Zwischen Hoffnung und Realität: Der FC Augsburg im Rückblick und Ausblick

Dominik Mesch
7 Minuten Lesezeit
Die sportliche Führung des FCA musste gehen: Manager Jurendic und Trainer Thorup | Foto: Sebastian Pfister

Das Jahr 2024 geht zu Ende, ein Blick in den Rückspiegel lohnt sich. Zwölf Monate mit vielen Fragezeichen liegt hinter dem FC Augsburg.

Das Positive zuerst: Der FC Augsburg hat in diesem Jahr vorzeitig den Klassenerhalt in der Bundesliga feiern können, wurde mit 39 Punkten Elfter: Es wäre aber viel mehr drin gewesen. Wohl selten zuvor hätten weniger Zähler für die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb genügt, als in der Saison 2023/24. Heidenheim ist mit 3 Punkten mehr (42) in der UEFA Conference League und sorgt dort für Furore. Augsburg war lange im Rennen um die internationalen Plätze dabei, verspielte aber alle guten Karten mit fünf Niederlagen in den letzten fünf Saisonspielen. Der 11. Platz war aber das drittbeste Ergebnis in der Bundesligahistorie der Fuggerstädter.

Die laufende Saison: Enttäuschungen statt „sexy Fußball“

Mit dem Ziel in die Saison gestartet, die Fans mit „sexy Fußball“ zu begeistern, wurde der FCA über weite Strecken der laufenden Runde zu einer Enttäuschung für seinen Anhang. Höhepunkte, wie den 2:1-Heimsieg gegen Dortmund oder den Punktgewinn in Frankfurt, gab es wenige.

Für den FCA gab es zahlreiche Bauchlandungen | Foto: Sebastian Pfister

Die Augsburger haben aktuell fast doppelt so viele Treffer kassiert, wie selbst erzielt (Torverhältnis: 17:32), nur Kiel und Bochum auf den Abstiegsrängen haben eine schwächere Tordifferenz (-15). 16 Punkte nach 15 absolvierten Partien weisen eine klare Richtung aus und die heißt wieder Abstiegskampf statt europäischer Nächte. Besonders das Auftreten der Mannschaft in den letzten Wochen, in einer Mischung aus Unsicherheit, Passivität und unberechtigter Überheblichkeit geben Anlass zur Sorge. Der Abgang von Demirovic spülte zwar dringend benötigtes Geld in die Kassen, konnte aber weder auf dem Platz noch in der Kabine kompensiert werden.

- Anzeige -

Besser lief es im DFB-Pokal: Der FC Augsburg steht nach Siegen bei Viktoria Berlin (4:1), gegen Schalke 04 (3:0) und in Karlsruhe (7:6 n.E.) erstmals seit der Saison 2018/19 wieder im Viertelfinale. Am 4. Februar wartet mit dem Schwabenderby in Stuttgart aber ein hartes Brett auf die Zirbelnusskicker. Gerade das Spiel beim Zweitligisten KSC offenbarte aber auch in diesem Wettbewerb die Schwächen der Bayerischen-Schwaben. Offensiv zu harm- und ideenlos, in der Abwehrarbeit oftmals zu nachlässig.

Das muss sich ändern

Die von Marinko Jurendic verpflichteten Spieler scheinen echte Qualität zu haben. Mit Keven Schlotterbeck, Alexis Claude-Maurice und Frank Onyeka hat man gute Kicker dazubekommen, auch Torhüter Labrovic zeigte meist ordentliche Leistungen. Als Mannschaft funktioniert der FCA bisher allerdings nur bedingt.

Claude-Maurice war ein guter Griff | Foto: Sebastian Pfister

Exemplarisch, die rechte Abwehrseite, sie hat im Defensivverhalten ihre Probleme, scheint gerade bei schnellen Gegenangriffen zu anfällig. Marius Wolf hat seine Qualitäten eher im Spiel nach vorne. Die Idee der Fünfer-Abwehrkette sollte für Stabilität sorgen -was sie zwischenzeitlich auch tat- , ist aber gerade bei konternden Teams so ein Risiko.

