Landsberg am Lech – Nach rund 20 Monaten Bauzeit ist die neue Fischaufstiegsanlage an der Lech-Staustufe 15 in Landsberg in Betrieb gegangen. Rund acht Millionen Euro wurden in das Bauwerk investiert, das Fischen und anderen Wasserlebewesen künftig die Überwindung der Staustufe ermöglichen soll.
Gemeinsam mit dem Zweiten Bürgermeister der Stadt Landsberg, Moritz Hartmann, sowie Vertretern der Fischerei wurde die neue Fischwanderhilfe offiziell in Betrieb genommen. Die Anlage überwindet einen Höhenunterschied von insgesamt 8,50 Metern.
Nach Angaben von Uniper ist die Fischwanderhilfe ein wichtiger Bestandteil eines größeren Projekts zur Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit des Lechs. Zusammen mit bereits fertiggestellten Anlagen zwischen Merching und Kaufering sowie weiteren geplanten Fischwanderhilfen soll bis 2027 ein rund 100 Kilometer langer Flussabschnitt für Fische flussaufwärts durchgängig werden.
„Diese Anlage wird im Zusammenspiel mit den bereits errichteten Fischwanderhilfen an den Kraftwerken Merching bis Kaufering und den bis 2027 zu errichtenden Anlagen an den Kraftwerken Pitzling bis Finsterau sowie Dessau und Urspring für die flussaufwärtsgerichtete Fischdurchgängigkeit des Lechs über rund 100 Kilometer sorgen“, erklärt Carsten Gollum, Leiter der Kraftwerksgruppe Lech.
Anlage für bis zu einen Meter lange Huchen ausgelegt
Technisch ist die neue Anlage auf den Huchen als Leitfisch ausgelegt. Exemplare mit einer Körperlänge von bis zu einem Meter sollen die Fischwanderhilfe passieren können. Durch die Anlage fließen konstant rund 800 Liter Wasser pro Sekunde.

Das Bauwerk gliedert sich in mehrere Abschnitte. Unmittelbar unterhalb des Kraftwerksauslaufs befindet sich ein rund 18 mal 25 Meter großes Einstiegsbauwerk. Eine gezielt erzeugte Lockströmung soll die Fische zum Eingang der Anlage führen.
Über einen sogenannten Vertical-Slot-Pass mit 29 einzelnen Becken überwinden die Tiere zunächst knapp drei Höhenmeter. Die einzelnen Becken sind jeweils etwa drei Meter lang und 2,35 Meter breit.

Anschließend führt die Route durch ein Beton-Troggerinne unter dem Kraftwerksvorplatz hindurch. Dort ermöglichen weitere 15 Becken einen Höhengewinn von rund 1,60 Metern.
Naturnaher Teich bietet Fischen eine Ruhezone
Ein rund 200 Quadratmeter großer, naturnah gestalteter Ausgleichsteich bildet einen weiteren Teil der Anlage. Unterschiedliche Wassertiefen, Unterstände und strukturierte Kiesflächen sollen den Fischen dort eine Ruhezone während des Aufstiegs bieten.
Im abschließenden Verteiler- und Ausstiegsbauwerk wird die verbleibende Höhendifferenz über weitere 37 Einzelbecken überwunden. Sechs automatisch gesteuerte Schützentafeln sowie eine zusätzliche Bypass-Leitung sorgen dafür, dass der Wasserdurchfluss auch bei Schwankungen des Oberwassers möglichst konstant bleibt.
Gelände bleibt für Öffentlichkeit zugänglich
Aufgrund der unmittelbaren Nähe zur Stadt und der Bedeutung des Bereichs als Naherholungsgebiet wurde die Stadt Landsberg frühzeitig in die Planungen einbezogen. Der Platz oberhalb des Kraftwerks soll auch künftig öffentlich zugänglich bleiben.
„Da Uniper früh auf uns zugegangen ist, konnten wir es in den Planungen verankern, dass der Platz oberhalb des Kraftwerks weiterhin öffentlich zugänglich sein wird“, erklärt Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl.
Das Gelände wurde nach Abschluss der Arbeiten wiederhergerichtet und zusätzlich mit einer Bereitschaftshütte ausgestattet. Künftig soll die Fläche unter anderem als Übungsplatz für THW, Feuerwehr und Wasserwacht genutzt werden.
Eine ursprünglich von Stadt und Betreiber bevorzugte Führung der Fischwanderhilfe auf der rechten Flussseite konnte nicht umgesetzt werden. Die Untere Naturschutzbehörde hatte diese Variante mit Blick auf das dortige FFH-Gebiet und das geltende Verschlechterungsverbot verworfen.
Uniper plant nach eigenen Angaben, bis 2027 Fischaufstiegsanlagen an mehr als 40 Wasserkraftwerken an Lech, Isar, Main und Donau zu errichten. Damit soll die europäische Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt werden. Das Unternehmen beziffert die Investitionen hierfür insgesamt auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag.

