichach forscht Rempel mit seinem Team an Materialien und Bauverfahren, die den Ressourcenverbrauch im Bauwesen verringern und die Dauerhaftigkeit von Bauwerken verbessern sollen.

Die Brücke wurde auf Grundlage der neu eingeführten Richtlinie des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton (DAfStb) für nichtmetallische Bewehrung geplant und errichtet. Für einzelne innovative Bauweisen und Materialien waren zusätzliche bauaufsichtliche Genehmigungen erforderlich. Bauherr und Projektleiter war das Tiefbauamt der Landeshauptstadt Stuttgart, die Planung verantwortete Harrer Ingenieure.

Weitere Auszeichnung für das Bauwerk

Der Deutsche Ingenieurbaupreis ist nicht die erste Würdigung des Bauwerks. Die Brücke gehört zum Projektnetz der Internationalen Bauausstellung 2027 in der Stadtregion Stuttgart. Bereits 2025 erhielt sie bei den IABSE Awards der Internationalen Vereinigung für Brücken- und Hochbau eine Auszeichnung in der Kategorie „Innovation in Construction“.

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