Das Umschaltspiel wird oft zu langsam angeworfen. Bei eigenem Ballbesitz ist man oft nicht imstande echten Druck zu entfachen. Es fehlt an Abschlussfreude, Kreativität und echtem Zusammenspiel. Auch wenn Thorup größtenteils eine ähnliche Startelf auf den Rasen schickt, eingespielt wirkt die Truppe nicht.

Der zweite Anzug hat nicht immer das Niveau, um von der Bank eine „zweite Welle“ zu starten. Von so manchem erfahreneren Spieler muss mehr kommen.  Die jungen Spieler wie Kömür, Koudossou und auch Kabadayi sind Hoffnungsträger für die nächsten Jahre. Sie bringen zumeist die Leistung, die man erwarten kann.

- Advertisement -

Alles Einstellungssache?

Erwarten muss man eine andere Einstellung der gesamten Mannschaft. Gerade die Auftaktviertelstunde verpennt der FCA immer wieder (bereits 9 Gegentore in den ersten 15 Minuten), dies trägt zur Verunsicherung der Truppe bei. Geht man selbst in den Anfangsminuten in Führung, wie etwa in Kiel, versucht man diese möglichst zu verteidigen, statt sie auszubauen. Mehr Mut und Zug zum Tor wären ebenso dringend erforderlich, wie eine durchgängige Konzentration. Auf beiden Seiten des Feldes fehlt es in den letzten Wochen.

Schwacher Punkteschnitt

Thorup ist immer wieder enttäuscht. Trainingseindrücke können zu selten auf den Platz gebracht werden | Foto: Sebastian Pfister

Dies sind Aufgaben von Cheftrainer Jess Thorup. Der sympathische Däne startete mit dem FCA nach der Amtsübernahme im Herbst 2023 durch, konnte diesen Trend – wie oben beschrieben – aber nicht halten. Wie die Mannschaft, hat auch der Coach seine Qualitäten schon in Schwaben und bei den Clubs zuvor bewiesen, diese sollte nun aber dringend wieder zu Erfolgen führen. Seit Thorup die Verantwortung trägt, konnte der FC Augsburg in 42 Partien nur 1,19 Punkte im Schnitt sammeln, in der aktuellen Saison sind es gar nur 1,07. Hochgerechnet könnte dies bis zum Saisonende zittern um den Klassenerhalt bedeuten. Dies gilt es jetzt zu verhindern.

Was steht an?

Bis zum ersten Bundesligaspiel 2025 am 12. Januar gegen den VfB Stuttgart steht reichlich Arbeit vor dem FC Augsburg.

Im Training ging der FCA engagiert zur Sache | Foto: Wolfgang Czech

Bis zum 03. Januar können die sportlich Verantwortlichen sich Gedanken machen, wie der Kader noch sinnvoll verändert werden kann. Der Abschied des Schweizer Nationalspielers Ruben Vargas scheint wahrscheinlich. Der Vertrag des Offensivspielers endet im Sommer, jetzt ist die letzte Gelegenheit noch eine (kleine) Ablösesummer für den Dribbler zu erzielen. Als möglicher Abnehmer gilt unter anderem Borussia Möchengladbach. Auch die ein oder andere Ergänzung scheint möglich, um Schwachstellen im Aufgebot zu schließen.  Entsprechende Überlegungen werden nun zwischen den Jahren bei Jurendic & Co. durchgespielt

Bereits am 2. Januar geht es für das Team wieder mit den Trainingseinheiten los. Die zehn Tage bis zum Stuttgart-Spiel sollen für dringend benötigte Veränderungen in der Einstellung und im taktischen Verhalten genützt werden. In einem Testspiel bei der TSG Hoffenheim soll das Erlernte erstmals in die Tat umgesetzt werden.

Aus schwäbischer Sicht bleibt zu hoffen, dass kurze Vorbereitung genügt, um wieder in die Spur zu kommen. Es müssen schnell Erfolgserlebnisse gesammelt werden, um den erneuten Klassenerhalt nicht in ernsthafte Gefahr zu bringen.

 

Diesen Artikel teilen
Dominik Mesch ist freier Redakteur und Mitglied der Presse Augsburg-Redaktion.