FCA-Kolumne | Die Rosenau Gazette: “In der Ruhe liegt die Kraft”

Presse Augsburg
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Die Fußballsaison des FC Augsburg startet nächstes Wochenende mit dem DFB-Pokalspiel in Cottbus. Die Sommerpause in diesem Jahr könnte nicht in größerem Kontrast zu letztem Jahr stehen. Konstanz auf allen Positionen rund um das Spielfeld ist angesagt. Letztes Jahr erinnert man sich an den Zugang von Sandro Wagner, der vieles überlagert hat. Der FCA wollte weg vom Image der grauen Maus, und Wagner lieferte die Schlagzeilen dazu im Wochenrhythmus. Nach dem couragierten 2:3 gegen den FC Bayern am zweiten Spieltag sagte er den Satz, der ihn bis zum Ende begleitete: Er sehe nicht, dass seine Mannschaft weniger Qualität habe als die Münchner, „auf keiner Position im ganzen Verein“. Drei Tage nach dem 0:6 gegen Leipzig folgte das 0:1 im Pokal beim Zweitliga-Vorletzten Bochum, und aus dem Aufbruch war Spott geworden. Nach 153 Tagen war Anfang Dezember Schluss; Michael Ströll sagte, es fehle der Glaube, in dieser Situation die Wende zu schaffen. Manuel Baum übernahm erst interimsweise und dann für den Rest der Saison und hielt die Liga.

Dabei gerät fast in Vergessenheit, dass der FCA auch den sportlichen Bereich des Managements im letzten Sommer fast vollständig umkrempelte. Für Marinko Jurendić kam Benjamin Weber vom SC Paderborn als Sportdirektor, ein Mann, der seine Laufbahn als Videoanalyst und Co-Trainer in Mainz, Dortmund, Paris und bei Chelsea begann und sich in Paderborn den Ruf erarbeitete, junge Spieler zu finden und zu entwickeln. Marc Lettau, davor Sportdirektor in Bochum und lange bei Union Berlin, verantwortet seither die Kaderplanung. Julian Baumgartlinger kehrte als Koordinator Lizenzspielerabteilung zurück und kümmert sich damit auch um die Leihspieler und die Übergangsspieler aus dem Nachwuchs. Und Manuel Baum bekam als „Leiter Entwicklung und Fußballinnovation“ eine Rolle, die es in Augsburg vorher gar nicht gab. Vier Personalien auf einmal – in jedem anderen Sommer wäre das die Geschichte gewesen.

Und in diesem Jahr: Ruhe. Rund um den Platz große Konstanz. Auf dem Platz hat ein großer Teil der Kaderbereinigung schon früh in der Transferperiode stattgefunden. Die Leihen des letzten Jahres sind abgewickelt: Arthur Chaves ist zurück nach Hoffenheim, Ismael Gharbi zu Braga. Fest abgegeben hat der FCA Cédric Zesiger, der zu den Young Boys nach Bern zurückkehrte, Elvis Rexhbecaj nach Wolfsburg, Dimitris Giannoulis zu PAOK sowie Henri Koudossou und Maximilian Bauer, den Bielefeld nach der Leihe fest verpflichtete. Weiterverliehen wurden vor allem Spieler, die zuletzt ohnehin nicht Teil des Kaders waren: Elias Saad nach Nashville, Yusuf Kabadayı nach Rijeka, Aiman Dardari nach Essen, Kyliane Dong nach Bolton, Marcel Lubik nach Krakau. Umgekehrt sind Nathanaël Mbuku, Steve Mounié und Tim Breithaupt aus ihren Leihen zurückgekehrt – hier dürfte im weiteren Verlauf des Sommers noch nach einer Lösung gesucht werden. Der Kader ist dadurch schlanker und deutlich klarer sortiert als vor einem Jahr.

Was man bisher vermisst: den großen Kracher-Abgang. Die Transfers von Matsima und Kömür in die Premier League sind gescheitert. Aber auch auf der Zugangsseite vermisst man Spieler, bei denen man davon ausgeht, dass sie die Qualität im Team direkt deutlich erhöhen. Hier wurden vor allem junge Talente dazu geholt: Faik Sakar von RB Leipzig, Tom Wisbereit von Union Berlin, Hennes Behrens aus Hoffenheim, Sima Suso aus Düsseldorf. Dazu kam Calvin Brackelmann aus Paderborn für die Innenverteidigung, die Leihe von Yannik Keitel wurde verlängert und mit Ribeiro und Gregoritsch wurden zwei Leihspieler fest verpflichtet. 

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Ich glaube, der FCA hat für die kommende Saison dennoch viel Potential. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Es gibt einige Spieler, die sich sportlich noch verbessern können. Uche, Kade, Ribeiro und auch Fabian Rieder, der auf der Sechserposition fest eingeplant ist, haben absolutes Hit-Potential. Manuel Baum startet ohne die Hypothek der Sandro-Wagner-Zeit. Die Talente, die dazu kamen, könnten überraschen. 

Natürlich besteht auch ein Risiko. Manuel Baum ist weiterhin der Daniel Düsentrieb des FCA. Er hat bisher als Trainer nur in Augsburg in der Bundesliga funktioniert und hat absolute Stärken z.B. in der Talententwicklung und in seinen analytischen Fähigkeiten. Auf der anderen Seite muss er zulassen, dass das Team um ihn seine Schwächen ausgleicht. Wenn er sich weiter als Teamakteur versteht und auf das mittlerweile eingespielte sportliche Team um ihn herum vertraut, dann kann der FCA einen Schritt nach vorne machen. Sicher ist das natürlich aber nicht. Im Verlauf der Hinrunde könnte zudem Unruhe aufkommen, wenn Spieler wie Mert Kömür nicht wie gewünscht zum Einsatz kommen, nachdem Wechsel im Sommer nicht realisiert wurden. Hier wird sich zeigen, ob sich der FCA bei jeder seiner Entscheidungen einen Gefallen getan hat. 

Ich glaube aber auch, dass sich der FCA noch weiter um Verstärkungen bemühen und zuschlagen wird, wenn es spät in der Transferperiode passt. Anton Kade hatte letzte Saison auch keiner auf dem Zettel und hat die Mannschaft dann verbessert. Man ist hier ja auch nicht unbedingt darauf angewiesen, noch einen Leistungsträger zu verkaufen. Die Weiterverkaufsbeteiligungen bei Arne Engels und Co. haben etwas versteckt Geld in die Kasse gespült, so dass der FCA definitiv noch etwas tun kann und dann auch im Winter kein Problem hätte, Matsima oder andere ziehen zu lassen. Wenn die Saison nun beginnt, fängt die Arbeit aber gerade erst an. Sowohl der FCA als auch jeder Spieler muss sich hart erarbeiten, von mehr träumen zu dürfen. Als Fan darf man in dieser Zeit des Jahres immer noch lautstark rufen: „Dieses Jahr klappt es wieder. Führ uns nach Europa, Manu.“

ANDREAS RIEDL IST GRÜNDER DER ROSENAU GAZETTE, DEM FC AUGSBURG BLOG. DAS AUTOR*INNEN-TEAM DER ROSENAU GAZETTE VERFOLGT DIE GESCHEHNISSE RUND UM DEN FC AUGSBURG SEIT VIELEN JAHREN UND BLICKT AUCH KRITISCH AUF ENTWICKLUNGEN ABSEITS DES SPIELFELDS. VIELE WEITERE TEXTE VON IHM UND DEM TEAM DER ROSENAU GAZETTE FINDEN SIE AUF rosenau-gazette.de.

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Newsdesk der Presse Augsburg Medien-Redaktion.