Die Stadt Augsburg hat einen detaillierten Hitzeaktionsplan verabschiedet, um gezielt auf die zunehmenden gesundheitlichen Risiken durch extreme Sommertemperaturen zu reagieren. Der Umweltausschuss stimmte dem Konzept am Montag, 14. Juli, zu. Der Plan ist Teil des städtischen Klimaanpassungskonzepts (KASA) und wurde unter der Leitung von Umwelt- und Gesundheitsreferent Reiner Erben durch das Gesundheitsamt erarbeitet.
Vier Handlungsfelder, 18 Maßnahmen
Der Hitzeaktionsplan der Stadt Augsburg umfasst 18 konkrete Maßnahmen, die in vier zentrale Handlungsfelder gegliedert sind: Planung und Koordinierung mit einer eigenen städtischen Koordinierungsstelle und einem jährlichen Steuerungskreis, gezielte Hitzewarnungen und Aufklärungskampagnen im Bereich Kommunikation und Sensibilisierung, Hitzeschutzkonzepte für Kliniken, Kitas, Schulen und Angebote für Wohnungslose zur Vorbereitung des Gesundheits-, Sozial- und Bildungssystems sowie Maßnahmen wie Begrünung, kühle Rückzugsorte und Veranstaltungs-Checklisten für den öffentlichen Raum. Hintergrund des Plans sind spürbare Klimaveränderungen: Die mittlere Jahrestemperatur in Augsburg ist seit Beginn der Wetteraufzeichnungen um 2,2 Grad gestiegen, wobei die fünf wärmsten Jahre alle in den letzten 30 Jahren lagen – vier davon allein in den vergangenen acht Jahren. Seit 1951 gibt es durchschnittlich neun zusätzliche Hitzetage pro Jahr.
„Dies kann sich zu einer enormen Belastung für die Gesundheit vieler Bürgerinnen und Bürger entwickeln“, warnt Umweltreferent Reiner Erben.
Zahlen, die zu denken geben
Der Hitzeaktionsplan der Stadt Augsburg zeigt deutliche Veränderungen des regionalen Klimas: Seit 1951 gibt es im Schnitt neun zusätzliche Hitzetage pro Jahr, während frostige Tage um 14 zurückgegangen sind – ein Zeichen für zunehmend mildere Winter. Zudem hat der Sommerniederschlag um 13 Prozent abgenommen, während die Zahl intensiver Starkregenereignisse im Frühjahr um 29 Prozent gestiegen ist. Im Zeitraum 1991 bis 2020 wurden im Durchschnitt 44 Sommertage gezählt – früher waren es 32. Insgesamt stieg die Durchschnittstemperatur in Augsburg seit 1881 um 2,2 Grad Celsius.
Gesundheitsrisiken im Fokus
Besonders ältere Menschen, Kinder, Schwangere, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen sowie Obdachlose sind bei Hitze gefährdet. Laut Robert Koch-Institut starben im Sommer 2022 rund 4.500 Menschen bundesweit an den Folgen extremer Hitze. Augsburg legt daher besonderen Wert auf Schutzmaßnahmen für diese Gruppen.
„Zu Hitzeschutzmaßnahmen in Kindertageseinrichtungen etwa zählen regelmäßige Trinkpausen und angepasste Tagesabläufe ebenso wie schattige Spielbereiche. Im Veranstaltungsbereich erhalten Veranstalter eine Checkliste, um bei Events für Schatten, Trinkwasser und medizinische Versorgung zu sorgen“, erklärt Reiner Erben.
Ein praktisches Beispiel ist die neue „Klimainsel“ am Martin-Luther-Platz mit mobiler Begrünung und schattigen Sitzmöglichkeiten. Zudem wurde ein Hitze-Portal auf der städtischen Website eingerichtet, das umfassend über Hitzeschutz und Gesundheitsvorsorge informiert. Auch kostenlose Trinkflaschen werden über Streetworker an Obdachlose verteilt.
OB Eva Weber: „Ein wichtiges Signal an die Stadtgesellschaft“
Die Umsetzung der Maßnahmen wird jährlich überprüft. Ein Steuerungskreis aus städtischen Dienststellen und externen Partnern koordiniert und aktualisiert das Konzept regelmäßig. Für Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber ist der Hitzeaktionsplan ein zentrales Zukunftsprojekt:
„Wir übernehmen Verantwortung und treffen Maßnahmen, die die Gesundheit der Menschen in unserer Stadt schützen, insbesondere auch die der vulnerablen Gruppen. Der Plan richtet sich an die gesamte Stadtgesellschaft und wird als dynamisches Konzept kontinuierlich weiterentwickelt“, betont Weber.
Mit der Umsetzung des Hitzeaktionsplans geht Augsburg einen wichtigen Schritt in der lokalen Klimaanpassung und setzt ein Zeichen für gesundheitlichen Bevölkerungsschutz in Zeiten steigender Temperaturen.


