Ein neues Kunstwerk für den Augsburger Dom: Das Ulrichsfenster von Dr. Celia Mendoza

Presse Augsburg
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Der Ort für das Ulrichsfenster liegt links neben dem Salomofenster im Augsburger Dom (Foto Nicolas Schnall_pba)

Der Augsburger Dom ist berühmt für seine beeindruckenden Glasmalereien, die verschiedene Epochen der Kunstgeschichte widerspiegeln. Von den romanischen Prophetenfenstern aus dem 12. Jahrhundert über gotische Meisterwerke bis hin zu den modernen Arbeiten von Johannes Schreiter (2010) im Westchor faszinieren diese Kunstwerke Gläubige, Touristen und Kunstinteressierte gleichermaßen. Nun wird die Sammlung um ein weiteres bedeutendes Werk erweitert: das Ulrichsfenster, geschaffen von der Fürstenfeldbrucker Künstlerin Dr. Celia Mendoza. Der Entwurf ging als Sieger aus einem Wettbewerb hervor, den Bischof Bertram anlässlich des Ulrichsjubiläums 2023/24 initiierte.

Der Wettbewerb und seine Anforderungen

Acht gezielt eingeladene Künstlerinnen waren gefordert, „in einer zeitgenössischen Stilistik Ereignisse aus dem Leben des heiligen Ulrich herauszustellen und ein Werk des 21. Jahrhunderts zu schaffen, das sich in seiner künstlerischen Qualität in die Reihe der vorhandenen Glaskunst einfügt“, wie Diözesankonservator Dr. Michael Schmid erklärt.

Neben den bekannten Darstellungen der Lechfeldschlacht und des Fischwunders sollten auch weniger verbreitete biografische Momente des Heiligen Ulrich bildlich erfasst werden. Zu diesen zählen seine Verbindung zur Sankt Galler Märtyrerin Wiborada, der Besuch beim gelähmten Einsiedler Ruozo in Kempten, die Armenspeisungen in Augsburg und seine Vermittlung im Familienkonflikt zwischen König Otto I. und dessen Sohn Luidolf, die 954 zum Frieden von Tussa führte.

Die Entscheidung für Celia Mendozas Entwurf

Dr. Celia Mendoza konnte die Jury mit ihrer modernen, zeitgenössischen Gestaltung überzeugen. „Sie wurde für eine moderne zeitgenössische Gestalt gewürdigt, in die sie die gesamten thematischen Vorlagen einbeziehen konnte“, so Dr. Michael Schmid. Die gewählten Symbole lassen sich leicht entschlüsseln: Pfeile und Kronen stehen für die Auseinandersetzungen in Tussa und auf dem Lechfeld, geometrische Formen symbolisieren die Klause der Wiborada und das Stelzenhaus des Ruozo, während Almosenschalen auf die Armenspeisungen in Augsburg hinweisen.

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Ein heller Strahl im Mittelteil des Fensters repräsentiert die Verbindung zum Himmel, und das Ulrichskreuz verweist auf das segensreiche Wirken des Heiligen Ulrich.

Standort und Bedeutung des neuen Fensters

Das neue Kunstwerk wird das erste Fenster von Westen im südlichen Seitenschiff ersetzen, das derzeit eine schlichte Sechseckverglasung aus der Nachkriegszeit aufweist. Diese Art der Verglasung dominiert die Fenster des Doms, die keine Glasmalereien enthalten. Domkapitular Armin Zürn betont: „Das neue Ulrichsfenster wird dem hellen Charakter des südlichen Schiffs keinerlei Abbruch tun und dennoch ein transzendentes Funkeln in Referenz zum benachbarten Salomofenster im Querhaus bieten.“

Zeitplan und Begleitveranstaltungen

Das Ulrichsfenster wird derzeit in den Derix Glasstudios in Taunusstein gefertigt. Der Einbau soll bis Christi Himmelfahrt (29. Mai) abgeschlossen sein. Die feierliche Vorstellung und Segnung durch Bischof Dr. Bertram Meier erfolgt am 21. Juni um 18:00 Uhr. Am darauffolgenden Sonntag, dem 22. Juni, findet um 17:00 Uhr ein Benefizkonzert mit den Augsburger Domsingknaben statt.

Zusätzlich gibt es vom 3. bis 26. Mai eine Studio-Ausstellung mit den eingereichten Wettbewerbsentwürfen in der Lukaskapelle nahe der Domtheke.

Finanzierung und Jury

Die Kosten des Projekts belaufen sich auf rund 200.000 Euro, die durch den Bischöflichen Stuhl sowie kunstfördernde Stiftungen und Privatpersonen gedeckt werden.

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Die Jury bestand aus Sr. Dr. Theresia Wittemann OSF (Bischofshaus), Domkapitular Armin Zürn (Summus Custos), Diözesankonservator Dr. Michael Schmid (Leiter der Stabsstelle Kirchliches Bauwesen und Kunst), Dr. Gudrun Szczepanek (Schwäbische Galerie Oberschönenfeld), Dr. Daniela Kaschke (Referentin im diözesanen Exerzitienhaus Leitershofen), Jürgen Enninger (Kulturreferent der Stadt Augsburg) und Christopher Kochs (bildender Künstler).

Foto: privat

Die Künstlerin Dr. Celia Mendoza

Dr. Celia Mendoza ist seit 2006 als freiberufliche Künstlerin tätig. Nach ihrem Diplom an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Prof. Jerry Zeniuk und einer Spezialisierung auf Glasarbeiten bei Thierry Boissel, begann sie ihre Karriere als Künstlerin. Zuvor hatte sie ein Magister-Studium in Politologie, Philosophie, Ethnologie und Romanistik absolviert, das sie mit einer Promotion (Dr. phil.) abschloss.

Zu ihren jüngeren Werken gehören Glaskunstprojekte in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Pöttmes (2023) sowie in der Krankenhauskapelle in Weilheim (2019).

Ausstellung „Color Loops vol. I“

Vom 16. März bis 25. Mai zeigt das diözesane Exerzitienhaus St. Paulus in Leitershofen Farbfeldmalereien der Künstlerin unter dem Titel „Color Loops vol. I“. Mendoza wird zur Eröffnung am 16. März um 12:00 Uhr persönlich in ihre Werke einführen. Weitere Führungen mit der Künstlerin sind am 30. März und 25. Mai jeweils um 15:00 Uhr geplant. Weitere Informationen sind auf www.exerzitienhaus.org zu finden.

 

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Newsdesk der Presse Augsburg Medien-Redaktion.