Zukunftsvision 2030: Markus Baumann über AURIVOLTs Ziel von 20.000 Speichersystemen

Markus Baumann von AURIVOLT
Presse Augsburg
10 Minuten Lesezeit

Wer Markus Baumann fragt, wie er sich das deutsche Stromnetz im Jahr 2030 vorstellt, bekommt keine vagen Antworten. Der Gründer und Geschäftsführer von AURIVOLT spricht von konkreten Zahlen, einem klaren Plan und einer Überzeugung, die sich durch drei Jahrzehnte Unternehmertum entwickelt hat: 20.000 dezentrale Batteriespeicher, flächendeckend über Deutschland verteilt, intelligent vernetzt und aktiv in die Stabilisierung des Stromnetzes eingebunden. Das ist keine Wunschvorstellung. Das ist das erklärte Unternehmensziel des in Bad Oeynhausen ansässigen Energietechnikunternehmens, und Baumann meint es ernst.

Vom Kläranlagen-Pionier zum Energiespeicher-Unternehmer

Baumann selbst ist kein Neuling, wenn es um disruptive Technologien und skalierbare Infrastruktur geht. Bevor er AURIVOLT 2023 gründete, hatte er mit der ATB Water GmbH bereits über mehr als zwei Jahrzehnte gezeigt, was es bedeutet, ein Nischenprodukt wirklich zur Marktreife zu bringen. Sein AQUAMAX-Kleinkläranlagensystem verkaufte sich über 100.000 Mal in Deutschland, das Unternehmen wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem GreenTec Award in der Kategorie Wasser und Abwasser, Europas damals größtem Umwelt- und Wirtschaftspreis. Wer glaubt, das sei eine andere Welt als Batteriespeicher, unterschätzt, was Baumann aus dieser Zeit mitgenommen hat.

Denn das eigentliche Lehrstück dieser Karriere ist kein Produkt, sondern ein Prinzip: Man nehme eine funktionierende technische Lösung, standardisiere sie konsequent, und erschließe dann systematisch Markt für Markt. Nicht mit einem großen Wurf, sondern mit wiederholbaren Prozessen, die skalieren. Genau das überträgt er jetzt auf die Energiespeicherbranche, und wer sich die Struktur des AURIVOLT-Modells anschaut, erkennt diese DNA sofort. Modulare Einheiten, klare Standortlogik, replizierbare Installation. Baumann erfindet das Rad nicht neu, er rollt es schneller.

Das Schwarmprinzip: Viele kleine Einheiten, eine große Wirkung

Der Kerngedanke hinter dem AURIVOLT-Modell ist das, was Baumann als „Schwarmspeicher” bezeichnet. Statt weniger Großspeicher an zentralen Standorten setzt das Unternehmen auf viele kleine, modulare Einheiten, die verteilt über das Verteilnetz platziert werden, genau dort, wo die Netzbetreiber tatsächlich Flexibilität brauchen. Jede Einheit für sich ist überschaubar, 125 Kilowatt Leistung, ein paar Quadratmeter Stellfläche. Aber zusammen, vernetzt und intelligent gesteuert, entsteht etwas, das in seiner Gesamtheit weit mehr leistet als die Summe seiner Teile.

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Der Vergleich mit einem Fischschwarm drängt sich auf: Kein einzelner Fisch bestimmt die Richtung, aber gemeinsam reagieren tausende Tiere blitzschnell auf Veränderungen in ihrer Umgebung, ohne dass eine zentrale Steuerungsinstanz eingreifen müsste. Genauso soll das AURIVOLT-Netzwerk auf Schwankungen im Stromnetz reagieren, Überschüsse aufnehmen, zwischenspeichern und sie zu Spitzenlastzeiten wieder einspeisen. Was sich simpel anhört, ist technisch anspruchsvoll und organisatorisch komplex. Denn die Speicher müssen nicht nur funktionieren, sie müssen koordiniert funktionieren, in Echtzeit, an hunderten von Standorten gleichzeitig. Das ist der eigentliche Kern der Herausforderung, und gleichzeitig der eigentliche Wettbewerbsvorteil, wenn es gelingt.

