Eichenpflock datiert frühe Stadtbefestigung in Nördlingen

Presse Augsburg
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Ein Eichenpflock aus einer Baugrube in der Baldinger Straße liefert neue Hinweise zur frühen Stadtgeschichte Nördlingens. Die dendrochronologische Untersuchung datiert das Holz auf das Jahr 1246.

Fund bei Bauarbeiten in der Baldinger Straße

Bei Bauarbeiten vor dem Gebäude Baldinger Straße 19 wurden rund 80 bis 90 Zentimeter breite Mauerreste entdeckt. Aufgrund ihrer Lage, Beschaffenheit und Dimensionierung besteht der Verdacht, dass sie Teil der staufischen Stadtbefestigung oder einer vorgelagerten Befestigungsanlage waren. Die Mauer weist eine ähnliche Stärke auf wie vermutete Reste der staufischen Hauptmauer im Bereich „Beim Eichbrunnen“.

Entscheidend für die zeitliche Einordnung war ein unmittelbar im Bereich des Mauerbefunds erhaltener Eichenholzpflock. Er lag in der sogenannten Egerschwemmschicht. Der dortige Feuchtboden bot über Jahrhunderte besonders gute Erhaltungsbedingungen für organisches Material.

Bei der Dendrochronologie werden die Jahresringe eines Holzes analysiert und mit bekannten Jahrringfolgen verglichen. Für den Nördlinger Fund ergab sich das Jahr 1246. Damit liegt nach Angaben der Stadt erstmals ein naturwissenschaftlich datierter Befund vor, der neue Erkenntnisse zur Entstehungszeit der frühen Nördlinger Stadtbefestigung ermöglicht.

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Befestigung vermutlich um 1250 errichtet

Der Mauerbefund könnte demnach um 1250 errichtet worden sein oder zu diesem Zeitpunkt bereits bestanden haben. Aus dem Fund allein lässt sich allerdings nicht ableiten, ob der Bau mit dem großen Stadtbrand von 1238 in Zusammenhang stand.

Oberbürgermeister David Wittner ordnet den Fund in eine entscheidende Entwicklungsphase Nördlingens ein: „Es ist eine Zeit, in der Nördlingen zur bedeutenden Stadt heranwächst.“ 1215 brachte der Staufer Friedrich II. Nördlingen aus der Oberhoheit des Bischofs von Regensburg wieder an das Reich zurück. In der Folge entwickelte sich die Stadt von einer bischöflich-regensburgischen Stadt zunächst zu einer königlich-staufischen Territorialstadt und schließlich zur Reichsstadt. Nördlingen wurde für die Staufer zu einem wichtigen Stützpunkt ihrer Reichspolitik.

Auch der Handel gewann damals an Bedeutung. Die Nördlinger Pfingstmesse wurde 1219 erstmals urkundlich erwähnt. In einem Privileg Friedrichs II. wurde Nürnberger Kaufleuten gestattet, auf den Messen in Donauwörth und Nördlingen mit Nürnberger Münzen zu bezahlen. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich die Nördlinger Pfingstmesse zu einer der bedeutendsten Fernhandelsmessen Oberdeutschlands.

Ältere Befestigung später überbaut

Die frühe Befestigung blieb nicht dauerhaft die äußere Grenze der Stadt. Nördlingen wuchs über den staufischen Mauerring hinaus. Vor der alten Stadtbefestigung entstanden neue Siedlungsbereiche. 1327 ordnete Ludwig der Bayer schließlich den Bau eines deutlich größeren Mauerrings zum Schutz der gewachsenen Vorstädte an. Dieser ab dem 14. Jahrhundert errichtete und später mehrfach verstärkte Mauerring prägt die Nördlinger Altstadt bis heute.

Die ältere staufische Befestigung verlor dadurch ihre Funktion. Teile wurden abgetragen oder geschleift, der zugehörige Graben verfüllt. Erhaltene Überreste dieser ersten Stadtbefestigung sind deshalb von besonderer Bedeutung.

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Da die Nördlinger Altstadt als Bodendenkmal geschützt ist, werden entsprechende Baumaßnahmen archäologisch begleitet. Im weiteren Verlauf der Arbeiten könnten daher noch weitere Funde und Befunde zutage treten.

2027 soll die heute noch erhaltene und rundum begehbare Nördlinger Stadtmauer von 1327 im Mittelpunkt eines Jubiläumsprogramms stehen. Die Stadt feiert dann 700 Jahre Stadtmauer und 600 Jahre St. Georgskirche.

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