„Bavaria ruft!“: Memmingen will mehr Frauen in die Kommunalpolitik bringen

Presse Augsburg
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Aktive Stadträtinnen standen gemeinsam mit (1. Reihe v.l.) Gleichstellungsbeauftragter Claudia Fuchs, Bürgermeisterin Margareta Böckh, Lindaus Oberbürgermeisterin Dr. Claudia Alfons und Oberbürgermeister Jan Rothenbacher Rede und Antwort. Dahinter die Stadträtinnen (v.l.) Natalie Riedmiller, Dr. Monika Schunk, Sabine Rogg, dahinter Stadt- und Bezirksrätin Petra Beer, Genovefa Kühn, Heidi Weinert und Nina Keckeis. Foto: Alexandra Wehr/ Pressestelle Stadt Memmingen

Der Frauenanteil in kommunalen Gremien Bayerns liegt weiterhin deutlich unter dem Soll: Lediglich 27 Prozent der Sitze in Gemeinde-, Stadt- und Kreisräten werden von Frauen besetzt. Auch im Memminger Stadtrat zeigt sich dieses Ungleichgewicht: Zwölf Frauen stehen 29 Männern gegenüber. Um das zu ändern, lud Oberbürgermeister Jan Rothenbacher rund 15 interessierte Frauen zu einem Info-Frühstück ins Rathaus ein – mit dem Ziel, sie für eine Kandidatur zur Stadtratswahl am 8. März 2026 zu gewinnen. Die Veranstaltung fand im Rahmen der überparteilichen Initiative „Bavaria ruft!“ statt.

„Wir brauchen mehr Frauen aus allen Lebenslagen und politischen Lagern in der Kommunalpolitik“, betonte Rothenbacher und machte deutlich, dass politisches Engagement nicht nur eine Frage der Parteizugehörigkeit sei, sondern vor allem der Mitgestaltung.

„Es geht nicht um ein Frauenthema – es geht um Demokratie“

Mit einem eindringlichen Impulsbeitrag unterstützte Dr. Claudia Alfons, Oberbürgermeisterin von Lindau und Mitinitiatorin der Initiative, den Vormittag:

„Bei einer gerechten Besetzung der kommunalen Gremien mit Männern und Frauen geht es nicht um ein Frauenthema, sondern um ein Demokratiethema.“

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Sie erinnerte an Artikel 3 des Grundgesetzes – „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ – und erläuterte, dass diese Formulierung einst durch den Einsatz einer vorausschauenden Frau Eingang ins Gesetz gefunden habe. Trotzdem sei Gleichberechtigung noch längst nicht erreicht:

„Männer und Frauen haben heute die gleichen Rechte und Pflichten, aber sie sind noch lange nicht gleichberechtigt. Gleichberechtigung ist nach wie vor ein Auftrag unseres Grundgesetzes.“

Mut zur Kandidatur – Politik lebt von Bürgerinnen

Die Lindauer Oberbürgermeisterin berichtete auch über ihren eigenen Weg in die Politik. Als sie Ende 2018 gefragt wurde, ob sie sich eine Kandidatur vorstellen könne, reagierte sie zunächst zögerlich: „Ich erklärte, dass ich gerne im Hintergrund mitarbeiten würde, nicht aber als Kandidatin.“

Schließlich entschied sie sich doch für die Bewerbung – und gewann 2020 die Wahl.
Sie ermutigte die Memmingerinnen, es ihr gleichzutun:

„Wir sind alle normale Bürgerinnen. Das demokratische System sieht es so vor, dass Laien in die Räte gehen. Die Fachexpertise ist in der Verwaltung vorhanden. Es geht darum, dass Bürgerinnen ihren Blick auf die Themen werfen.“

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Starke Stimmen aus der Lokalpolitik

Auch Bürgermeisterin Margareta Böckh, seit knapp 30 Jahren im Stadtrat, warb für politisches Engagement: „Mir macht es nach wie vor viel Freude. Man lernt vieles kennen und kommt mit unglaublich vielen Menschen zusammen – im Stadtrat selbst und mit der Bürgerschaft. Wir sind im Stadtrat Partner auf Augenhöhe.“ Ihr Appell: Frauen sollten sich gegenseitig stärken, Netzwerke bilden – und Frauen wählen.

OB Rothenbacher ergänzte: „Wenn man zwei, drei Themen hat, für die man brennt und Offenheit für andere Argumente mitbringt, ist das in Ordnung. Dafür sind wir 41 Personen, die ganz unterschiedliche Themen mitbringen.“

Mut, sich einzubringen – auch im historischen Rückblick

Ein Highlight des Vormittags war ein eindrucksvolles Anspiel des Spielclubs des Landestheaters Schwaben. In der Szene trat Antonie Egn, eine der ersten Memminger Stadträtinnen (1919–1929), gespielt von Monika Dörr, mit der klaren Botschaft auf: „Man sollte nicht immer über die Probleme jammern, sondern mitgestalten. Hoffentlich finde ich ein paar Mitstreiterinnen.“

Fakten zur Kandidatur: Was müssen Bewerberinnen wissen?

Michael Birk, Leiter des OB-Büros, informierte über die Rahmenbedingungen:

  • Kandidatinnen müssen in Memmingen wohnhaft und mindestens 18 Jahre alt sein.
    Eine Parteimitgliedschaft ist nicht erforderlich.
  • Man kann nur über eine Aufstellungsversammlung einer Partei oder Wählergruppe kandidieren.
  • Es gibt jährlich zwölf Stadtratssitzungen plus Ausschüsse (Beginn 16:30 Uhr).
    Stadträtinnen und -räte erhalten 442,40 Euro monatlich sowie 45 Euro pro Sitzung.

Engagement statt Jammern

Claudia Fuchs, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, betonte abschließend: „Es braucht Mut und Engagement, um für Gleichberechtigung einzustehen.“
Die Veranstaltung im Rathaus machte deutlich: Der Weg in die Kommunalpolitik steht allen Frauen offen – was zählt, ist der Wille, mitzugestalten. Und genau dazu will „Bavaria ruft!“ ermutigen.
 

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Newsdesk der Presse Augsburg Medien-Redaktion.