Warum das Stromnetz dringend Flexibilität braucht

Das deutsche Stromnetz wurde jahrzehntelang für eine Welt gebaut, in der große Kraftwerke konstant und planbar Strom liefern. Diese Welt existiert so nicht mehr. Photovoltaik und Wind produzieren dann, wenn die Sonne scheint und der Wind weht, nicht dann, wenn der Strom gebraucht wird. An sonnigen Frühlingstagen pumpen Solaranlagen mittags so viel Energie ins Netz, dass die Preise an der Strombörse zeitweise ins Negative rutschen. Wenige Stunden später, wenn die Sonne weg ist und die Spitzenlast einsetzt, sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Die Folge sind extreme Preisschwankungen, wachsender Druck auf Netzbetreiber und ein strukturelles Ungleichgewicht, das sich mit jedem neuen Windpark und jeder neuen Solaranlage weiter verschärft.

Netzstabilität ist damit zur zentralen Frage der Energiewende geworden, noch vor der viel diskutierten Frage des Netzausbaus. Baumann sieht sich in diesem Kontext nicht als Idealist, sondern als Pragmatiker. Zentralisierte Strukturen seien zu langsam, zu komplex und zu teuer, lautet seine Einschätzung. Dezentrale Speicher direkt im Verteilnetz hingegen könnten dort eingreifen, wo die Probleme tatsächlich entstehen, nicht erst auf der Ebene der großen Übertragungsnetze. Das ist keine politische Position, sondern eine technische Analyse. Und sie deckt sich mit dem, was Regulierer und Netzbetreiber seit Jahren fordern.

Arbitrage statt Subventionen: Das Erlösmodell im Blick

Die Erlöse der AURIVOLT-Speicher kommen nicht aus Förderungen oder politischen Subventionsprogrammen. Das ist ein wichtiger Punkt, denn er macht das Modell unabhängiger von Legislaturperioden und Haushaltsbeschlüssen. Stattdessen setzt AURIVOLT auf den Arbitrage-Handel am Strommarkt: Strom wird günstig eingekauft, wenn das Netz mit erneuerbarer Energie überschwemmt ist, und zu höheren Preisen wieder verkauft, wenn Knappheit entsteht. Das ist im Prinzip dasselbe, was Rohstoffhändler seit Jahrhunderten machen, nur angewandt auf Elektronen statt auf Weizen oder Öl.

Wie stabil dieses Erlösmodell tatsächlich ist, hängt natürlich stark von der Volatilität der Strompreise ab. Und genau hier liegt ein struktureller Rückenwind für das Konzept: Marktdaten der vergangenen Jahre zeigen, dass die Preisspreizung an der Strombörse nicht ab-, sondern zunimmt. Je mehr erneuerbare Energien ins Netz kommen, desto häufiger und extremer werden die Ausschläge in beide Richtungen. Was für Verbraucher und Netzbetreiber ein Problem darstellt, ist für flexible Speichersysteme eine Einnahmequelle. AURIVOLT wettet also nicht gegen den Markt, sondern darauf, dass er sich so weiterentwickelt, wie er es in den letzten Jahren getan hat.

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Mehrgleisige Finanzierungsstrategie für ambitioniertes Wachstum

Die Frage, die bei einer so ambitionierten Wachstumsstrategie immer mitschwingt, lautet: Wie soll das finanziert werden? Denn 20.000 Speichersysteme bis 2030 bedeuten im Schnitt mehrere tausend Neuinstallationen pro Jahr, mit allem, was dazu gehört: Standortsuche, Genehmigungsverfahren, Installation, Netzanbindung, laufender Betrieb. Das ist kein kleines Projekt, das ist ein Infrastrukturprogramm.

