VARTA streicht Batterieproduktion in Nördlingen – 350 Arbeitsplätze betroffen

Presse Augsburg
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Die angekündigte Schließung von Teilen der Batterieproduktion der VARTA AG in Nördlingen sorgt in Schwaben für große Sorge. Rund 350 Beschäftigte verlieren durch das Aus der Mikrobatterie-Sparte ihre Arbeitsplätze. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bezeichnete die Entwicklung als schwerwiegenden Einschnitt für den Industriestandort.

Aiwanger spricht von „hartem Schlag“ für Schwaben

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums seien zuletzt verschiedene Bemühungen unternommen worden, um den Standort in seiner bisherigen Größe zu erhalten. Unter anderem habe Bayern ein internationales Batterieprojekt unterstützt. Dennoch blieb die Suche nach einer dauerhaften Perspektive offenbar erfolglos.

„Die Schließung der Mikrobatterie-Sparte der VARTA AG in Nördlingen ist ein harter Schlag für Schwaben und ein weiteres Alarmzeichen für den Industriestandort Deutschland. Wir haben alles versucht, um den Standort in seiner bisherigen Größe zu sichern, etwa durch die Unterstützung eines großen internationalen Batterieprojekts. Jetzt müssen wir sehen, wie es gemeinsam weitergehen kann. Menschen, die ihre Arbeitsplätze verlieren, müssen wir schnellstmöglich eine neue Perspektive geben. Wir sind mit VARTA in Kontakt, werden nicht aufgeben und stehen weiterhin bereit, neue Innovationen und Perspektiven anzuschieben.“

Die Unternehmensführung hatte die Belegschaft zuvor im Rahmen einer Betriebsversammlung über die Schließung des betroffenen Bereichs informiert. Hintergrund seien ausbleibende Neuaufträge eines bisherigen Großkunden für Mikrobatterien. 

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„Hier wurden über Jahre falsche Entscheidungen getroffen. Die Verantwortung dafür liegt beim Management – nicht bei der Belegschaft“, erklärt Juliane Deak zuständige Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Augsburg.

Kritik an EU und Bundespolitik

Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland nutzte Aiwanger die Gelegenheit auch für deutliche Kritik an der Industrie- und Klimapolitik von Bund und Europäischer Union. Besonders Forderungen nach einem „Klimanotstand“ wies der Minister scharf zurück.

„Die Entwicklung bei VARTA zeigt doch glasklar: Wir brauchen keinen Klimanotstand und damit noch mehr CO2-Vorgaben, die unsere Wirtschaft ruinieren. Dieser übertriebene Green Deal hat uns dahin geführt, wo wir heute sind. Wir verlagern Arbeitsplätze nach Asien und retten dadurch die Welt nicht. Während andere Länder ihre Industrie stärken, werden unsere Betriebe mit Bürokratie, hohen Energiepreisen und ideologischen Vorgaben an die Wand gefahren. Vor allem die EU muss endlich aufhören, die eigene Wirtschaft kaputtzuregulieren und den Menschen permanent Angst einzureden. Wir dürfen uns nicht immer stärker von Asien abhängig machen, gerade auch im Bereich Batterie. Deshalb müssen wir alles daransetzen, industrielle Wertschöpfung und technologische Kompetenz im eigenen Land zu halten. Wir brauchen Zuversicht statt Panikmache, Investitionsanreize statt Verbote und endlich wieder eine Politik, die Leistung und Produktion in Deutschland möglich macht.“

Hoffnung durch Porsche-Joint-Venture

Positiv bewertet das Wirtschaftsministerium hingegen die Fortsetzung des Gemeinschaftsprojekts von VARTA mit der Porsche AG im Bereich der Rundzellenfertigung. Dieses könne weiterhin wichtige Impulse für den Standort und die Batterietechnologie in Bayern liefern.

 

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Trotz des erwarteten Anstiegs der Arbeitslosigkeit in Nördlingen verweist das Ministerium darauf, dass die Arbeitslosenquote im Landkreis Donau-Ries mit 2,5 Prozent weiterhin deutlich unter dem bayerischen Durchschnitt von 4,1 Prozent liege. Aiwanger zeigte sich optimistisch, dass für die betroffenen Mitarbeiter sozialverträgliche Lösungen gefunden werden können.

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Newsdesk der Presse Augsburg Medien-Redaktion.