AURIVOLT verfolgt dabei bewusst mehrere Finanzierungswege gleichzeitig. Über das sogenannte Speicher-Direktinvestment können Privatpersonen und Gewerbetreibende direkt in einzelne Batteriespeicher investieren und dabei vom steuerlichen Investitionsabzugsbetrag profitieren, einem Instrument, das gerade für mittelständische Unternehmer interessant ist, weil es den effektiven Kapitaleinsatz erheblich reduziert. Auf der anderen Seite bietet AURIVOLT für institutionelle Investoren und Family Offices die Strukturierung von Anleihen, Zweckgesellschaften oder spezialisierten Betreibergesellschaften an. Das ist strategisch klug, weil man sich so nicht auf eine einzige Investorengruppe verlässt und gleichzeitig unterschiedliche Risikoappetite bedienen kann. Wer konservativ investieren möchte, findet hier ein anderes Angebot als jemand, der aktiv an der Wertentwicklung partizipieren will.

Ist das Ziel realistisch?

20.000 Speicher bis 2030. Diese Zahl verdient es, ernst genommen zu werden, anstatt sie reflexartig als ambitioniert abzutun. Der BVES, der Bundesverband Energiespeicher, geht in seinen Marktprognosen davon aus, dass der Bedarf an stationären Speicherkapazitäten in Deutschland in den kommenden Jahren massiv steigen wird. Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet schneller voran als der Netzausbau, und die regulatorischen Anforderungen an Netzflexibilität werden nicht sinken, sondern steigen. Dazu kommt, dass die Investitionskosten für Batteriespeichersysteme weiter fallen, was die wirtschaftliche Grundlage für das AURIVOLT-Modell tendenziell verbessert.

Ob AURIVOLT dieses Ziel allein erreicht oder ob es mit Partnern, Betreibergesellschaften und einem wachsenden Netzwerk aus Flächeneigentümern und Netzbetreibern gemeinsam geschieht, ist letztlich eine Frage der Skalierungsgeschwindigkeit. Baumann selbst spricht von einem langen Atem. Keine Zahl als Selbstzweck, sondern als strategischer Orientierungspunkt für ein Unternehmen, das Infrastruktur bauen will und nicht nur Produkte verkaufen.

Rendite und Klimawirkung als zwei Seiten einer Medaille

Was auffällt, wenn man sich das Unternehmensprofil genauer ansieht, ist die bewusste Verknüpfung von ökologischem Anspruch und wirtschaftlichem Kalkül. AURIVOLT vermarktet seine Speicher nicht als grünes Gewissen und verzichtet auf die moralisch aufgeladene Sprache, die in der Nachhaltigkeitsbranche oft dominiert. Stattdessen steht die Rendite im Vordergrund, und der Beitrag zur Energiewende kommt als Konsequenz, nicht als Verkaufsargument. Das mag für manche nach Umweg klingen. Es ist aber möglicherweise genau die richtige Sprache, um die privaten Kapitalmengen zu mobilisieren, die für den Umbau der Energieinfrastruktur tatsächlich notwendig sind. Staatliche Programme allein werden das nicht stemmen können, das zeigt die Erfahrung der letzten Jahre überdeutlich. Privates Kapital braucht wirtschaftliche Anreize, keine Appelle.

Infrastruktur statt Einzelprodukt

Markus Baumann hat schon einmal bewiesen, dass er ein Nischenthema groß machen kann, dass er Technologie nicht nur entwickelt, sondern auch ausrollt, skaliert und am Ende zu einem funktionierenden Markt formt. Die Frage ist, ob der Batteriespeichermarkt eine ähnliche Kurve erlaubt wie einst die Kleinkläranlagen. Vieles spricht dafür: Die Kosten fallen, die Nachfrage wächst, die regulatorischen Rahmenbedingungen entwickeln sich in die richtige Richtung, und die politische Debatte über Energiesicherheit hat dem Thema zusätzlichen Rückenwind gegeben. Ob 20.000 bis 2030 die finale Zahl ist oder nur eine Etappe auf einem noch längeren Weg, ist offen. Als strategisches Signal aber ist sie eindeutig. AURIVOLT ist nicht angetreten, um einen Speicher zu verkaufen. Hier entsteht Infrastruktur.

 

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Newsdesk der Presse Augsburg Medien-Redaktion.